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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Terlago-Thürmer, Band 44
Seite - 229 -
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Seite - 229 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Terlago-Thürmer, Band 44

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Thierry, Adolph 229 Thierry, Adolph Staatsdienstes sich widmend, bei dem Gubernium in Brunn eintrat. Im Jahre 4830 aber ging er zur Diplomatie über, kam 1837 als Legationsrath zur Bundes» präsidial-Gesandtschaft in Frankfurt a. M., wo er später zum Hofrathe und Bundes- kanzlei - Director befördert wurde. Zu ^ Anfang des Jahres 4849 ins Ministe- ! rium des Aeußern übersetzt, zog er sich > nach dem Tode des Fürsten S ch w a r z e n- berg ins Privatleben zurück, aus welchem er nach fünf Jahren durch den Grafen Rech berg, der ihn von Frank- furt her kannte, wieder in seine frühere Stellung zurückberufen wurde. Als Frei- herr von Hübner das am 2l . August 4839 übernommene Polizeiministerium nach kaum achtwöchentlicher Verwaltung ! niederlegte, erhielt unter dem Minister Agenor Grafen G o l u c h o w s k i am 2l. October Freiherr Thierry dasselbe, ab'er schon nach einem Jahre, am 20. Oc- tober 4860, trat er zugleich mit Golu» chowski zurück, worauf seine Ernen- nung zum Mitglied des standigen Reichs» rathes erfolgte, aus welcber Stellung er nach Aufhebung dieses letzteren in den bleibenden Ruhestand versetzt wurde. Das Jahr seiner polizeiministeriellen Wirksamkeit gehört nicht zu seinen glor- reichsten, sein Rücktritt ward nicht nur nicht bedauert, sondern im Gegentheil beklagte man, daß derselbe nickt schon Diel früher erfolgt sei, ja, daß Thierry überhaupt zu einer Stelle berufen worden, zu welcher er den ganz vormärzlichen Geist kleinlicher Nergeleien und die Kunst im Kleinen groß zu sein, aber sonst auch nicht ein Atom staatsmännischer Bega- bung mitgebracht. I n der Muße seines Ruhestandes vertrieb er sich die Zeit mit nationalökonomischem Sport, und zwar war er in London als Haupttheilnehmer bei den Verhandlungen thätig, durcb welche von der österreichischen Regierung die Concession für die Anglo-Austria- Bank erwirkt werden sollte, worüber er gemeinschaftlich mit John Lev er in einen Proceß gegen Lord F e r m o y und O'Beirne sich verwickelt sah, bei dem es sich um nichts Geringeres als den Ersatz- anspruch einer Summe von 30.000Pfund Sterling handelte. Die Angelegenheit, welcke am 20. Februar 4863 vor dem Gerichtshof der HuüünsVsiloli in London zur Verhandlung kam, wurde auf Antrag des Lordoberrichters und mit Genehmi- gung beider Parteien einstweilen durch einen Vergleich geMicbtet, der darauf ausging, daß der Gerichtshof für den Fall einer Entscheidung zu Gunsten der Kläger ermächtigt sei, das Ztreitobject, wenn er es für angemessen halte, auf 20.000 Pfund Sterling zu reduciren. Welchen Ausgang der Proceß dann ge- nommen, ist dem Herausgeber dieses Le- xikons nicht genau bekannt, doch scheint es, daß er nicht zu Gunsten des Erpolizei- Ministers ausgefallen, da dieser später aus London nach Wiesbaden übersiedelte, was wohl zunacbst deshalb gesckah, weil ihm, nachdem die engliscken Geriete sich mit seinen Bankgründiingskostenrecbnun» gen nicht ganz einverstanden erklärt, die Luft Altenglands nicht eben gut be« kommen haben mag. I n Wiesbaden aber erlag er nach kurzer Zeit einem Lungen- leiden im Alter von 63 Jahren. Baron Thierry gehört der Periode jener un- glückseligen Experimente an, mit denen Agenor Graf Golu chowski die Aera der trostlosen Verwicklungen Oesterreichs inaugurirte, an welcken es noch heute leidet, und welcbe der Wiener Witz — im höchsten Weh noch immer urkomisch und drastisch — in der Anspielung auf den griechischen Vornamen des an die Spitze des Staates gestellten Sarmaten mit
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Terlago-Thürmer, Band 44
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Terlago-Thürmer
Band
44
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1882
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
360
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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