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Tonelw, Joseph 126 Tonello, Joseph
„Adria" und „Donau", dann das Linien-
schiff „Kaiser", neunzehn Kanonenboote
und fünf Panzerfregatten hinzu. Da durch
seine Schiffbauten der Stadt Trieft selbst
ein großer Nutzen erwuchs, verlieh ihm
dieselbe im Juli 1862 das Ehrenbürger-
r?cht. Bemerkenswerth ist bei dieser Aus-
zeichnung, daß sie auf große Opposition
im Stadtrathe stieß, daß die Stadträthe
in der einst so gut österreichischen Stadt
Trieft, welche dem Hause Habsburg
Alles, was sie heute ist. verdankt, nicht vor
Scham errötheten, als man einer revolu-
tionären Partei zu Liebe der Verdienste
Tonello's um die kaiserliche Kriegs^
marine mit keinem Worte gedachte. Frei-
lich besaß der berühmte Schiffbauer noch
andere schwerwiegende Verdienste um die
Stadt: er hatte die Schiffswerfte S. Marco
in Trieft in ein großartiges Etablissement
verwandelt, eine Schule für Schiffs'
zimmerleute gegründet und dadurch
Tausenden von Menschen Unterhalt und
Erwerb verschafft. Aber nicht allein die
kaiserliche Kriegsmarine, auch die öster-
reichische Handelsmarine verdankt ihm
vielfacke Bereicherung. Schon zu Anfang
der Fünfziger-Iahre beschäftigte er sich
mit der Idee, dem österreichischen Ver-
kehre mit England, Amerika, Egyvten und
anderen Ländern durch Herstellung einer
großen Anzahl von Waarendampfern von
1300 bis 2000 Tonnen neue, rasche und
billige Verbindungen zu eröffnen, fand
aber bei den österreichischen Kapitalisten,
welche es zuließen, daß die ganze mittel-
ländisch^atlantische Linie in die Hände
der Liverpooler Gesellschaft gerieth, keinen
Anklang. Er sah sich nun genöthigt, die
Verwirklichung seiner Idee von günstigerer
Zeit zu erwarten. Und was 1832 eine
ganze Association nicht auszuführen ver-
mochte, that er 1863 al lein auf eigene
Rechnung. I n diesem Jahre ließ er sein« großen Dampfer „Marco Polo", „Maria
Theresia" und „Rudolph von Habsburg"
die verschiedensten Meere befahren. Auch
sonst noch wirkte er sehr verdienstlich. So
brachte er die zwischen Muggia und
Zaule gelegene sumpfige und daher von
bösen Fiebern heimgesuchte Gegend, in
welcher ehemals die später aufgelasse-
nen Salinen sich befanden, käuflich an
sich und schuf sie mit großem Aufwande
von Kosten innerhalb zweier Jahre in
Gärten, bebaute Felder und herrliches
Wiesenland um. Große Bauten führte
er zu Monfalcone, Recoaro, Capodistria
aus, an welch letzterem Orte sich sein groß-
artiges Besitzthum befindet, dessen Namen
Stramare er bei seiner Erhebung in den
erbländischen Ritterstand als Adelsprädi-
cat annahm. Dabei war er seinen Arbei'
tern ein Vater und zahllosen Dürftigen
ein freigebiger Wohlthäter. Noch einmal
richtete sich die allgemeine Aufmerksamkeit
auf diesen merkwürdigen 86lt'nia<i6 inan,
wie die Engländer Jeden, der aus sich
! selbst sich emporringt, zu nennen pflegen.
! Es geschah, als nach Tonello's feier-
! licherBestattung am 14. October 1869 das
! Testament, welches er am 27. Jänner
d. I . verfaßt hatte, eröffnet wurde.
3aut desselben sollten am Begräbnißtage
2000 st. an Arme vertheilt, dann dem
Armeninstitute von Trieft 20.000 fi.,
jenem von Venedig 10.000 st., den Armen
von Muggia, einem Städtchen in Istrien,
1000 st., der Gemeinde Recoaro im
Venetian'lschen 1000 st. nebst einem an-
sehnlichen Beitrage für die Restauration
ihrer Kirche gewidmet werden. I n den
Rest des auf vier Millionen veranschlagten
Vermögens hatten sich die Witwe, ein
Sohn und die vier Töchter zu theilen.
Ein zweiter Sohn ward mit Angabe der
Gründe enterbt, dessen Familie aber gleich»
zeitig der besonderen Obsorge der Witwe
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Band 46
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Toffoli-Traubenburg
- Band
- 46
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 330
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon