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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Terlago-Thürmer, Band 44
Seite - 174 -
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Seite - 174 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Terlago-Thürmer, Band 44

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Channer, Ignaz 174 ihn als Hofcaplan in seine unmittelbare Nähe zu berufen. Es geschah dies um jene Zeit, als dieser Kirchenfürst durch die über Deutschland hereinbrechenden politischen Ereignisse sich gezwungen sah, Salzburg zu verlassen und in Wien seinen bleibenden Aufenthalt zu nehmen. Than- ner folgte ihm in die Residenz. Daselbst entfaltete er im Umgänge mit gelehrten Männern aus allen Ständen, insbeson» dere aber der Kirche, jene schriftstellerische Thätigkeit, durch die er sich eine so her- vorragende Stelle in der gelehrten Welt gesichert hat. Indessen gingen mit Salz» bürg hochwichtige politische Veränderun- gen vor: es wurde als Erzbisthum säcu- larisirt (23. Februar 4803) und zum Kurfürstenthum erklärt, Erzbischof Hie- ronymus aber legte die weltliche Re- gierung nieder und lebte in Wien, wo er am 20. Mai 1812 starb. Nach dem Preß- burger Frieden (26. December 1893) kam Salzburg an Oesterreich, nach dem Wiener Frieden (14. October 1809) an Frank- reich nnd durch dieses am 12. September 1812 an Bayern, bis es in Folge der Staatsverträge von Ried und München am 1. Mai 1816 wieder an Oesterreich zurückfiel. Mit diesen politischen Ver- änderungen stehen auch die weiteren Schicksale Thanner's in engster Ver- bindung. Ihm gefiel der Wiener Aufent- halt auf die Dauer ganz und gar nicht. Das Antichambriren in des Erzbischofs Vorgemache, um den Aud teilnehmenden die Zeit zu vertreiben, war dem Manne, der dieselbe zu nutzen verstand, bis in die Seele zuwider. Dieses Nnbehagen ver- barg er so wenig, daß der Erzbischof es bald gewahr wurde. Auf dessen Frage, ob er nach Hause zurückkehren und wenn dies der Fall, in die Stadt Salzburg oder aufs Land gehen wolle, erklärte er freimüthig: des Lebens in Wien über- drüssig zu sein, und bat, in der Landseel- sorge bei Salzburg verwendet zu werden. Neber solchen Freimuth seines Hofcaplans nichts weniger denn erbaut, entschied der Erzbischof auf den Wunsch desselben in direct entgegengesetzter — für einen geist- lichen Oberhirten nicht eben würdiger Weise — da Thanner seiner Würde als Hofcaplan enthoben und zum Katecheten im Ursulinerkloster in Salzburg ernannt wurde. I n die Zeit, da dieser in des Orzbischofs Antichambre die kostbaren Stunden zersplittern sollte, fällt seine nahezu wichtigste Arbeit, über deren Aus- führung es denn auch geschah, daß er weniger die Audienzwerber als seine wissenschaftlichen Ziele im Auge hielt. Am Lyceum in Freising hatte er den be- kannten philosophischen Schriftsteller Se- bastian Mutschelle kennen und innig verehren gelernt. Dieser war nun in München (28. November 1800) dem Typhus erlegen und hatte zwei bedeu- tende Werke: „Die theologische Moral" und „Versuch einer faßlichen Darstel- lung der Kant'schen Philosophie" un- vollendet hinterlassen. Von ersterem war nur der erste Band, von letzterem die ersten zwei Hefte im Druck erschienen. Da forderten Mutschelle's Freunde Th an- ner auf, beide Werke zu vollenden, und diesem kam das Verlangen um so er- wünschter, als ihm in seiner unbehag/ lichen Lage als antichambrirender Hof- caplan eine solche Arbeit den geeignetsten Zeitvertreib bot. So gab er denn den zweiten Theil der Moraltheologie unter dem Titel: „Theologische Maral für Var- lesnngrn" (München 1803, Leutner) her- aus und ließ den ersten zwei Heften des „Versuchs einer faßlichen Darstellung der Kant'schen Philosophie" zehn weitere folgen, in Heft 3—3 die Frage: Was soll ich thun? in Heft 6 und 7 jene:
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Terlago-Thürmer, Band 44
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Terlago-Thürmer
Band
44
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1882
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
360
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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