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Tonran. Iofephine 244 ^ Joseph ine
zu einer Zeit s1833) an mich gerichtet,
als der Name desselben in der politischen
Welt noch unbekannt war, steht wörtlich:
„Mit ausgezeichneten Geisteskräften von
Natur aus gesegnet, drang sie mit be-
wunderungswürdiger Ausdauer, selbst-
standigem Fortschreiten, regster Wiß-
begierde weiter immer weiter auf der
Bahn ihrer Ausbildung, bis sie sich
Kenntnisse sammelte, welche sie nicht nur
unter den Ausgezeichneten ihres Ge-
schlechts, sondern auch unter ernststreben-
den Männern in die vorderen Reihen zu
stellen vermochten. Geist und Herz, Ver-
nunft und Verstand, Einbildungskraft
und Gedächtniß, alle ursprünglich kräftig,
erhielten allseitig ebenmaßige Entwick-
lung. Wahrheit und Klarheit war ihr
Ausdruck. So wuchs sie heran an der
Hand ihrer Mutter, der sie die beste
Tochter, und an der Seite zweier jüngerer
Brüder, denen
sie
die besorgteste Schwester
war, abseits der rauschenden, Geist und
Herz zersetzenden Welt im Schooße der
Natur". Mit großem Eifer betrieb sie
auch das Studium der slavischen Idiome,
vor allen jenes ihrer Muttersprache, der
slovenischen. Mit ihren angeborenen,
trefflich geschulten geistigen Vorzügen
verband sie eine edle, fesselnde äußere Er-
scheinung, und so lernte
sie, siebzehn
Jahre
alt, im Sommer 1830 den Advocaten
Lovro Toman kennen, der sie am
22. September 1833 zum Altar führte.
Nur kurze Zeit dauerte dieses Eheglück.
Am 20. Mai 1834 überstand sie eine
Frühgeburt, erlag aber schon wenige
Wochen danach den Folgen derselben im
Alter von erst 21 Jahren. Frühzeitig
begann Joseph ine zu schreiben, wie
sich denn dies bei ihren seltenen geistigen
Anlagen von selbst versteht. Sie schrieb
jedoch nicht Gedichte — es ist von ihr
nur ein einziges in slovemscher Sprache vorhanden — sondern Prosa, und zwar
meist kurze Erzählungen in ihrer Mutter-
sprache, welche sie mit seltener Gewandt-
heit und Reinheit handhabte. Gewöhnlich
behandelte sie eine höhere sittliche Idee
in einem slavisch - historischen Stoffe.
Solcher Erzählungen veröffentlichte sie
unter dem Pseudonym Iosipina Tur-
nograzdka mehrere in der schön-
geistigen slovenischen Zeitschrift „8I0-
vensivH köelil.", d. i. Slovenische Biene,
und im slovenischen Almanach „Aoi-a",
d. i. Die Morgenröthe. Die Erzählung:
„Boris, der erste christliche Czar der Bul-
garen", welche im Jahrgange 1832 des
genannten Almanachs zum Abdruck ge-
langte, lenkte die Aufmerksamkeit weiterer
Kreise, sogar in Rußland, auf die junge
Schriftstellerin, und 1833 erschien in
Constantinopel eine bulgarische Ueber-
setzung dieser Dichtung. So jung Io-
sephine war, wurde ihr Name bereits
gefeiert, und Alles beeilte sich, der jungen
slovenischen Autorin durch Zusendung
von Werken, Gedichten und dergleichen
mehr Beweise der Theilnahme zu geben.
Bei dem unleugbaren poetischen Talente,
das ihr eigen war, stand ihr in der That
im Vaterlande und überall, wo man um
slavisches Schriftthum sich kümmerte, eine
ehrenvolle Zukunft bevor. Der Tod
durchschnitt mit einem Male alle Hoff»
nungen, welche man auf sie gesetzt hatte.
Ihr Nachlaß bestand aus Erzählungen,
sprachlichen, ästhetischen und anderen
Aufsätzen. Sehr interessant ist die Corre»
spondenz, in welcher die Koryphäen der
slavischen Literatur ihrer Zeit in den ver-
schiedenen Idiomen vertreten sind. Musi-
kalisch gebildet und eine treffliche Pianistin,
hinterließ Joseph ine auch mehrere Cla-
viercompositionen elegischen Charakters,
welche von nicht gewöhnlicher Begabung
'ür diese Kunst zeigen. Nach einer Mit-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon