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Thürheim, Ulrich I. 283 Ulrich I.
Helm und Mar imi l ian ; überdies würd
er Regimentsratk und kurfürstlicher Forst'
meister zu Landshut. Er besaß ein Schloß
vor dem Markte Schweinhofen. Im Jahre
4587 vermalte er sich mit der Erbtochter
Cordula Herrin von Tluttborff, der Letzten
ihres Geschlechtes. Sie brachte ihm die ober-
pfälzischen Güter Fischbach und Stockenfels
zu, was später zur Vereinigung des Nuß.
dorff'schen Wappens: ein silbernes Einhorn
im schwarzen Felde, mit dem Thürheim''
schen führte. Als Witwe entschlief sie zu
München am 28. Juni 1616. Von den sechs
Kindern Phi l ipp Jacobs pflanzte Jo-
hann (Hans) Christoph das Geschlecht
fort. Ein zweiter Sobn Hans starb als Ca-
puciner. Die Töchter und ihre Gatten sind
aus der Stammtafel ersichtlich. — 37. »Phi-
l ipp Jacob (geb. i. Mai 5631, gest. zu
Linz 23. September 1672). ein Sohn Hans
<Zhristophö Freiherrn von Thürbeim aus
dessen Ebe mit Anna Martha Freiin von
Tauffkirchen. trat frühzeitig in kaiserliche
Kriegsdienste. Zwölf Jahre Rittmeister, machte
er in dieser Zeit die verschiedenen Feldzüge
in Polen, Pommern, Holstein und Finnland,
sowie die Türkenkriege in Ungarn durch. Mit
besonderer Auszeichnung focht er in der
Schlacht bei St. Gotthard 1664 in den
Rciterschaaren Svork's, unter dem rühm«
voll bekannten kaiserlichen Feldherrn Grafen
Montecuccol i , wie davon auch das ihm
und seinen Brüdern ertheilte Reichs grasen«
diplom ääo. Wien 30. October 1666 aus»
drücklich Erwähnung macht. P h i l i p p
Jacob bekleidete am Hofe Kaiser Leo«
polds I. die Kälnmererwürde. Bis 1656
Mitbesitzer der Herrschaft Weinberg, erwarb
er später durch Kauf jene von St. Pantalron
und Steinbach. Seine Gattin Narin Vagda-
lena Nartha geborene Gräfin von öalburg
vermalte sich nach feinem Tode mit ihrem
Vetter Hans Vcichalb Grafen von 5awurg.
Aus der Ehe Phi l ipp Jacobs stammen
eine Tochter Maria Elisabeth, die ledig
starb, und ein nachgeborener Sohn Franz
Phi l ipp Gottl ieb ^S. 278, Nr. 15). —
38. Ulrich l . , ein Sohn Egino's I I . , war
ein bekannter Minnesänger des Mittelalters.
Er lebte am Hofe des römischen Königs
Heinrich VII., welcher, ein Sohn Kaiser
Friedrichs I I . und der schönen Con»
stantia von Aragoruen. im April 1222 zu
Aachen gekrönt, dann aber wegen Empörung
gegen seinen Vater zu Worms abgesetzt und im Juli 1233 nach Apulien abgeführt, im
30. Lebensjahre Februar 1242 zu Martorano
in Calabrien starb. Die Klagen Ulrich von
Thürheim's über den Tod dieses Fürsten
theilt in hochdeutscher Uebcrtragung von der
Hagen in seinen „Minnesängern", Bd. IV,
S. 207, zweite Anmerkung mit. Der bay-
rische Geschichtsforscher Ritter von Lang
wirft in seinen Regesten, worin er wieder« .
holte Beurkundungen von Thürheim ern
mit dem Vornamen Ulrich aus dem drei.
zehnten Jahrhunderte, und zwar von 1235
bis 1285, also aus vollen fünfzig Jahren,
anführt, die Frage auf: Welcher von den beiden
U l r i chen der bekannte Minnesänger ge-
wesen sei. Unzweifelhaft Ulrich I., der mit
Kaiser Friedrich I I . gleichzeitig lebte, nicht
aber der in den Zeiten des Verfalls des
Hohenftaufi schen Hauses und nach dem
Erlöschen desselben später, 1262 beurkundete
Ulrich I I . Unseres Minnesängers Dichtungen
sind folgende: „Der Clies", altfranzösisch
Cliges; — die Fortsetzung des „Tristan" von
Gottfried von Straßburg-, — „Der Renne«
wart; — ein ritterliches Heldengedicht auf
den heiligen Nilhelm in zwei Büchern; —
eine freie Uebersetzung des Ritterromans
„Lanzelot von Seehofen", und endlich die
Fortsetzung des „Wilhelm Oranse" von
Wolfram von Eschenbach (1239). Der
Grieche „Clies" ist eine Nachbildung des auch
von Conrad Fleck bearbeiteten gleichnamigen
Romans von Christian von TroyeS. Die
Fortsetzung des „Tristan" dichtete Ulrich auf
die Bitten des Schenken Konrad von Win«
terstetten (gest. um 1240); sein Gedicht
liegt in drei Ausgaben: k) von Groote
(Berlin 1821. 4°.), o) von Hagen (Breslau
1822. 8".) und e) von Maßmann (Leipzig
1843) vor. Auf Bitten eines „guten Weibes"
schuf er, scbon bejahrt, seinen „Rennewart",
in welchem er den Tod König Heinrichs
des Staufen beklagt. Ulrich von Thür«
heim starb nach 1260, waS eben zu drr
häufigen Verwechslung mit seinem gleich-
namigen Neffen geführt hat. Sehr eingehend
behandelt diese Frage der XVII.» oder eigent«
lich der neuen Folge IX. Band der ., VerHand'
lungen des historischen Vereins von Qbervfalz
und Negenöburg" (1856). S. 292—437. Ferner
schreibt über Ulrich Raymunduö Du ellius
in den „Txeerpt». xenekIoF. kist." (I^äicü
172ö, ?ol.) p. 263, worin der Ehrenbrief
oder das Lied abgedruckt ist, in welchem
Jacob Pütrich von Reicher; hausen im
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon