Seite - 192 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Terlago-Thürmer, Band 44
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ersten französischen Feldzuges, mußten
die von der Conscription bis dahin noch
gänzlich befreiten Juden, weil sie ihr
Recht nicht verbrieft hatten, ein Ab-
lösungsgeld von 140 fl. für jeden Ersatz--
mann entrichten, und als dann die Ab-
wehr des Feindes sämmtliche Kräfte des
Reiches in Anspruch nahm, wurden auch
die Ersatzmänner zurückgewiesen. Als nun
Kaiser Franz I. auf dem Preßburger
Reichstage 1?!)6 in zuversichtlicher Ueber-
zeugung die Worte sprach, daß die Un-
garn, wie sie weiland seiner Großmutter
in bedrängten Tagen beigestanden, auch
jetzt, da Oesterreich von gleicher Gefahr
durch die hereinbrechenden Franzosen be-
droht sei, zur Abwehr des Feindes mit-
zuwirken bereit sein würden, brachten
neben den Magnaten, die mit Geld und
Mannschaft Hilfe boten, auch die Preß-
burger Juden ihr Schärflein, und zwar
auf einer vergoldeten Silberschüfsel eine
Summe von 21.000 fl. in Ducaten,
welche Theben in einer Privataudienz
dem .Baiser überreichte, und in Folge
dessen es auch den Magnaten Ungarns
gelang, die Israeliten vom Militärdienste
zu befreien. Diese Audienz, Thebe n's
letzte Anstrengung in einer Angelegenheit,
in der er zeitlebens zu Gunsten seines
Volksstammes thätig gewesen, wird nun
von unserem Gewährsmann, dem wir die
Verantwortung für diese Darstellung —
die dem Herausgeber ganz und gar er-
funden erscheint — überlassen, in fol-
gender Weise zürn Besten gegeben. Kop-
pel Theben, begleitet von Naftali
Rosenthal und Wolf Theben, er.
schien zwischen 9—10 Uhr im Primatial«
gebäude zu Preßburg zur Audienz, welche
in Gegenwart des ungarischen Hofkanzlers
Karl Grafen Päl f fy , des Grafen Karl
Zichy und des Cardinals Fürsten Bat-
thyäny stattfand. Daselbst hätte er so ^gesprochen: „Geld geben wir, opfern
! gern Alles, ja auch unser B lu t ; ade.-
, was haben wir zu hoffen? Wir bitten
l Euere Majestät um gleiche Rechte.
^ Als dreiundsechzigjähriger Greis, als
Vater von neun Kindern, trete ich dann
selbst mit allen meinen Söhnen in den
> heiligen Dienst fürs Vaterland — in
! den Militärdienst. Ja, ich wiederhole es,
! .Betteljuden wollen wir sein, wollen be-
i reitwilligst Alles hergeben: aber unsere
, Kinder nur dann, wenn wir gleiche
! Rechte mit den übrigen ungarischen In«
! fassen genießen oder einst zu genießen
^ hoffen dürfen". Der Kaiser faßte diese
^ in der That kühne Sprache in dem Sinne
! auf, als ob der Vertreter der Preßburger
! Juden ihm Bedingnisse in seinen Apar-
! tements vorschreiben wolle... und gab
i ausweichende Antwort... Die Stimmung
^ Koppel Theben's wurde immer ge-
^ reizter... er trug auf Ablösegelder oder
Ersatzmänner an.. . Bei dieser Zumu-
! thung gerieth der Kaiser in Zorn: „Soll
, ich (shristenblut für Gelo verkaufen?"
nacbdruckvoll ausrufend... Dock in glei-
chem Maße steigerte sich auck der Vifer
, des unerschrockenen Stimmführers für
^ Israels Ehre und Recht, der nun drohend
! aufschrie: „Das Eine sage ich Guerer Ma-
z jestät iu aller Unterthänigkeit, daß bisher
^ noch kein Iudenbedränger ein gutes Ende
^ genommen: so Pharaoh, Nebochadnezar,
! Haman, Titus..." Herausgeber ist in
der Darstellung wörtlich der unten be»
zeichneten Quelle gefolgt. Ist dieselbe
wahr, so ist sie unerhört, ist sie erfunden,
so ist sie frech. Als Judenfeind, schreibt
unser Gewährsmannn weiter, wollte und
konnte Seine Majestät der Kaiser durch-
aus nicht gelten, und der edle ohn»
mächtig hinstürzende Theben hätte
wahrlich sein Wagniß gar schwer büßen
müssen, so die umstehenden Minister ihn
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon