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Thürheim, Jas. Ferd. Ign. 299 Thürheim, Il?s. Fcrd. Igu.
darauf bewirkten Vormarsch gegen Gor;;
während der weiteren Verfolgung des
Feindes gegen Italien im November die
Gefechte bei Rozenigo und Bafsano, end-
lich im Februar und März 18 t4: die
Schlacht am Mincio, die Vorposten-
gefechte bei Mozzecamo und Roverbella,
sowie das Treffen am Brückenkopf bei
Monzambano. Im Juni rückte sein Regi-
ment in die Friedensstation Debreczin.
Nach Ausbruch der Campagne 1813
wurde Oberlieutenant Graf Thürheim
während des Marsches nach Frankreich
als Ordonnanzoffizier in das Haupt-
quartier des Feldmarschalls Fürsten
Schwarzenberg beordert. I n dieser
Eigenschaft befand er sich auch bei dem
feierlichen Einzüge der alliirten Truppen
in die französische Hauptstadt, sowie im
October im großen Heerlager von Dijon.
Während des mehrmonatlichen Aufent«
Haltes des Armeehauptquartiers zu Paris
geschah es, daß eines Abends, als er mit
einem höheren Ofsicier aus der Suite
des Feldmarschalls Fürsten Schwarzen-
berg einer Theatervorstellung beiwohnte,
die Logenthüre plötzlich von einem
alten bonapartistischen Ofsicier aufgerissen
wurde, der, einen Schimpf über die öfter»
reichifcheArmee ihnen zurufend,
sich
ebenso
schnell, wie er gekommen, entfernte und
im Partere der Loge gegenüber Stand
faßte. I n das Schauspiel vertieft, mochte
der höhere Ofsicier den laut ausgesproche-
nen Schimpf nicht gehört haben, denn er
blieb ruhig auf seinem Sitze. Da entfernte
sich Graf Joseph, um den frechen Fran-
zosen zu fordern. Tags darauf schoß er
ihm eine Kugel in die Schulter, obgleich
er auf dem Kampfplatze die unvortheil«
haftere Stellung, nämlich die Sonne im
Gesichte, hatte. Wenige Tnge nach diesem
Vorfalle wurde der patriotische Muth und
der hingebende Eifer des erst 21jährigen Officiers in höchst ehrender Weise durch
dessen Monarchen Kaiser Franz I. aner-
kannt, indem derselbe mittels eigenen
Handbillets den Grafen zum Rittmeister
in dem Seiner Majestät Allerhöchsten
Namen führenden 4. Uhlanen-Regimente
beförderte. Obgleich, wie bekannt, Kaiser
Franz ein Feind aller Duelle war, blieb
er von jener Zeit doch dem braven Ofsicier
besonders gnädig. Im selben Jahre wurde
Graf Joseph Thürheim k. k. Käm-
merer und übernahm nach erfolgter Groß-
jährigkeitserklärung die Verwaltung seiner
Güter. 1819 quittirte er den Militär-
dienst unter Beibehalt des Officiers-
charakters, den er 1823 gänzlich ablegte.
Am 7. Juli 1829 wurde er erster Ver-
ordneter des altrudolphinischen Herren-
standes. Einem typhösen Fieber erlag
er nach achttägigem Krankenlager zu
Linz im Alter von 39 Jahren. Am
3. Juni 1816 hatte sich der Graf Jo-
seph mit der Grasin Leopoldine
Starhemberg, Tochter des Ritters
des goldenen Vließes Ludwig Fürsten
Starhemberg aus dessen Ehe mit
Maria-Luise Prinzessin von Arem-
berg, zu Lausanne im Waadtland ver-
malt. Gräsin Leopo ld ine (geb.
29. December 1793) starb, 27 Jahre
ihren Gatten überlebend, zu Linz am
13. November 1839. Sie war Palast-
und Sternkreuzordensdame. Aus dieser
ßhe
stammen
zwei Söhne: LudwigEg-
bert und Andreas j^ siehe dieses, und
zwei Töchter: Maria Leopoldine,
Witwe des 1872 verstorbenen Fürsten
Camillo Rüdiger Starhemberg,
und Therese Leopoldine, Stifts-
dame des freiweltlich adeligen Damen-
stiftes zu Brunn vor ihrer am 1. Februar
1863 geschlossenen Ehe mit dem zu Paris
ansässigen Baron Louis de Schwiter-
sie ist im Genusse einer von ihrer Tante
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon