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Thürheim, Ios Wenzel Franz 302 Thurheim, Ios. Wenzel Franz
Herrn von Nadherny. 4806 übernahm
er von seinem Vetter Christoph Wil-
helm dem Jüngeren die Herrschaft Wein-,
berg oum Äs>p6rtin6ntii8, gegen Aus-
zahlung des dafür bestimmten sideicom-
mifsarischen Einstandes von 200.000 st.
an die drei Töchter des früheren Be-
sitzers. Nach kurzer Krankheit in Folge
einer anfänglich vernachlässigten Zahn»
geschwulst starb er zu Wien im noch nicht
vollendeten 39. Lebensjahre. Seine Zeiche
wurde nach Weinberg überführt und in
der Familiengruft zu Käfermarkt bei-
gesetzt, in welcher seine Gedenktafel nebst
der seiner Gemalin in der Mauer an-
gebracht sind. Ungemein streng mo-
ralisch und wahrhaft fromm, war er
auch unbestechbar rechtlich und Cavalier
im edleren Sinne des Wortes. Die an-
ziehende äußere Erscheinung, welche den
Grafen in seiner frühen Jugend aus-
zeichnete, setzte ihn manchem verführeri-
schen Entgegenkommen aus, so daß er
bei einer neuen Verlockung um Zerstö-
rung seiner Schönheit flehte und sogar
für den Fall der Erhörung ein Gelübde
that. Da mußte er als Edelknabe einmal
einer Folter beiwohnen, welche auf ihn
einen so qualvollen Eindruck machte, daß
cr unwohl nach Hause kehrte und schon
nach wenig Stunden die Blattern in bös-
artiger Menge bei ihm zum Ausbruch
kamen. Er genas wohl, aber die Anmuth
seiner Physiognomie war für immer zer»
stört, da sein Gesicht von den Pocken eni>
stellt blieb. Der Graf erfüllte nun sein
Gelübde. Als einst eine bedeutende
Herrschaft in Niederösterreich versteigert
wurde, erstand er dieselbe um einen
Spottpreis; dieser vortheilhafte Kauf
hätte sein durch den Verlust von Erme«
ville geschwächtes Vermögen wieder voll»
kommen aufgebessert. Der Kauf war
abgeschlossen, das Geld erlegt, da er» scheint 24 Stunden später bei dem Grafen
ein Mann, der sich vor ihm auf die Knie
wirft, ihn beschwörend, den Kauf rück-
gängig zu machen, da seine ganze
Existenz als Fainilenvater davon abhänge
und er nur durch ein Ungefähr
sich
ver-
spätet habe, und weist gleichzeitig seinen
schriftlichen Auftrag von hoher Seite
vor. Darauf hin erklärt Graf Thür-
heim seinen Kauf als nichtig und über-
läßt sein Kaufsrecht jenem Manne, einem
kaiserlichen Beamten, dessen Existenz da-
durch gerettet ist. Ein anderes Mal ent-
ließ der Graf einen seiner Diener mit
einer Abfertigung, die auf 300 st. lauten
sollte. In der Eile schrieb er eine Null
mehr, also 3000. Als der Betreffende
zum Oberbeamten kommt, der ihm die
Summe auszuzahlen hat, bemerkt dieser
den Irrthum und eilt seinen Herrn davon
zu verständigen. Der Graf war keines-
wegs angenehm von dieser Entdeckung
überrascht, gab aber die Antwort: „Es
ist allerdings ein Fehler und meine
Schuld, was aber der Graf T b ürhei m
mit seinem Namen unterschrieben hat,
muß er auch halten! Zahlen Sie daher
die 3000 fi. auS. Diese Charakterzüge
sind sämmtlich Familienaufzeichnungen
entnommen. Graf Joseph Wenzel
vermalte
sich am 8. September 1783 mit
der 178l verwitweten Gräsin Maria
Luise Berlo-Hausemont geborenen
Gräsin Berghe de Trips (geb. 1739).
Dieselbe war von 1770 bis zu ihrer
ersten im Jahre 1779 geschlossenen Ehe
Stiftsdame des St. GertrudenftifteS zu
Nivelles, welches die strengsten Ahnen«
proben jener Zeit forderte. Ihren Gemal
nur um vier Jahre, überlebend, starb sie
am 16. September 1812 plötzlich vom
Schlage gerührt, als sie sich eben zum
Mittagstische sehen wollte, im Schlosse
Schwertberg. Außer einem einzigen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Band 44
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Terlago-Thürmer
- Band
- 44
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 360
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon