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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Terlago-Thürmer, Band 44
Seite - 198 -
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Theer, Robert 198 Theer, Robert künstlerische Ausführung seiner Bilder nicht gerade günstigen Schaffen im Laufe der Jahre von einer gewissen Manier, die im ersten Augenblicke seinen Pinsel er- kennen läßt, nicht frei erhalten konnte, ist selbstverständlich, aber es wirkt diese Manier, wenn sie auch die Kunst seiner Arbeit einigermaßen beeinträchtigt, nicht sehr störend, und immer versteht er es, seinen Bildnissen deu Stempel der Indi- vidualität aufzudrücken und seinem Aus- spruche gemäß: „für den Maler ist jedes Gesicht interessant", auch seine Porträte zu charakterisiren. Dabei besaß er die schätzbare Gabe sicheren Treffens und eine eminente Technik. Gar richtig bemerkt ein Kenner seiner Arbeiten: „Denselben hastet ein eigenthümlicher Zug an, der noch aus den Erscheinungen seiner Jugend stammt. Das Kind des Edelsteinschneiders hatte jederzeit glänzende, sozusagen vor- nehme Dinge vor Augen gehabt, und dieser Sinn für Glanz und Adel über- trug sick auch auf die Werke des persön- lich einfachen und bescheidenen Künstlers. Seine Gemälde haben daher meist etwas Festliches, sie sind glänzend, ohne jedoch ins Gleißende zu entarten". Diese Eigen- Neben der Miniaturmalerei betrieb or mit günstigstem Erfolge auch das Litho- graphiren. Wir geben unten eine kleine Uebersicht seiner vorzüglichsten Minia- turen, sowie seiner lithographirten Bild- nisse und Copien berühmter Kunstwerke. Theer hielt bei der unermüdlichen Thätigkeit, die ihn auszeichnete, große Ernte, und seine Einnahmen setzten ihn in den Stand, seine Neigung, werthvolle Kunstgegenstände zu erwerben und die Kunst selbst zu unterstützen, unbehindert walten zu lassen. So spielte er manchmal den Mäcen, um seinen Collegen Erleich - terung zu schaffen, und ließ z. B. auf eigene Kosten die „Madonna im Grünen" von Raphael durch den berühmten Kupferstecher Ste inmül ler , um diesen in passender Weise zu beschäftigen, in Kupfer stechen. Auch hatte er eine ziem- lich stattliche Sammlung werthvoller Ge- mälde und anderer Kunstgegenstände zu Stande gebracht. Aber diese Liebhaberei, sowie seine Freigebigkeit waren auch Ur- sache, daß er in einem Augenblicke, in welchem seine Kunst durch eine großartige Entdeckung sozusagen lahm gelegt wurde, plötzlich mittellos dastand. Wir meinen schaft aber bahnte dem Künstler eben den die Daguerreo typie, durch welche die Weg in die Kreise der höheren Gesellschaft, und so fanden sich bald in deren Salons, sowie in jenen der großen und reichen ^ Miniaturmalerei einen Stoß erhielt, von dem sie sich nicht wieder erholt hat. Der Miniaturmaler hatte bald nur sehr geringe. Häuser Wiens seine Arbeiten, die dann endlich keine Beschäftigung mehr. Wenn an den Wänden oder auf geschmackvollen Miniaturstaffeleien oder Etageren auch die Iamilienzimmer und Boudoirs schmück- ten. Im Jahre 183? wurde ihm die Aus- zeichnung, Ihre Majestäten den Kaiser Ferdinand und die Kaiserin M a ria > A n n a nach der Natur zu malen, und ^ das Bildniß des Ersteren vervielfältigte ^ er dann auf allseitige Bestellungen in! Theer seinen Mißmuth und das Ver- zagen gegenüber der Sacblage, die sich nun einmal nicht mehr ändern ließ, auch gut zu verbergen wußte, darum wirkte die Trostlosigkeit der Situation, in die er sich mit einem Male versetzt sah, doch nicht minder gewaltsam und nur um so nachhaltiger auf ihn ein, je mehr er be- müht war, sie zu verbergen. Ein Leiden, nahezu anderthalbhundert Copien auf ^ das er unter anderen Verhältnissen wohl werthvollen Tabati^ren und Nippen. ^ leicht und bald überwunden hätte, griff
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Terlago-Thürmer, Band 44
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Terlago-Thürmer
Band
44
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1882
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
360
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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