Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lexika
Wurzbach-Lexikon
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Toffoli-Traubenburg, Band 46
Seite - 215 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 215 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Toffoli-Traubenburg, Band 46

Bild der Seite - 215 -

Bild der Seite - 215 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Toffoli-Traubenburg, Band 46

Text der Seite - 215 -

CoScana, Maria Ferdinanda 213 Toscana. Maria Ferdinanda Werke versäumte, so bot sich in Florenz und ganz Toscana der Großherzogin ein weites Feld zu wohlthätiger Wirksamkeit. Selten, so schreibt unser mehrerwähnter, in der Geschichte Toscanas so wohl unterrichteter, unbefangener und somit höchst zuverlässiger Gewährsmann, ist unter gleichen Umständen und bei gleichen Mitteln so viel, so theilnehinend, so ver- ständig, so rücksichtsvoll gewirkt worden, nicht blos in einzelnen außerordentlichen Fällen, an denen es nicht gefehlt hat, sondern täglich, regelmäßig, wie in Tos- cana unter Ferdinand und Leopold, ohne daß man die Zeitungen zu Hilfe nahm, um jedes Gnadengeschenk dem Publicum einzuläuten. Mar ia Ferdi- nanda täuschte sich über die Wendung, welche, da die Zeichen sich täglich mehrten, die Dinge zu nehmen drohten, auch nicht einen Augenblick. Der Popularitäts- schwindel des Sommers und Herbstes 1847 stößte ihr von allem Anfang Be- sorgniß ein. Aber sie konnte es nicht ahnen, daß der Mann, der bei dem Monstre-Fahnenzug des 12. September d. I . hinter dem Großherzog 3eopold auf dem Balcon des Palastes Pitti stand, und welchem dieser Großherzog, obgleich er sich einst über ihn zu beklagen gehabt, erst die Erziehung seines ältesten Sohnes, dann die Verwaltung des Innern anvertraut hatte, zwölf Jahre später, einer der Haupturheber des Sturzes der Dynastie werden sollte Warchese Ri» dolf i). Aber sie sah, daß man sich auf einem Wege befand, der zum vollstän.« digen Wechsel des Bestehenden führen mußte, ohne daß irgend einer sich klar machte, was an die Stelle desjenigen zu setzen sei, dessen Zerstörung man stück« weise ohne Regel, ohne Plan, ohne Vor- ficht, ohne des Zieles zu achten, betrieb. Es ging dann, wie es gehen mußte: die Alten waren bei Seite geschoben, die Neuen, so ehrlich und wohlmeinend manche derselben sein mochten, waren unerfahren, unschlüssig und somit bald ohnmächtig gegenüber dem Andränge der eigentlichen Revolution, die, wie gewöhn» lich, allein sicb ihres Zieles bewußt war. Erst Siena, dann Porto Santo Stefano, endlich Gaeta und Neapel, dies waren die Etapen der großherzoglichen Familie ! zu Anfang 1849. I n einem kleinen Hause der endlos langen Straße Molo di Gaöta, welche zugleich die Heerstraße ist, wohnte der Großherzog bis zum Frühling. Es war eine Zeit, in welcher man sich nicht darüber wunderte, von Souveränen in einem Schlafzimmer empfangen zu werden. Ruhigere Jahre folgten, aber das alte Verhältniß hat sich in Toscana nie wieder recht her> gestellt, das Bewußtsein des innigen Zusammengehens ist nie mehr recht zurückgekehrt. Die Großherzogin führte während dieser Jahre das still thätige Leben, an welches sie gewöhnt war. Werke der Wohlthätigkeit, fromme Uebun- gen, geistige Beschäftigung, Handarbeit nahmen die Zeit in Anspruch, welche daS Familienleben für die Pflichten ihrer Stellung frei ließ. Mit ihrer fast in gleichem Alter stehenden Stieftochter, der Erzherzogin M a r i a I u i s e , deren schwächlicher Körper einen männlich kraf« tigen Geist barg — die andere Stief- tochter war die Witwe Carlo Albertos und Mutter des Königs Victor Ema- nuel — brachte sie meist die Abende zu, wenn nicht die ganze Familie sich zu- sammenfand. Die Unterhaltung der Großherzogin war immer lebendig, an- regend und anziehend. Was die geistigen Gaben der edlen Fürstin betrifft, so besaß dieselbe scharfen Verstand, mannigfal- tiges Wissen, reiche Erfahrung und wußte
zurück zum  Buch Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Toffoli-Traubenburg, Band 46"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Toffoli-Traubenburg, Band 46
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Toffoli-Traubenburg
Band
46
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1882
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
330
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich