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Thanner, Ignaz 170 Thanner^ Ignnz
Weise. Vornehmlich fühlten seine italie-
nischen Schüler, für welche er in der ihnen
verständlicheren lateinischen Sprache be-
sondere Vorträge hielt, sich zu ihm hin-
qezogen, denn er vermittelte ihnen in
lebendigem Vortrage die neuen Ansichten
der Kant'schen idealen Betrachtung,
welcke sie besonders ansprachen. Nach der
durcb königlich bayrisches Decret vom
23. November 1810 erfolgten Umwand-
lung der Universität Salzburg in ein Ly-
ceum wurde er mit Beibehalt seines bis'
herigen Ranges, Gehaltes und Charakters
zum Professor der Philosophie und zugleich
zum Director der philosophischen Studien
an demselben ernannt. Mit dieser Ueber»
sehung in das ihm von früheren Jahren
her lieb und werth gebliebene Salzburg
sah er einen lange gehegten Herzens-
wunsch erfüllt. Denn in das damals
seinem Vaterlande einverleibte Innsbruck
berufen, hatte er unter den österreichisch
gesinnten und gegen die Maßnahmen der
bayrischen Regierung feindselig sick ver-
hallenden Professoren eine keineswegs er-
quickliche Stellung. Er selbst machte
daraus kein Hehl, sondern sprach darüber
oft mit der ihm eigenen geradesten Offen-
heit. Als Salzburg 1816 wieder an
Oesterreich fiel, verblieb er in seinen
Stellungen, und zwar als Lycealprofessor
bis zum Jahre 1819, als Director der
philosophischen Studien bis zum Sep-
tember 1849, sowie als Vorstand der
Lycealbibliothek, mit welcher Stelle er
nach dem Ableben des berühmten Judas
Thaddäus Zauner im Jahre ^813 be-
traut worden war. Von den Werken,
welche er während seiner Lehrthätigkeit in
Salzburg herausgab, nennen wir: „Dhr-
buch der thrllretiZcheil PhilllLvphie nach Grund-
Msen drr JüentiWsletm" zwei Theile (Salz-
burg 4814, Duyle, 8^.), wovon der erste
Theil auch unter dem Titel: „Logische, ^ Aphorismen als Versuch einer neuen Dar»
! stellung der Logik"; der zweite The.l
unter dem Titel: „Metaphysische Apho-
rismen als Versuch einer neuen Darstel-
lung der Metaphysik" erschienen ist. (Die
„Logischen Aphorismen" führt Kayse r's
Bücherlerikon ^Bd. V, S. 422^j als
„Lehrbuch der theoretischen Chemie" an,
was auf einem argen Druckfehler beruht);
— „Nlir- nnd Hundunch der praktischen ^Ijilci-
Zllphir n'ir akademische VnrlrLunssen" zwei
Theile (Salzburg 1811 und 1812,
Mayer, 8".), der erste Theil auch unter
dem Titel: „Allgemeine praktische Philo-
sophie und Naturrecht", der zweite Theil
unter dem Titel: „Die wissenschaftliche
Metaphysik" herausgegeben; — „Wi5-
srnZchnftlichr Aphorismen der katholischen Nlis>>
matik ?nm Nelnike dt3 akademischen Dhrullltrngrs
nach den NrdiirtniLLrii drr H^rit" (Salzburg
1816, Mayer, 8".). I m Vorstehenden
wurde Thanner's wissenschaftliche Thä-
tigkeit erscköftft. Wir haben seiner noch
> als Lehrer, Mustkfreulch und Bibliothekar
zu gedenken. Seine Vonräge in Lands-
Hut, Innsbruck und Salzburg waren sehr
besucht. Er ist der erste Professor der
Philosophie, der eine Weisheitslehre vor-
trug, die über die Schablone der kaiser-
lich königlich patentirten Likawetz-Philo-
sophie hinausging. Seine Vorträge waren
Ergebnisse eines selbständigen Denkens.
Daher hatte bei seinem Uebertritt in öster-
reichische Dienste die allwaltende Vor-
sehung der Studienhofcommission nichts
Eiligeres zu thun, als ihm seine Last
durch Enthebung von der Lehrkanzel der
Philosophie zu erleichtern. Als Director
der philosophischen Studien und als
Bibliothekar war er lahmgelegt und un«
schädlich. Wie einVater handelte er an den
Studenten, auch als er längst seines Lehr»
amtes nicht mehr waltete. Sein Einfluß
auf die jungen Leute war sehr groß, er
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon