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Toscana, öeopold I. 192 Toscana, Leopold I.
Die Gesellschaft der ^coi-FoüIi" (För-
derer des Ackerbaues) wurde ins Leben
gerufen und reich dotirt, und in einem
eigens errichteten großartigen Gebäude
die Akademie der sckönen Künste eröffnet. ^
Zum Scbutze der öffentlichen Gesund- ^
heitspflcge ließ er die Begräbnisstätten ^
weit von den bewohnten Ortschaften ver- ^
legen. Zur Verhütung von Beerdigungen !
Scheintodter wurden eigene Reglements!
publicirt und zur Rettung scheinbar Er-!
stickter oder Ertrunkener Preise ausgesetzt. !
Die Reihe seiner Regierungsacte schloß!
Leopold mit der Rechnungslegung, die!
er nach fünfundzwanzigjähriger Herrschaft ^
den Toscanern über seine Verwaltung!
bieten wollte, „überzeugt — es sind dies >
seine eigenen Worte — daß das wirk- ^
samste Mittel, um das Vertrauen der ^
Völker zu der Regierung zu befestigen,!
darin bestehe, die verschiedenen Zwecke!
und Gründe, auf welchen die durch die ^
Bedürfnisse oder die Umstände bedingten z
Maßnahmen fußten, jedem Einzelnen dar- ^
zulegen". Aus der Darstellung der ge- ^
sammten Staatseinnahmen und deren!
Verwendung ersieht man, daß im lebten ^
Regierungäjahre si763) Franz' I I . die ^
Staatseinkünfte 8,938.683 Lire betrugen, !
während die ordentlichen und außer»
ordentlichen Ausgaben die Summe von
8,448.892 Lire in Anspruch nahmen, so
daß sich ein Nettoüberschuß von 309.193
Lire ergab. Die dem Betrieb des Jahres
1789 entnommene Generalübersicht der!
Einnahmen und Ausgaben berechnet
erstere mit 9,196.12 t Lire tosc., letztere
mit 8,403.036 Lire tosc., so daß ein!
Ueberschuß von 784.064 Lire tosc. ver-
bleibt. Im Jahre 1790 zählte das
Großherzogthum eine Bevölkerung von!
1,038.000 Seelen, seit dem Jahre 1763 !
hatte sie sich um 113.000 Seelen ver-
mehrt. Leider war dieser Rechenschafts- bericht zugleich das politische Testament
Leopolds I. als Großherzog, denn nach
dem Tode Kaiser Josephs I I . ernannte
er einen Regentschaftsrath und verließ
Toscana, um sich nach Wien zu begeben
(1. März 1790) zur Uebernahme der
Regierung Oesterreichs. Kaum war der
Großherzog abgereist, so brachen auch
schon in Pistoja, Prato, Pisa, Livorno
und selbst in Florenz Unruhen aus, her-
vorgerufen durch böswillige Verhetzungen
Einzelner, die durch die wohlthätigen
Reformen Leopolds Schaden genommen
hatten. Vorwand zu den Tumulten boten
die Neuerungen des Bischofs von Pistoja
und die Freiheit des Getreidehandels,
welche durch vorgefaßte Meinungen als
dem öffentlichen Wohle verderblich be-
trachtet wurden. Das Eigenthum und
die Personen waren derart bedroht, daß
Leopold, bei der Bedeutung, welche
diesen Wirren wegen der revolutionären
Bewegung in Frankreich zukam, mit Edict
vom 30. Juni 1790 die Todesstrafe gegen
das Verbrechen des Aufruhrs wieder ein-
führte. Am 21. Juli 1790 verzichtete Leo-
pold auf die Souveränität in Toscana
zu Gunsten seines zweitgeborenen Sohnes
Erzherzog Ferdinand sS. 172^. Im
April 1791 begleitete er denselben
nach Florenz und am 16. Mai dieses
Jahres kehrte er nach Wien zurück, wo er
am 1. März 1792 starb. Aus seiner am
3. August 1763 mit Mar ia Ludovica
sgeb. 24. November 1743, gest. 13. Mai
1792), Tochter des Königs Kar l I I I .
von Spanien, geschlossenen Ehe ent-
sproßten zwölf Söhne und vier Töchter.
Die Söhne sind: Franz sgeb. 12. Fe«
bruar 1768, gest. 2. März 1833), nach-
maliger Kaiser von Oesterreich s^iehe
Artikel „Habsburg-Lothringen", Bd. VI,
S. 208, Nr. 93^; Ferdinand III .
Großherzog von Toscana sgeb. 6. Mai
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Band 46
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Toffoli-Traubenburg
- Band
- 46
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 330
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon