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Toscana, Maria Ferdinand« 214 Toscana, Maria Ferdinanda
Obhut. Eine treffliche Gattin theilte sie
mit dem vielgeprüften Großherzog Leo»
pold treu und liebevoll Leid und Freud'.
Nach dessen Tode zog sie sich an den
Gmundenersee ins Privatleben zurück, wo
sie in der reizenden Villa in „Orth" ruhige
Tage verlebt und in der Uebung rett«
giöser und mildthätiger Werke Trost
sucht für die schmerzlichen Erinnerungen
der Vergangenheit, öfter erfreut durch
Besuche ihrer zahlreichen Kinder und
Enkel. Die Kinder aus ihrer Ehe mit
dem Großherzoge Leopold I I . sind in
deffen Lebensskizze ^S. 193) angeführt.
Porträt. Nach Bezzuoli gestochen von
Testi (Fol.. Florenz. 3. Bardi).
Toscana, Maria Ferdinanda
Großherzogin (geb. am 27. April
4796, gest. zu Brandeis bei Prag am
3. Jänner 1363). Maria Ferdinanda
hing als Tochter des Prinzen Maiimi-
lian von Sachsen mit Italien zusammen,
in welchem Lande sie den längeren Theil
ihres Lebens zubringen sollte. Ihre
Mutier war die Tochter des Herzogs
Ferdinand von Parma, des zweiten
Fürsten aus der bourbonischen Tertio-
geniiur, an welche durch den Aachener
Frieden (18. October 1748) das Erbe
Elisabeth Farneses kam. Ihr Oheim
war der König von Etrurien, auch ein
Bourbon, der, wie Herr von Reumont
bemerkt, das timäc» Danaos vergessend,
ein napoleonisches Geschenk annahm und
die traurige Erfahrung machte, was es
mit einem solchen auf sich habe. Maria
Ferdinanda, welche früh ihre Mutter
durch den Tod verlor, wurde, fünfund-
zwanzig Jahre alt, am 6. Mai 1821 die
Gemalin des in erster Ehe verwitweten
Großherzogs Fe rd i nand I I I . von
Toscana ^Seite 172^. Ihre jüngere
Schwester M a r i a Anna Caro- l i na hatte sich etwa vier Jahre früher
(16. November 1817) mit dem Erb-
prinzen Leopo ld , späteren Groß-
herzog Leopo ld I I . ^S. 193^ ver-
malt. Es war, schreibt unser Gewahrs-
mann Herr von Reumont, eine glück«
liche Zeit Toscanas, als die zweite
sachsische Prinzessin nach Florenz kam.
Wenige Wochen über drei Jahre war
Maria Ferdinanda Gemalin des>
Großherzogs gewesen, als sie am 18. Juni
1824 Witwe wurde. Durch ihres Gatten
Tod erlitt das ganze Land einen schweren
Verlust. Maria Ferdinanda liebte es-
nicht, sich in Regierungsgeschäfte zu
mischen, nicht unter ihrem Gemal, nicht
unter ihrem Stiefsohn, der zugleich ihr
Schwager war, sie wählte sich ein rein
weibliches Theil, indem sie, so lange ihre
! Schwester Maria Anna lebte, anderen
^ humanitärem Wirken theilnahm, beson»
^ ders an der Gründung und Leitung deä>
! Töchterinstitutes der Santisfima Annun-
ciata, welches, wie Herr von Reumont
bemerkt, eine der besten Anstalten, viel»
leicht die beste dieser Art in Italien ward
und unter ausländischen Oberinen auch
geblieben ist, wenigstens bis auf die
! Jahre, wo man die Erweckung des Pa-
- triotistnus als das Haupterforderniß
, weiblicher Erziehung aufstellte. Sie streute,
! gleich dieser Schwester, in den gesellschafi>
! lichen Verhältnissen, in welchen noch
z manche gute und löbliche Traditionen der
5 Vergangenheit zu erkennen waren, durch
> ihre Haltung einen Samen aus, der nicht?
erstickt worden ist. Und als sie nach dem
1832 erfolgten Tode ihrer Schwester
alleinstand, sehte sie deren Wirken in
noch erhöhtem Maße fort, wahrend sie
den Töchtern derselben eiue zweite Mutter
ward. Da sich die regierende Familie
keinem Bedürfnisse entzog, keiner Noch
sich verschloß, keine Gelegenheit zu gutem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Band 46
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Toffoli-Traubenburg
- Band
- 46
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 330
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon