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) Leopold I I . 197 Leopold I I .
So wurden damals die ruhigen, blühen-
den Zustände Toscanas von den Fremden
bewundert und beneidet; allein auch diese
glückliche Oase, wie sie Lamartine,
welchen der Großherzog in seinen nächsten
Umgang gezogen hatte, nannte, war von
dem verderbenbringenden Sturme be-
droht. Mit dem Rufe nach Reformen
gelang es der Umsturzpartei, alle Völker
Italiens aufzuwiegeln, und die väterliche
Milde der Monarchen mißbrauchend, kam
sie von Eroberung zu Eroberung rasch
dazu, Mazzini auf das Capitol zu
führen und Toscana die Dictarur Guer-
razzi's aufzuzwingen. Wir wollen diese
in der Biographie Leopolds I I . ^Bd.VI,
S. 442, Nr. 173^> bereits erwähnten
traurigen Ereignisse nicht wiederholen,
nur sei es uns gestattet, darzulegen, daß
der gute Fürst, als er von der Liebe
seines Volkes auf den Thron zurück«
gebracht wurde, -sich immer als der
gnadige, liebevolle Vater von früher er-
wies. Großmüthig verzieh er jede Be-
leidigung und widmete sich ganz der Auf-
gäbe, die dem Lande von dem verheeren-
den Sturme zugefügten Schäden gut-
zumachen. Man wollte ihm aus der Auf-
Hebung der im Februar 1848 von ihm
-verliehenen Verfassung einen Vorwurf
machen, vergaß aber dabei, daß dieselbe
durch die Februarrevolution des Jahres
1849 selbst abgeschafft worden war. Ihre
Wiederherstellung erschien ihm unverträg-
lich mit den alles eher als beruhigenden
Zuständen des übrigen Italien, und wahr«
scheinlich hielt er sie nur entsprechend für
den Fall der Wiedereinführung der Re-
präsentativregierung; er beschloß daher,
das Statut zu widerrufen, nach dem Bei-
spiele Oesterreichs, in welchem ebenfalls
die 1849er Verfassung widerrufen worden
war. Man rieth ihm, lieber das Beispiel
des Königs von Neapel nachzuahmen, welcher das Statut vom Jahre 1843
nicht aufgehoben, sondern s i f t i r t
hatte; allein Leopo ld meinte, daß
die Duldung einer früher rechtlich ge«
gebenen, nur. noch nominell bestehenden
Verfassung, deren Wiederherstellung nicht
möglich war, eine des Fürsten un-
würdige, dem Volke gefährliche
Täuschung wäre, welche bei letzterem
unbegründete Hoffnungen nähren könnte.
Wie viel noch, stets das wahre Wohl
seiner Unterthanen im Auge, leistete er
in den wenigen ihm noch gegönnten Re-
gierungsjahren! Die Errichtung eines
Rechnungshofes; ein neues Polizeiregle-
,ment; ein neues Gemeindegesetz; eine
Convention über die centralitalienische
Eisenbahn; ein Staatscentralarchiv; die
Stiftung einer Decoration für Verdienste
um die Industrie; die definitive Reorga-
nisirung des stehenden Heeres und die
Gründung eines Militärlyceums; ein
neues Strafgesetzbuch; neue Militärgesetz-
bücher; die Eröffnung eines technischen
Institutes in Florenz; eine neue Berg-
werkäschule in Maffa Marittima; eine
Ackerbauausstellung; Escomptebanken in
Florenz und Livorno; der Schifffahrtsver-
trag mit England und Ausdehnung des
mit Sardinien bestehenden; neue Organi«
sirung der Kriegsmarine: alles hier Auf'
gezahlte fällt in Leopolds I I . letzte
Regierungsjahre. Ein Gesetz vom Jahre
1836 vereinigte die beiden Universitäten
von Pisa und Siena in eine Hochschule,
um dadurch Lehrmcheit und Ersparnisse
zu erzielen; deswegen wurden aber die
Studien nicht vernachlässigt. Ein Jahr
darauf fand eine Reform des elementaren
und des höheren Unterrichtes statt, durch
welche das Nnterrichtswesen nicht wenig
gefördert ward. 1831 unternahm der be-
rühmte Botaniker Parlatore im Auf-
trage des Großherzogs eine Reise in die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Band 46
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Toffoli-Traubenburg
- Band
- 46
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 330
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon