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Chürhcim, Johann Christoph 281 ThürheiM) Karl Joseph
und Kasten wurden erbrochen, Alles, was sie
nur immer fanden, weggenommen oder ver-
tilgt, 356 Eimer Weins durch die Gurgel
gejagt, das allda liegende Getreide abgeführt
und aus seinem (Hans Christoph ö) eigenen
Stalle drei gute Pferde und fünfundzwanzig
Stück Ochsen weggetrieben, die Dienerschaft
gequält, mißhandelt und bei der geringsten
Widerrede mit dem Leben bedroht, ebenso die
Bürgerschaft des Ortes in ihrem Hab und
Gut ganz ruinirt." Die Directionsräthe und
Ausschüsse der Bauern führt Hans Chri-
stoph in diesem Berichte namentlich auf;
die denkwürdigeren unter innen waren: die
Pfleger Hausleutner der Herrschaft Parz,
und Asch au er jener von Schaumberg, sowie
die Ortsrichter von Lasberg, Leonfeloen,
Ottensheim, Gallnaukirchen. Gmunden und
der Docror Lazaruü H o l z m ü l l e r von
Stadt Stener. Laut einer seinem Berichte
beigefügten Specifikation beziffert er den
selbst erlittenen Schaden mit Il.286 fl.. einer
zu jener Zeit nicht unbedeutenden Summe.
Am 21. Mai 1627 wurde Freiherr Johann
Cbristoph Thürheim in die ober öfter«
reichische LandMannschaft aufgenommen und
bereits 1628 zum Verordneten der dortigen
Stände gewäblt, „in welcher Bedienung" er
nach zeitgenössischen Berichten „dem Lande, in
«p^cie bei dem damals völlig zerfallenen
Credit und verwirrten Landschaftswesen sehr
viel ersprießliche Dienste geleistet, davon die
zu seinem unsterblichen Nachruhm annoch
vorhandenen und bei der Landschaft ver<
wahrten Acta und verfaßte Gutachten Zeugniß
geben". Im Jahre 1«29 erkaufte er die noch
jetzt im Besitze der Familie befindlichen Herr«
schuften Weinberg, Wartberg und Dornach
von den deö Protestantismus kalber emi«
grirten Freiherren von Zelking. Auch war
er im Besitze des' Rittergutes Bibrachzell
mit Ober- und Unter«Reichenbach in Tchwa«
den und der von seiner Mutter ererbten vor»
maligen Nußdorff'schen Güter Fischbach und
Stockenfels in der Oberpfalz. J o h a n n
Chr is toph hatte sich am 9. Juni 1619 mit
Ann>! NlNlha Freiin von Tausskirchen vermalt,
welche 1661 das Zeitliche segnete. Beider
Testament ääo. 21.,December lK2i befindet
sich in. legalisirter Copie laut Nedopil's
„Adelsproben" Nr. 6841 im deutschen Ordens«
Centralarchive zu Wien. Ihrer Ehe entsproßten
fünf Söhne und vier Töchter, welche in der
Stammtafel ersichtlich sind. Er starb im
46. Lebensjahre und ruht in der Pfarrkirche zu L.'nz. unweit des St. Erasmialtareö. Nach
seinem Tode war Freifrau Anna Martha
von Thürheim Herrin der Herrschaft Wein-
berg. welche sie aber jll^o ihren Sötmen
Christopb 3 eovold und Phi l ippIacob
zum Eigmtdum übergab. Sie ruht in der
Pfarrkirche zu Lin; an der Seite ihres Gatten.
Laut eines von ihr im Jahre 1641 auf«
gestellten Stiftungsbriefes begründete sie zu
Ebelsberg, wo Johann Christoph als
kaiserlicher Pfleger und Lehenpropst von
Oberösterreich medrere Jahre gewirkt, ein
Voneticium, 8. 380g,5tikni mit Seelenmessen
für ihren Gemal, ihre Kinder und alle christ-
gläubigen Seelen. Hinsichtlich dieser Stiftung
wurde im Einvernehmen mit dem gegen-
wärtigen Familienchef Ludwig Egbert
Grafen T hürh eim als directem Descendenten
der Stifterin mit Bescheid des bischöflichen Kon-
sistoriums in Linz. Z. 2934 cläo. 11. Jänner
i«4o, die Bestimmung getroffen, daß uou
den entfallenden Interessen des Capitals all'
jährlich am Sebaftianstage ein Lobamt und
alle Monate zwei heilige Messen für die
Thürheim'sche Familie von dem jeweiligen
Pfarrer zu Gbelsberg gelesen werden ^Hohen
egg. Ic>eo oitkto, Bd. I I , S. 643.) —
24. Johann Wilhelm, siehe die besondere
Lebensskizze sS. 294). — 23. Joseph Fer-
dinand Ignaz, siehe die besondere Lebens«
skizze ^S. 298). — 26. Joseph Gundakar,
siehe die besondere Lebensskizze ^S. IllO).
— 27. Joseph Wenzel Franz, siehe
die besondere Lebensskizze ^S. 3 ^ - —
28. Kar l Joseph (geb. 1685, gest. 1709).
ein Sohn Franz Leopolds Grafen von
T bür he im aus dessen zweiter Ehe mit
Iodanna Eleonora Herrin Svichousky
von Schlvibow und Nisenberg, war
Kaiser Josephs I. Kämmerer. Oberstlieu<
tenaut und Generaladjutant des Prinzen
Eugen, von welchem er am 3. Jänner
1709 mit der Nachricht an das kaiserliche
Hoflager in Wien gesandt wurde.- „daß die
feindliche Garnison in Gent, um so mehr mit
Jedermanns Verwunderung, da dieselben
gleichwohlen in 34 Escadrons und 19 Ba-
taillons bestanden, dieser Tagen capitulirt
und gestern (2. Jänner) von dannen würklich
ausgezogen seye. alß man durch intercipirte
Brieff die Nachricht gehabt, daß sich der Feindt
von derselben Einer starkh und rigorosen
Defense versichert und aus dieser Ursach würb
lich präparatorien angekkerrt hatte, Eine
oiuerfion zu machen oder den Orth wohl gar
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon