Seite - 145 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Toffoli-Traubenburg, Band 46
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, Sophie 143 ) Sophic
wir, daß sie den Grund zu ihrer Bildung
im elterlichen Hause unter Leitung ihrer
Mutter Iosepha geborenen Daniel ,
einer begabten und allgemein hochgeach-
teten Frau, legte. Nach deren frühem
Tode kam sie in ein Erziehungsinstitut zu
Szathmär und setzte nach dem Austritte
aus demselben ihre Studien fleißig fort.
Als auch ihr Vater im Jahre l8(jl ge-
storben, begab sie sich zu ihrer Schwester
Louise vermalten Ladislaus Makray,
mit welcher sie durch siebzehn Jahre nicht
nur in die Leitung des Hauswesens sick
theilte, sondern auch deren Kinder erzog
und mit Hilfe von Lehrern und Lehre-
rinen unterrichtete. Um immer in der
Nähe ihrer geliebten Verwandten zu sein,
verließ sie ihren Heimatsort und kaufte
sich im Hunyader Comitate zu Broos
(magyarisch Sz^szväros, römisch Orestia)
ein Haus, welches sie während der
Sommermonate bewohnt. Nachdem sie
die Kinder ihrer Schwester großgezogen
hatte, gab sie sich ganz ihrer Wissenschaft'
lichen Forschung, nämlich der Durch-
suchung der tert iären Nieder«
lassungen des Hunyader Comi»
tates hin. So brachte sie mit der Zeit
aus der Fauna der Tertiärbecken der ver-
schiedensten Drte eine ungemein reich-
haltige Sammlung zu Stande; dabei
faßte sie auch geologische und archäolo-
gische Nachforschungen ins Auge und
hatte in ihren Ausgrabungen so viel
Glück, daß diese Funde gegenwärtig die
achtunggebietende Summe von l 3.000
Stück übersteigen. Um aber eine solche
Sammlung zu Stande zu bringen, dazu
gehört nicht nur seltene Ausdauer,
Forschersinn und wissenschaftliche Hin-
gabe, sondern bei den Verhältnissen, wie
sie doit zu Lande obwalten, auch eine
ungewöhnliche Thatkraft. Von Seite der
rumänischen Bevölkerung, welche eben
v. N urzb a ch. biogr. Lrnkon. X den für die Wissenschaft ergiebigsten Theil
des Landes bewohnt, findet sie nicht nur
keine Förderung, sondern bei den primi-
tiven Culturverhältnissen dieser Bewohner
eine Unmasse Hindernisse aller Art, wo>
bei eine in hohem Grade unwirthliche
Natur mit im Bunde ist, mit ihrer Rauh«
heit und Wildheit die Durchführung der
Aufgabe zu erschweren. Es kann also,
schreibt ihr Biograph, nur ein der Wissen»
schaft von ganzem Herzen ergebener
Mann es wagen: gegen Naturereignisse
und gegen den tief gewurzelten Aber-
glauben der Bauern anzukämpfen, die
Jeden als den Verderber ihrer nächst-
jährigen Ernte ansehen, der es unter-
nimmt, mit Karst und Spaten in den
Eingeweiden ihrer Erde zu wühlen. Aber
Sophie Torma, die kühne Forscherin,
schreckte vor keinem Hindernisse zurück.
Wichtig sind die archäologischen Unter-
suchungen, welche sie durch Ausgrabungen
der Niederlassung von Tordas bei Broos
machte. Diese Alterthumsschähe würden
spurlos verschwunden sein, weil die
am Ufer der Maros gelegene Nieder-
lassung von den Wellen des Flusses
immer mehr und mehr ausgewaschen
wird. Da trat Sophie Torma recht-
zeitig als Retterin dazwischen. Als sie
aber die Ausgrabungen genau prüfte,
war sie auch keinen Augenblick noch iin
Zweifel, daß diese Niederlassung der
jüngeren Steinzeit angehöre und nicht,
wie man bis dahin angenommen, eine
römische Grabstätte sei. Nun mehrte sich
durch die dort gemachten Funde ihre
Sammlung immer fort und fort, .und
Karl Goos, ein tüchtiger Fachmann
und Mitglied des Vereins für Sieben-
bürger Landeskunde, wies in einem be-
sonderen Berichte auf die bedeutenden
Errungenschaften der unermüdlichen For»
scherin hin. Aber Sophie Torma blieb
'. 22. August 1882.) l l>
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Band 46
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Toffoli-Traubenburg
- Band
- 46
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 330
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon