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Thoman, Moriz 230 ^ Johann
bis um die Mitte Juli 1761 deren 127,
zusammentraf. Wie Sclaven verpackt,
erreichten die Gefangenen nach einer un-
unterbrochenen Seereise von vier Mo-
naten, unter unsäglichen Leiden aller Art,
denen auch Mehrere erlagen, am 29. No-
vember 1761 endlich Lissabon. Tho-
man, nebst einem Theile seiner Ge-
fährten, wurde nach S. Iuliao, einer am
rechten Ufer und nahe der Mündung des
Tajo, drei Stunden westlich von der
Hauptstadt gelegenen Festung geschleppt.
Hier brachte man ihn in einen unter-
irdischen Kerker, in welchen man nur
mittels Laternenlichtes gelangen konnte.
Eine vierthalb Zoll breite Mauerritze ließ
ein mattes Dämmerlicht in die Nacht
dieser Gruft fallen. An dem von be-
ständiger Nässe aufgeweichten Gemäuer
blieb jeder Fingerdruck sichtbar. Das
modernde Holzwerk hielt fast nicht mehr
zusammen, und die dumpfe durch die
schmale Ritze kaum austretende Luft er-
schwerte das Athemholen. In diesem
an die schlimmsten Tage der Inquisition
gemahnenden Raum schmachtete er, ohne
je verhört, ohne je abgeurtheilt zu
werden. Durch mehrere Jahre von jedem
Verkehre abgeschnitten, sah er keine
andere menschliche Gestalt als die des
Kerkermeisters, der ihm die nothdürftigste
Nahrung bracbte. Jeder Versuch, Nach»
richt über seine Lage nach außen gelangen
zu lassen, scheiterte an der scharfen Be-
wachung und an der Unnahbarkeit seines
Hüters. Aber der Priester, der schon in
seinem Missionsgeschäfte gelernt hatte,
den Schrecknissen der Wildniß und den'
gefährlichen klimatischen Einflüssen Wider-
stand zu leisten, ertrug auch die Qualen
seiner Kerkerhaft mit Geduld und in
steter Hoffnung, daß die Stunde seiner
Erlösung endlich doch schlagen werde.
Nnd sie scblug. Als am 24. Februar 1777 Portugals König Joseph Ema-
nuel das Zeitliche segnete, fand sich in
seinein letzten Willen die Bestimmung
vor, daß allen Staatsgefangenen die
Freiheit wiedergegeben werde. So wurde
Thoman frei, nachdem er im Ganzen
18 Jahre weniger, sechs Wochen und vier
Tage in der beschriebenen schrecklichen
Haft verbracht hatte. Seiner Rückkehr
! in die Heimat stand nun nichts, mehr im
! Wege. Am 18. Juli 1777 verließ er
! Portugal. Dem Heimgekehrten wies Kai-
! serin Maria Theresia, welche Kunde
von seinem Schicksale erhalten hatte, ein
anständiges Iahrgehalr an, von dem er zu
Bozen in Zurückgezogenheit lebte, wegen
seines tugendhaften Wandels von der
Bevölkerung allgemein verehrt. Im
Sterberegister der Stadtpfarre Bozen ist
Th o man's Tod in folgender Weise an-
gezeigt: . ^ 1i0Ng.il. ^ lnur i t ius 6x
I^ilosopliiao 6t
ot ^ f r io i i ; por 18 <^nno8 inn
8.
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tri^o^ viv^nt,, odiit 19.
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nitu,?".
Neise« und örbensbeschreibunss von ihm
selbst verfaßt ^>lug5lmrg 1788, 8".).
Noch sind enväbnenswrrtl): i. Johann Tho-
man, auch Tomann oder Tom an ge<
schrieben, dessen Oaßncr in seinem „Uniuer»
sal-Lerikon der Tonkunst". S. 8üj. als eines
gebürtigen Völnuen und großen Fagottvirtuosen
gedenkt. Dieser Iobann Tboman (gest.
l8<»0) ist identisch mit dem bei Dlabacz
vorkommenden I r a n ; Tomann, der. aus
Mähren gebürtig, zuerst Trompeter bei einem
k. k. Dragoner-Negimente. dann aber zu Prag
Fagottist in der Hauscarelle des Grafen Io«
hann Packta ^Bd. XXI, S. N.i^ war:
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon