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^ Leopold I I . ^ Leopold I I .
Privatdomanen in der Maremma (Ba«
1)iola) eine Heerde von 230 echten fein»
wolligen Merinoschafen bringen ließ.
Diese waren dazu bestimmt, durch Kreu>
zung ihrer Zuchtwidder mit den ein«
heimischen alten Schafracen letztere zu
veredeln; daher wurden alle Widder der
importirten Heerde zur Zucht an die
verschiedenen Maierhöfe der Maremma
-verschenkt oder verkauft". Um die Ver-
kehrswege im Innern des neu gewon-
nenen Landes bequem zu machen, baute
man verschiedene Straßen, und um das»
selbe mit der Pisaner Provinz in Verbin.
5>ung zu setzen, wurde die alte Via
Aemilia des Scaurus restaurirt, erweitert
Hmd regulirt. Eine glückliche Folge der
Umwandlung der Maremma war die be»
deutende Entwicklung der Mamifactur»
.und Handelsinduftrie dieser Provinz;
.auch die metallurgische und mineralogische
.Industrie machte schnelle und riesige
Fortschritte. Oft hatte man versucht, aus
1)em Borax, einem sonst nirgends in
«Europa vorkommenden Producte der
Moräste von Montecervoli und Poma«
rance Nutzen zu ziehen. Da erfand der
Franzose Larderel die Art, daraus
sowohl das Boraxsalz als die Boraxsäure
zu gewinnen; er wendete sich an die tos»
caniscbe Regierung, die ihm ihren Schutz
gewährte, und er erwarb sich und dem
Lande große Reichthümer. Neuen Auf«
schwung nahmen die Alaungruben von
Montioni, die Schwefelhütten von Pereta,
die AntimoniuM' und die Kupferberg»
werke von Monte Catini, Montiert und
Nocca Federighi. Durch L e o p o l d s
Fürsorge blühte auch die Kupfergießerei
bei Mafsa Marittima wieder auf. Treu
dem Systeme der freien Concurrenz hob
er das seit uralter Zeit vom Staate be-
triebene Monopol der Eisenindustrie,
ebenso das Verbot der Einfuhr fremden Eisens auf. Die Regierung behielt die
Bergwerke von Rio und die Hochöfen
von Cecina und Follonica, wo die Eisen»
industrie eine außerordentliche Entwick«
lung erreichte. „Schon im Jahre 1843",
schreibt obgenannter S a l v a g n o l i ,
„nahm unser Toscana eine wichtige
Stelle in der Eisenindustrie ein, denn es
erzeugte etwa ein Drittheil des von ganz
Italien in den Handel gebrachten Eisens.
Und in zehn Jahren war eine Ortschaft
entstanden dort, wo es früher nur wenige
Hütten gab". Nach Errichtung eines
Ingenieurcorps und nach Organisirung
des Wasser- und Straßendepartements
ließ Leopold I I . drei große Straßen
über drei Joche der Apenninen eröffnen:
deren eine Toscana mit der Lombardei
und die beiden anderen über die Romagna
das mittelländische mit dem adriatischen
Meer in Verbindung brachten. Ein kolos-
sales Werk war auch die Vergrößerung
des Hafens von Livorno, wo man nach
Austrocknung einiger naher Sümpfe zum
Zwecke der Aufhebung der Zolllinie,
welche die Stadt von deren Vorstädten
trennte, die alten Befestigungen nieder-
riß, und Alles durch eine starke, 3 ^ Mi-
glien lange Mauer mit fünf Thoren oder
Zollschranken zu einem neuen Zollbezirk
vereinigte. Darin befand sich das Land-
und das Hafenzollamt nebst einem für
die kleineren Schiffe bequemen Innen-
hafen. An Stelle der seit 1816 für Rech-
nung des Aerars mit geringem Erfolge
arbeitenden Escomptebank wurde 1826
von einer Actiengesellschaft, an welcher
der Staat gleichfalls betheiligt war, ein
neues Bankinstitut errichtet, ^welches
mit ausgiebigeren Mitteln der Industrie
und dem Handel zu Hilfe kommen
konnte. 1834 ging man mit der An-
legung eines neuen Katasters vor,
in Folge dessen die neuen Gebäude auf
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Band 46
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Toffoli-Traubenburg
- Band
- 46
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 330
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon