Seite - 193 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Terlago-Thürmer, Band 44
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Theben 193 Theben
nicht schleunigst aus dem Audienzsaale zu
führen nnd das aufgeregte Gemüth des
Monarchen zu besänftigen aus allen
Kräften bestrebt gewesen wären. Nach
gereickter Labung wurde dem todesblaffen
T h e b e n von Seite des Grafen
K. P i N f f y in aller Freundlichkeit be-
deutet : er möge sick nur ruhig nach Hause
begeben, in einer Stunde werde der Be-
scheid erfolgen... Daselbst angelangt, er-
theilte Theben in scheinbarer Gelaffen
heit einigen Männern den Auftrag, von
seinem Hause an in je zwanzig Scbritte
Entfernung bis zum Primatialgebäude
sich derart zu postiren, daß Einer dem
Anderen beim Herausfahren einer Equi
page aus letzterem sogleicb: „Man
kommt" zurufe... Nach einer Stunde
erdröhnte das „Man kommt" in lautem
Tenor durcb die Vorsteherwohnung, wo
die ganze „Deputation" nocb versammelt
geblieben war, und einige Minuten darauf
flog schon der Galawagen des k. k. Hof-
kämmerers heran! Der Auftrag Seiner
Majestät lautete ausschließlich an The-
b en. Dieser führte den vornehmen Boten
in ein stilles Gemacb... woraus auf ein-
mal ein bitterer Schmerzensruf wider-
hallte. . . Alles lief zur Hilfeleistung her-
bei... Theben lag ohnmächtig auf
einem Sopha hingestreckt... „D ie
Juden sind vom Mil i tärdienste
befreit" lautete die überraschende Bot»
schaft; der edle Vorkämpfer der Juden
aber hatte das G e g e n t h e i l zu ver-
nehmen und hiermit auf die Erlangung
gleicher Rechte gehofft. Indessen sah
er sich bei seinem leiblichen Zustande, der
durch die vorbeschriebenenVorgänge kaum
eine Besserung erfahren haben mochte,
genoihigt, Erholung und Linderung in
den Heilquellen von Karlsbad zu suchen.
Er kam aber nur bis Prag, wo er seinem
. verschlimmerten Leiden bald erliegen
v. Wurzbach, biogr. Lerikon. XI.IV. ^Gedr. 7 ..Nov.
< sollte. Als d!e Kunde von seine.n Tode
i nach Preßburg drang, fielen seine Feinde,
die, so lange er lebte, es nickt gewagt
! hatten, offen gegen ihn aufzutreten, in
seine Wohnung ein und nahmen seine
Schriften in Beschlag. Aber nach Durck-
stckt derselben fand es sich, daß er nickt
blos die Casse der Gemeinde, deren Vor-
! steher er über ein Vierteljahrhundert ge-
wesen, gewissenhaft verwaltet, sondern
auch alle jene Ausgaben, die sein Ta-
kifus gekostet, stets aus eigenen Mit-
teln bestritten hatte. Mit Theben,
schreibt dessen mehrerwähnter Biograph,
siel die Sacke, für die derselbe gefallen:
er wollte seine Kinder nur dann dem
Tode fürs Vaterland weihen, wenn es
ihnen gegönnt wäre, auch in Frieden für
dasselbe leben zu können. Doch in dem
Gesetz des ungarischen Reichstages vom
Jahre 1807 heißt es Artikel I, Para-
graph t : daß die auszurüstenden Mann-
schaften nicht allmälig, sondern so viel
thunlich in einer und derselben Zeit, und
zwar im Laufe des Winters zu stellen
seien, und sollen in diese Zahl auch die
Juden mit eingerechnet und abgeliefert
werden. Anläßlich der Grabschrift The
ben's stößt dessen Biograph Joseph
Reich den Schmerzensschrei aus: daß
das jüdiscbe Volk noch immer in schwerem
Kampfe begriffen, aus zahllosen Wunden
blute: die jüdische Wissenschaft in Trauer
gehüllt; ihre geweihten Träger und
Pfleger brot- und aussichtslos' die alt-
ehrwürdigen Talmud - Thora - Institute
verwaist und verwildert, die wackersten
Rabbiner verkannt und verbannt; die
gewissenhaftesten Iugendbildner darbend',
unsere Künstler unaufgemuntert; unsere
strebsamen Jünglinge dem Hunge r
preisgegeben, unsere Zeitschriften aus
Mangel an pflegender Theilnahme hin-
siechend seien!! Mit dieser Auffassung
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon