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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Terlago-Thürmer, Band 44
Seite - 125 -
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Thalberg, Sigitzmim! immer eine anziehende Erscheinung, auch wenn seine Finger die zahlreichen Klavierstücke, h^ er hinterlassen hat, nichi luehr beleben. Arbeiien, wie seine große Phantasie über Nossini's ,,>lo8^, 0z». 33, und andere, verdienen ihre bleibende Stelle in der Literatur des Claviers. Gegen die Hoden Meister seiner Kunsi ist Tbalberg nur ein Stern zweiter, wenn nicht dritter Größe. Ader Goethe's schönes Wort gilt auch hier: Wenn man dem Sternen- bimmel naher tritt und die Sterne zweiter und dritter Größe nun auch zu fiimmern an- fangen und jeder auch als zum ganzen Stern« bild gehörend, hervortritt, dann wird die Welt weit und die Kunst reich." — An anderer Stelle schreibt Ambros: „Charakteristisch für Tbalbcrg den Klavierspieler ist es. daß er selten andere als eigene Kompositionen vor» trug. An Bach, Beethoven u. s. w. ging! er scheu vorüber. Nenn er Beethoven's Allegretto der siebenten Symphonie in seiner eigenen Art verarbeitet, so war das natür- lich nlcht medr Beetdoven, sondern Tbal- berg. Ein ^lu-artett von ^ns low, daß er mit dm Brüdern Mül le r spielte (als „fünf- ! ter Bruder Mül ler" , wie sich damals ein Musikfreund humoristisch ausdrückte), wurde unter seinen Händen hinreißend. Die Pariser schwärmten ordentlich, als er es auch in Paris vortrug. „Jeder Schüler könnte es spielen", rief ein Pariser Kritikus, „aber der Ausdruck, mii dein Thal berg es hören laßt, ist nicht in die Noten hineingrauiri". Wie fein übrigens Tbalbcrg die Schönheiten fremder Com- positioncn empfand, zeigt seine Sammlung: ..I/arr äo cUlnitei-, Hi)M<iu<5 au, V^ '^" ssiebe in der „Uebersicht der Kompositionen Tbalberg's": Oj». 7, Serie I—IV^j, wo er Stücke von Mozart , Pcrgolese. N o s si n i und Anderen scbr sinnig und schön fürs Clavicr lurechiluachi. auch als pädagogisches Werk interessant." — Und noch an einer anderen Sielle macht Ambroö folgende charakteri- stische Bemerkung: „Vergleicht man Thal« ! berg's Kompositionen mit den ibnen gleich- ! zeitigen Modesachen von Henri) Herz , ! «^'zernn u. s. w., so wird man finden, daß! sie diesem Geflitter und Gestalter gegenüber! scbr viel mebr. Körper, Fülle und Gehali haben ! — er verbalt sich dazu etwa wie ein ge- ^ dlümter schwerer öponer Seidenstoff zu leichtem ! Bänderwcrk von Halbseide",— Hanslick über ! Thalbcrg. „Tb a lb erg". schreibt Or. Han s- lick, „ist der eigentliche Vater der neuen ^ Klavierschule, deren Charakter „elegante Ro- maniik" und deren glücklichste ErMdung die Führung der Melodie in der Mittelftimme, umspielt von reichen Passagen, war-.. Im Anfange der Dreißiger-Jahre datie Tdal< berg. hilfreich und gefällig, wie er stets war. medr in fremden, als in eigenen Akademien gespielt; 'die Gesellschafts-- und Spiritual' Concerte, die unersättlichen Nohltoaiigkeitscon' cerie. endlich fremde concertirende Collegen fanden in Tbalberg einen bereitwilligen Mitwirkenden. Als eine eigenthümliche Indi- ,. vidualität, schöpferisch in Komposition und > , Spielweise, endlich als vollkommener Meister > des Technischen erschien er jedoch erst um die Mitte dcr Dreißiger-Iahre. Seine Erfolge in Frankreich. Belgien und England batten Th a l- berg die Glorie europäischer Berülnutdeit verlieben; in seinen Concerten im Winter i836/:l7 trat er vor die Wiener wie eine neue Erscheinung. Nun stand er auf der Höhe. Bewunderung war die einzige Kritik, die er erfuhr; was und wie er es ibat, wurde sofort Mode. Er spielte nicht mebr mit Orchester, selbst nicht in seinem ersten November-Concert 4836, das durch eine Kuvertüre mit ganzem Orchester eingeleitet wurde. Er brachte auch nur mehr eigene Kompositionen, warum sollte er Aclteres. Glanzloseres vorführen, warum jemand Anderen als sich selbst verherrlichen? Die P e r s önli ch keit des Virtuosen trat nun als Hauptsache in den Vordergrund. Thal« berg's Elauierstücle, zierlich, elegant, glänzend, bei aller Schwierigkeit höchst spielgerecht, ohne / Kraft und Tiefe, aber nicht ohne einen Schim- mer von Geist und Schwärmerei, fanden enormen 'Anklang. Sie baben ungleich medr auf die O!oncertrepertoires gewirkt als Liszt's Comvositionen. Ueberall spielte man Thal« berg und Alles von Thal berg, während von 3iszt nur sehr wenige Stücke („3ucia< Phantasie", ^(3lUop cki-oma.riq.ue", einige Schubert-Paraphrasen) von der übrigen Pia- nistcnschaar adovtirt wurden. Was an Thal-- berg'o Tviel vor allem charakteristisch vol> trat und unwiderstehlich anzog, war die Ver« cinigung einer außerordentlichen Bravour mit dcni weichsten singenden Anschlag und einer uornebmen Nubc. welche den Hörer in das . Behagen einer wonnigen Sicherheit und Un< feblbarkeii versetzte. Tcr Geist der Selbst» beberrschung und des Maßbalwis schwebte über seinem Tact, seine gleiche glänzende Me- chanik, wie die ruhige Glätte seines Portrages waren einzig zu nennen. Einen wohligen er- freulichen Eindruck machte sein Tpicl immer.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Terlago-Thürmer, Band 44
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Terlago-Thürmer
Band
44
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1882
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
360
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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