Seite - 258 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Terlago-Thürmer, Band 44
Bild der Seite - 258 -
Text der Seite - 258 -
Thonet 238 Chonet
legte, daselbst ins Privatleben sich zurück-
ziehend. Hon Linz begab er sich wieder
nach Prag, wo er bis zu seinem, durch
einen zweiten Schlaganfall herbeigeführten
Tode verweilte. Um das Theaterwesen
in Oesterreich, namentlich in Prag, besitzt
TH0M6 bleibende Verdienste. Für die
öechische Bühne war sein Interejse vor-
nehmlich durch den Schulrath Klicpera
M . XII , S. 88^ geweckt und geleitet
worden, mit dem ihn bis zu dessen Hin-
scheiden innige freundschaftliche Bande
verknüpften. Thomä hatte sich zweimal
verheiratet, zuerst um das Jahr 183? in
Pesth, mit der früheren Choristin, spä-
teren Localsängerin .Fräulein Baum-
gart ner, dann in Prag während seiner
Leitung des Theaters daselbst mit einem
Fräulein G ü n t h e r , welches einige
Male in der böhmischen Oper und in
Concerten mitwirkte. Aus letzterer Ehe
hinterließ er eine Tochter.
(Leipziger) Al lg em eine T heater - (5 h ronik,
1833, Nr. 6?. — Z cl ln er'5 Blätter für Tdea-
ter. Musik u. s. w. (Wien. kl. Fol.) 18??.
S. 172. — Mon ätsch r i f t für Theater und
Musik. Herausgegeben von Ios. Klemm
(richtiger von den beiden Fürsten Aler. und
Konstantin C z a r t o r n ä k i) (Wien. 4°.)
I I I . Jahrg. (1837). T. ö48 u. f.: „Prag".
— (5 ou l i sseng eheimn isse aus der Kunst»
lerwclt. Vom Verfasser der „Dunklen Ge-
schichten aus Oesterreich" und der „Hof' und
Adelsgcschichten" (Wien 1839. v. Waldheim,
Ler.'k".) 3. <:!7: „Die drei Schauspieler
(Ios. Wagner, Franz Thoms und Franz Treu--
mann) und die Kindrämordcrin".
Thonet, Michael (Großindustriel-
ler, geb. zu Boppard in Rheinpreußen
am 2. Juli 4796, gest. in Wien 3. März
4870). Ueber seinen Lebenslauf bis 4834
ist nichts Näheres bekannt. I n diesem
Jahre machte er in seiner Vaterstadt Bop-
pard die ersten Versuche, Längenholz in
jeder Richtung bleibend zu biegen. Auf Anregung des Fürsten Metternich, den
er wahrscheinlich auf dessen nur wenige
Stunden von Boppard gelegener Be-
sitzung Johannisberg kennen gelernt, ging
er nach Wien, wo seine Erfindung nicht
geringes Aufsehen machte und schnelle
Verbreitung fand. Aber er hatte daselbst
auch mit mancherlei Schwierigkeiten zu
kämpfen, die erst nach und nach behoben
wurden, und zwar vornehmlich durch
Mitwirkung des niederösterreichischen Ge-
werbevereins, der in der politischen und
industriellen Geschichte unseres Vater-
landes immer eine glanzvolle Rolle ge-
spielt hat. Nach längerem Ringen und
Streben gelang es ihm ^839, eine große
Fabrik zu gründen, in welcher er Stühle,
Fauteuils, Sophas und Tische aus ge-
bogenem Holze erzeugte, die durch ihre
Dauerhaftigkeit, Leichtigkeit und schöne
Form bald sehr beliebt und so verbreitet
wurden, daß ihr Bedarf nicht nur in
Oesterreich ein sehr bedeutender war,
sondern daß man sie auch nicht minder
stark ins Ausland begehrt. Das Pri-
vilegimn auf seine Erfindung hatte
Thonet im letztgenannten Jahre ge-
nommen, und auf der Londoner Aus-
stellung 4831 trug er mit seinem Fabricate
die Preismedaille davon. Nun wurden
seine gebogenen Möbel, welche vermöge
ihrer Zerlegbarkeit sich leicht verpacken
ließen, bald ein so starker Ausfuhrartikel,
daß bereits 4834 das Exportgeschäft
allein ein Drittel der Fabrication in An-
spruch nahm. Noch im nämlichen Jahre er-
hielt er in München die Preismedaille und
im folgenden zu Paris die Preismedaille
erster Classe. I n letzterer Stadt erregte
er durch zwei Tische und drei Parquetten<
tafeln, in welchen Streifen gebogenen
Holzes in den schönsten und mannig-
fachsten Verschlingungen eingelegt waren,
großes Aufsehen. Da zeigte sich eben die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon