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^ Ferdinand Ios. Ioh. 336 Thinnfeld, Ferdinand Ios. Ioh.
Entwickelung des Gratzer Iesevereins,
des Industrialmuseums am Ioanneum,
der steiermärkischen
Zeitschrift, an welcher
er anfangs in der Redaction, später als
Mitarbeiter wirkte. Unter diesen geräusch-
losen, aber in jeder Richtung fördersamen
Geschäftsführungen nahte endlich die po-
litische Bewegung zu Ende der Vierziger-
Jahre heran. Wie in Niederösterreich, so
bildete sich auch in Steiermark im Jahre
484? allmälig eine kleine, aber die tüch-
tigsten Männer vereinigende liberale
Partei im alten Ständekörper, welche
den Ideen der Zeit und den berechtigten
Anforderungen derselben Rechnung tra-
gend, die freiwillige Lösung des patrimo-
nialen Nnterthänigkeitsverhältnifses und
eine freisinnige Gestaltung der Landes»
Vertretung anstrebte. Auch Thinnfeld
schloß sich ihr aus Ueberzeugung an und
nahm an ihren Besprechungen den eis»
rigsten Antheil. Als nach der franzö-
sischen Februar-Revolution die Aufregung
immer mehr wuchs, beschloß diese Partei,
für den Frühlings-Landtag einen Reform-
antrag vorzubereiten, welcher dahin ging,
an Seine Majestät die Bitte zu richten,
Abgeordnete der Stände aller österreichi-
schen Erblande nach der Residenz ein-
berufen zu wollen, damit gemeinsam über
die tieferschütterte Finanzlage des Staats,
über eine zeitgemäße Erweiterung der
standischen Repräsentation auf den Land-
tagen und überhaupt alle jene Maßregeln
verhandelt würden, welche geeignet
wären, das öffentliche Vertrauen nachhal-
tig zu kräftigen und zu
sichern. Zum Wort-
führer in dieser wichtigen Angelegenheit
erkor man Thinnfeld, welcher durch
eigene freisinnige Ansichten, und das An-
sehen, welches er allgemein genoß, dazu
vorzugsweise geeignet erschien. So brachte
er denn in der ständischen Ausschußsitzung
am 3. März 1848 einen von ihm aus- gearbeiteten derartigen Vortrag zur
amtlichen Verhandlung, der nach reif-
licher Erörterung an jenem Tage im stän-
dischen Ausschüsse und nachher am
13. März im Landtage zum Beschluß er-
hoben wurde und gewiß wesentlich dazu
beitrug, die aufgeregten Volksmajsen,
die auch in Gratz das Landhaus dicht
erfüllt hatten, zu beschwichtigen und
auch während der ganzen folgenden
stürmischen Periode die Einflußnahme der
Stände möglich zu machen. Als der stän-
dische Landtag sich in Folge der Ereig-
nisse permanent erklärt und sich allmälig
durch die Vermehrung der Vertretung
des Bürger- und Gelehrtenstandes zweck-
mäßiger eingerichtet hatte, wirkte Thinn-
feld bei den Verhandlungen thätigst
mit und unterstützte nachher auch den
bald aufgetauchten Antrag, zur Erörte-
rung der Grundentlastungs-, der Ge«
meindeordnungs- und der Verfafsungs»
frage einen eigenen provisorischen Land»
tag einzuberufen, welcher aus 90 zu drei
gleichen Theilen von den landtäflichen
Gutsbesitzern, von den bürgerlichen und
den bäuerlichen Gemeinden gewählten
Vertretern bestehen sollte. Auch als
dieser am 13. Juni 1848 mit ministerieller
Genehmigung zusammen trat, betheiligte
sich Thinnfeld als Abgeordneter der
Montanindustrie lebhaft an dessen Be»
rathungen, konnte denselben aber nur bis
zum 27. desselben Monats beiwohnen,
indem er inzwischen in seinem Wohn-
bezirke Feistritz zum Abgeordneten für
den österreichischen Reichstag gewählt,
l sich fortan einem umfassenderen constitu-
! tionellen Wirkungskreise widmen mußte.
Thinnfeld war Mitglied der allerersten
von den Ständen nach Wien entsendeten
! Deputation. Im Reichstage selbst hielt
er an dem Grundsatze fest: „Fortschritt,
aber nicht Umsturz", stand in freund-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon