Seite - 152 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Terlago-Thürmer, Band 44
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Chaly, Coloman Thaly, Colonian
durch und durch Soldat und ein
Reitersmann, war er im gewöhnlichen
Leben ein Sonderling, ja in seinen Ge>
wohnheiten originell. Sein Zimmer, an-
gefüllt mit Büchern, die durcheinander
auf der Erde lagen, ließ er Jahre lang
weder kehren, noch lüften, Spinnweben
und dicker Stanb bedeckten darin Alles,
und er schlief auf einem am Boden
liegenden Strohsack. Im Munde hatte
er stets die lange unvermeidliche Meer-
schaumpfeife. Ein Uniculn waren seine
Predigten, oder richtiger gesagt, An»
sprachen, deren eine etwa folgendermaßen
lautete: „Waffengefährten, Brüder, Sol-
daten, seid treu Eurem Herrn und Kaiser,
tapfer wie Löwen, sonst wäret ihr keinen
Schuß Pulver werth und der Teufel sollte
Euch holen!" Im Bade tödtete ihn ein
Schlaganfall.
Thürbeini (Andreas Graf). Die Reiter^Negi^
menter der k, f. österreichischen Armee <Wien
t8l>3, F. V. Geitler. qr. 8".) Bd. III.- „Die
Ublanen". 3. 28!». ^- Derselbe. Romi«
ni>V'en^en. Fragmente eines Tagebuchs (Nien
l8t>4. Grirler. qr. z>o.) 2. <>^ und l9^>.
Thllly, Coloman (ungarischer G e-
sch i
ch t s fo r sch e r , geb. in dem
vormals zum Komorner, jetzt zum
Graner Comitate gehörigen Orte Csepe
am 3. Jänner 4839). Der Sproß einer
älteren ungarischen Adelsfamilie, welche
sich vormals mit ihrem vollen Namen
Thaly de Tal schrieb. Sein Vater
L u d w i g sgeb. 1794, gest. 1850)
versab einen höheren Posten im Waffen-
dienst, die Mutter Katharina war eine
geborene Bar tha lo ,ss . Von sechs
Söhnen der zweitgeborene, machte Colo-
man seine Studien zunächst am evan-
gelischen Lyceum zu Preßburg, dann an
der höheren Unterrichtsanstalt zu PHpa,
später wurde er Mitglied des reformirten
theologischen Institutes in Pesth. Ueber seinen ferneren Lebensgang sind wir nur
unvollkommen unterrichtet, wir wissen
nur noch, daß er im Jahre 1879 vom
neunten Bezirk der Stadt Pesth in das
Abgeordnetenhaus des ungarischen Reichs-
tages gewählt wurde, und daß er gegen-
wärtig correspondirendes Mitglied der
philosophisch - socialwiffenschaftlich - histo^
rischen Classe der ungarischen Akademie
der Wissenschaften ist. Das schriftstelle-
rische Gebiet betrat er frühzeitig, mit
16 Jahren, denn schon 18!i!i schrieb
er das Volksdrama „F?</ckose> /<?/e?/-",
d. i. Die herumirrende Seele, welches
im Pesth-Ofener Unterhaltungsblatte
.,Vl55ililNlg-^ d. i. Das Echo, zum
Abdruck gelangte. Von dem Titel dieser
Dichtung dürfte auch der Pseudonym
Bujdos«',, dessen er sich zu Zeiten zu
bedienen pflegt, abzuleiten sein. Nach-
dem er hierauf in Fachblattern und an-
deren Journalen lyrische und epische
Dichtungen, geschichtliche Skizzen u. s. w.
veröffentlicht hatte, erschien 18N7 seine
erste Sammlung von Novellen und Ge-
diäten unter dem Titeli , , ^ 5,?n?^e/ «
^</<///<?^" im Buchhandel. In der Folge
widmete er sicb ausschließlich geschickt-
licher Forschung, und in den Mittheilun»
gen der ungarischen Akademie der Wissen-
schaften, namentlich aber in der Zeit-
schrift „Hliäxnäok^, d. i. Jahrhunderte,
legte er einen wahren Schah historischer,
culturhistorischer, biographischer und ar-
chäologischer, bald mehr bald minder
umfangreicher Arbeiten nieder, von denen
wir^2. 15)3 eine Uebersicht folgen lassen.
I n der ungarischen Akademie der Wissen
schaften ist er besonders in der historischen
Commission thätig, welche sich die Er-
forschung, Sammlung und Herausgabe
ungarischer Geschichtsquellen zur Aufgabe
gestellt hat. Mit Wilhelm F r ä k n <'> i,
Arnold Ipo l y i , Albert Baron Nyä.ry,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon