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Toscana, Leopold I. 19l) Tascana, Leopold I.
der von früheren Zeiten ererbten und ! waren". Jede Anklage mußte von dem
damals in ganz Europa noch immer Herr« i Ankläger unterschrieben sein, die Anklage
schenoen Irrthümer und Vorurtheile auf- ! gegen die Eltern entfiel, ebenso der Eid
geführtes Gebäude" nannte, ward das ^ der Schuldigen. Jedem unschuldig
unbewegliche Eigenthum befreit; durch ^ Verurthei l ten wurde eine Ent-
sie konnte sick der Ackerbau gedeihlick sckadigung gesichert. „Diese Re-
entwickeln. Das Zunftwesen, die Ge-, form", sagte der obgenannte F o r t i,
werbesteuern, dann die Handwerks- und ^ „führte uns auf einmal aus der barba-
Oewerde Innungen, die man früher zum ! riscken Grausamkeit des Mittelalters zu
Sckutze der Arbeit eingeführt hatte, und i den milden Lehren der neuen Philo-
welcke jetzt die Industrie hemmten, , sophie. Und wenn auch diese Reform der
wurden abgeschafft. Das sckutzzöllneriscke ! Wissenschaft nickt voranging, so kam sie
Lyüem wurde mit dem Princip des ^ gewiß gleichzeitig, denn erst vor Kurzem
Freihandels vertauscht, und so sielen die ^ waren die Lehren, oder richtiger die
Schranken, welche den Verkehr im! milden Anschauungen Beccari a's ver-
Innern, insbesondere den Getreide» ! öffentlicht worden, und schon nehmen sie
Handel, dann den Handel mit dem Aus» ! in Toscana die Gestalt von Gesetzen
lande schädigten. Und mit Reckt sagte ^ an". Daß diese weisen Gesetze nicht un-
der treffliche Oekonomist For t i : „Alles, ! wirksam blieben hinsicktlich der Vermin-
was in dieser Hinsicht die französische ^ derung der Verbrecken, bewies die That-
Constituante geleistet hatte, und was ^ sacke, daß im Iabre 1788. abgesehen
so bock angeschlagen wurde, erreicht bei von einigen wenigen für vor vielen
wcirem nickt das, was fast dreißig Jahre ^ Jahren begangene Verbrecken Verur-
früh.er in Toscana eingeführt worden , theilten, die Gefängnisse Toscanas durch
war". Von den ersten Jahren seiner Ne> ^ L2 Tage ganz leer blieben! Dem Ge-
gierung sorgte Leopold väterlich dafür, sckicktsstudium kam die Gründung des
daß Allen olme Unterschied eine unpar« ! „Diplomatischen Archivs" in Florenz sehr
tciiscke Gerechtigkeit gesickert sei, suckte ! zu Statten, da dasselbe die Aufgabe hatte,
die Verbrechen durch eine aufgeklarte ^ die alten, in den verschiedenen Dikaste^
Präventivpolizei hintanzuhalten, die ! rien, Privatarckiven und Klöstern befind-
Besserung der Sträflinge zu erzielen, ' lichen handsckriftli.cken Pergamenturkun-
Verurtheilungen Unschuldiger dadurch zu ! den zu sammeln. Indem Leopold dem
verhüten, daß der Fiscus jedem Ange- ! Fideicommiß -- Gesetze des Großherzogs
klagten, der keinen Advocaten hatte, ^ Franz I I . eine größere Ausdehnung gab,
einen solcken beistellen mußte. Das große ^ verbot er mit geringen und unbedeuten-
Werk wurde durch das Gesetz, welckes die ^ den Ausnahmen streng jede Gründung
Strafgesetzgebung reformirte, vollendet! oder Uebertragung eines fideicommiffa-
(30. November 4786) und hiedurch die! rischen Titels. Das Gesetz, welckes der
Todesstrafe, die Tortur, die Güterconsis- ! „todten Hand" den Erwerb neuen
cation, und wie sich der erlauchte Gesetz» Grundbesitzes versagte, ließ er mit er-
geber ausdrückte, „die Vielfältigkeit der höhter Strenge handhaben und befahl,
sogenannten Majestätsverbrechen abge<! ihre Gründe dem Verkehr zuganglich zu
schafft, welche in traurigen Zeiten mit! machen, sei es durch erblicken oder zeit»
rafsinirter Grausamkeit erfunden worden > lichen Pacht. Um nun selbst mit gutem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Band 46
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Toffoli-Traubenburg
- Band
- 46
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 330
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon