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Chürheim, Franz Ludwig 29l) Chürheim, Franz Ludwig
Graf Franz Ludwig bei Ausbruch des >
siebenjährigen Krieges auf seine wieder- ^
holte Bitte 1736 zur operirenden Armee ^
eingetheilt. Im Februar 4737 wurde er!
Inhaber des heutigen 23. Infanterie-
Regiments. Während der Schlacht von
Prag am 6. Mai 1737 war er Comman^
dant der Besatzungtruppen. Er hand-
habte mit Energie und Strenge die
Ordnung in der böhmischen Hauptstadt
und verhängte über einige der angesehen-
sten Bürger, welche sich grobe Nachlässig-
keiten und Nenitenz hatten zu Schulden
kommen lassen, sozusagen im Angesichte
des vor den Thoren der Stadt stehenden
Feindes, die damals schimpfliche Strafe,
umgekehrt auf einem Esel durch die
Hauptstraßen der Stadt zu reiten. Hier
wurde ihm für die hervorragende Thätig'
keit, mit welcher er sich der Pflege der
Verwundeten unterzog, die Anerkennung
der obersten Heeresleitung zutheil. Nach
der Einnahme der Festung Schweidnitz
im November des Jahres !737 zum
Commandanten derselben ernannt, ver-
theidigte er diesen Platz vier Monate
auf das tapferste. Unter seinem Befehle
standen 8000 Mann, aus allen In-
fanterie »Regimentern entnommen, und
200 Reiter. Den Winter über schmolz
diese Besatzung auf 3000 Mann, und
dennoch widerstand die Festung vom
13. December 1737 bis 13., April 1738.
Zur Charakteristik des Festungscomman--
danten ist folgender Fall bezeichnend.
Am 47. Jänner 1738 kam General-
Lieutenant Fouquu an die Festung
Schweidnitz angefahren, durch einen Par-
lamentär den Commandanten zur Er»
gebung auffordernd. Dieser aber ließ ihm
sagen: „er solle um Iohanni wieder
anfragen kommen". Da indeß Fouhuü
noch längere Zeit, als es in solchen Fällen
gestattet ist, vor der Festung sich aufhielt, gab Thürheim Befehl, zwei Kanonen-
schüsse abzufeuern. Der eine war so
glücklich angebracht, daß die Kutsche des
preußischen Generals umgeworfen und
dieser bemüffigt wurde, sich zu Fuß eiligst
aus dem Festungsbereiche zu entfernen.
Am 4. April 1738 wurden die Lauf-
gräben bis auf 300 Schritte vor dem
Galgenfort eröffnet. I n der Nacht vom
13. zum 16. wurde dasselbe mit Sturm
genommen. Erst nach angelegtem Haupt-
sturme ergab sich
Feldmarschall-Lieutenant
Graf Thürheim unter ehrenvollen Be-
dingungen. Die österreichische Garnison
zog in der Stärke von 49^4 Mann,
darunter 1130 Kranke, am 18. April mit
den Waffen aus dem Striegauer Thore
ab. Thürheim selbst wurde als kriegs-
gefangen vom Könige Friedrich I I .
zurückbehalten, der sich für die lange
Vertheidigung von Schweidnitz in nicht
sehr königlicher, aber von ihm oft beliebter
Weise rächte. Denn über das Schicksal
Thürheim's theilte der Hofkriegsrat!)
unterm 18. November l7ill dein Feld
marschall Grafen Daun mit: „daß so-
wohl Feldmarsckall - Lieutenant Graf
Thürheim als der Oberst seines Regi-
ments Marquis Vitelleschi vom König
Friedrich ohne Ursach nnd Grund als
Arrestanten nach Magdeburg abgeführt
worden sind, auch deren Frauen nicht bey
sich haben und mit Niemand Umgang
pflegen dürfen, daß aber Ihre Majestät
die Kaiserin (Maria Theresia) als
Repreffalie die vier ältest gefangenen
preußischen Generäle iu die Festung Kuf-
stein bringen ließ". Mit einer späteren
Note vom 22. December gibt aber der
Hofkriegsrath dem Feldmarschall Grafen
Daun bekannt: „daß Thürheim und'
V i te l l esch i , der Festungshaft ent-
lassen, in die Stadt Magdeburg über-
führt wurden, und aus Reciprocität der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon