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Tonello, Iuseph 128 Toneüo. Joseph
im Jahre 1811, gest. am 12. August
1869). Entstammt einer geachteten Vene«
tianer Familie. Schon Tonello's Groß-
vater war Schiffbauer in Venedig und
stand als solcher in großem Ansehen.
Aber die politischen Ereignisse, welche, mit
der französischen Revolution beginnend,
auch die Republik heimsuchten, blieben
nicht ohne Einfluß auf seine Unter«
nehmungen, er kam immer mehr und
mehr ins Gedränge, bis er schließlich ver»
armte. Tonello's Vater Johann Daptift
arbeitete sich durch Energie und rastlosen
Fleiß wieder empor; er, wurde Armee«
lieferant, machte gewinnreiche Unter«
nehmungen und führte ein Leben ganz
auf vornehmem Fuße. Der Aufwand auf
seiner Villa Mira ging mit seiner Gast-
freundschaft gleichen Schritt. So ward
Hose pH inmitten der glücklichsten Ver»
Hältnisse geboren. Mit einem Male gerieth
der Vater durch die Niedertracht eines
gewissenlosen Geschäftsfreundes in völlige
Armut. Mit seiner Frau Katharina,
einer geborenen Salv in i , zog er sich
nach Prestranek, einem an der Eisenbahn
in der Nähe von Adelsberg gelegenen
Dörfchen zurück, wo er ungekannt als
Bauer in dürftigen Verhältnissen lebte.
Der jüngste Sohn Joseph soll in dieser
Zeit der Noth einige Zeit als Steinklopfer
in Trieft, später als Postillon gedient
haben. Aber der älteste Sohn Caspar,
der noch in den besseren Tagen des Vaters
die Marineschule in Venedig besucht hatte,
nahm, als er bei Gelegenheit der Errich-
tung einer Handels- und nautischen Aka-
demie in Trieft zum Professor der Schiffs«
baukunde an dieser Anstalt ernannt wurde,
seine Brüder Dominik, Andreas und
Joseph zu sich, und insbesondere Letz-
terer, der begabteste, machte treffliche
Fortschritte. Nach beendetem Lehrcurse
legte derselbe die Capitänsprüfung ab, ^ erhielt in kurzer Zeit auch eine Stelle als
! Handelscapitan und machte als solcher
j wiederholt Reisen. Der Handel mit Bau-
holz war damals in Trieft noch sehr unbe-
deutend. Die großartigenWälderIstriens,
> welche einst der Republik Venedig das
^ herrliche Schiffbauholz geliefert, lagen in
! Folge der französischen Invasion gänzlich
! verwüstet, und die reichen Forste der
Cteiermark kannte man eben noch zu
wenig. Auf diese richteten nun Caspar
und Joseph ihr Hauptaugenmerk und
! begannen einen anfänglich ganz beschei-
z denen Holzhandel, der aber mit dem
! Jahre 1848, in welchem die österreichische
Kriegsmarine großen Bedarf an Holz
hatte, sich unerwartet hob. Doch nicht
! blos Holz kaufte und verkaufte Joseph,
! er schickte sich auch an, Schiffe zu bauen
, und errichtete zu diesem Zwecke eine kleine
Werfte in Trieft. Da eröffnete ihm das
bewegte Jahr 1849 einen umfassenderen
Wirkungskreis. Er übernahm den Bau
der beiden Dampfcorvetten „Lucia" und
„Volta" und führte denselben in so ge-
lungener Weise aus, daß sich
die Aufmerk«
samkeit der k. k. österreichischen Kriegs-
marine auf den geschickten Schiffbauer
richtete. Nach den
siegreichen
Jahren 1848
und 1849 nahm die kaiserliche Kriegs»
marine einen großen Aufschwung, und als
Erzherzog Ferdinand Maximi l ian
das Commando derselben erhielt, ließ er
Tonello, der sich als Meister seines
Faches bewahrt hatte, die kräftigste Unter-
stützung angedeihen. Die Schiffbaukunst
in Oesterreich entwickelte sich bald in
Achtung gebietender'Weise, und daran
hatte Tonello den wesentlichsten An>
theil. Die kaiserliche Marine verdankte
ihm ihre besten Fahrzeuge. Den schon
erwähnten zwei Dampfcorvetten „Lucia"
und „Volta" gesellten sich von seiner
Werfte noch die Schraubenfregatten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Band 46
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Toffoli-Traubenburg
- Band
- 46
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 330
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon