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Iohmin Wilhelm 295 Thürheim^ Johann Wilhelm
sich im Lande, als die kleine österreichische
Streitmacht nach Niederösterreich übertrat
und überdies das zu jedem ernsteren
Widerstände gänzlich unfähige Landes-
aufgebot nach Hause entlajsen wurde.
Bereits am 1. September hatten die
Stände den Grafen Hohenfeld an die
Königin geschickt mit der Bitte um schleu-
nige Absendung einer hinreichenden Zahl
regulärer Truppen und um eventuelle
Verhaltungsbefehle. Mar ia Theresia
befahl, daß von jedem der vier Stände
ein Verordneter zur Besorgung der Ge-
schäfte, während des mit Waffengewalt
nicht mehr hintanzuhaltenden Ginfalls
der Bayern, in Linz zu verbleiben habe'
daß eine Ständeversammlung nicht mehr
abgehalten werde, sondern ein jedes
Mitglied derselben sich nach Haufe begebe
und nach Möglichkeit sich zu behelfen
suche' daß eine Huldigung jedoch um
jeden Preis zu umgehen sei, „was aber
wegen der feindlichen Uebermacht nicht
zu vermeiden oder zu ändern wäre, würde
die Königin niemals ungnädig ansehen".
Diesen Bescheid brachte der vom 7. .da«
tirte Bericht des Grafen Hohenfeld.
Bei der Annäherung der immer drohen»
der sich gestaltenden Gefahr hatte indeß
Graf T h ü r h e i m im Auftrage der
Stände ein halbofsicielles Schreiben ääo.
Linz il. September an seinen in Wien
weilenden Bruder Joseph Gundakar
abgeschickt, welcher als Abgeordneter der
Stände nach Preßburg gehen, dem
Hofkanzler Grafen Sinzendorf eine
Denkschrift über die „Nothdurft des
Landes" überreichen und in einer zu er-
bittenden Audienz Ihrer Majestät der
Königin die unterthänigsten eindring-
lichsten Vorstellungen über die höchst be«
trübenden Umstände und die Nothlage
des Landes vorbringen sollte. I n diesem
Schreiben empfiehlt Johann Wilhelm seinem Bruder die „Ehiste Erpedition
dieser Angelegenheit, da die Gefahr des
Einfahls täglich anwachse", von welchem
er sagt, „daß er wohl geschehen, aber
nicht lang von dem Feind behauptet
werde". Doch die Zeit drängte, und ehe
noch ein Bescheid der Königin auf dieses
zweite Ansuchen nach Linz gelangen
konnte, hatte der Feind die oberöfter-
reichische Hauptstadt, welche von jeder
Truppe entblößt war, eingenommen, und
am 13. September um 2 Uhr Nachmit-
tags hielt Kurfürst Karl Albert seinen
Einzug in Linz, von wo aus noch tags-
zuvor, obgleich die Festung schon von
fremden Truppen besetzt war, das Col^
legium der ständischen Verordneten der
Königin von Ungarn über die Vorfälle
im Lande Bericht erstattet und die zuver.
sichtliche Hoffnung ausgesprochen hatte,
ihrer Regierung nicht lange entfremdet
zu bleiben. Nur vier Ständemitglieder
wirkten in sträflicher Weise zu Gunsten
K a r l A l b e r t s und betrieben, dem
Feinde in Allem Vorschub leistend, die
Huldigung. Es waren dies Joseph Cle-
mens Freiherr von Weichs und die drei
Grafen Ferdinand, Joseph Friedrich und
Joseph Anton von Seeau, von denen
Letzterer sich am eifrigsten zeigte. Alle
übrigen Ständemitglieder, welche sich
theils in Linz, theils in dessen nächster Um-
gebung befanden, fügten sich nur wider-
willig und durch die Gewalt der Um-
stände gezwungen, in die neuen Verhält-
nisse, auch wohl in der Absicht, dem
gänzlichen Ruin des in den Händen der
Feinde befindlichen Landes vorzubeugen,
darunter auch J o h a n n W i l h e l m
Thürheim, der sich übrigens ungeachtet
dieser Zwangslage noch das Verdienst
erwarb, die Realisirung zwerer Forde-
rungen des Feindes, von 200.000 und
75.000 fl., zu verhindern', ferner ver-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon