Seite - 244 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Toffoli-Traubenburg, Band 46
Bild der Seite - 244 -
Text der Seite - 244 -
lloth) Wilhelm 244 Wilhelm
argumentieren: daß in der Abdankung
Sr. Majestät Ferdinands V. ein
Formfehler sei und man demnach, so lange
der gesetzlich gekrönte König nicht in aller
Form Rechtens abgedankt habe, an einen
anderen keine Adresse richten könne, wider-
legte er einfach mit der Frage: was das
Repräsentantenhaus durch eine Adresse,
welche die gesetzliche Verwahrung ent-
halte, aufs Spiel setze? „Wenn die
Adresse von Erfolg begleitet ist, dann
werden wir die Würdigung und den Dank
des jetzigen Geschlechtes ernten, unsere
Nachkommen werden in uns unsere Ahnen
segnen können, daß wir die Verfassung
des Vaterlandes durch eine Adresse wieder
erworben haben; wenn aber die Adresse
keine besseren Folgen als die bisherigen
haben sollte, dann würden wir mit voller
Seelenruhe in den Kreis unserer Sender
zurückkehren mit dem Bewußtsein, Alles
gethan zu haben, was wir ohne Ver-
letzung unserer Rechte thun konnten, und
daß es nicht unsere Schuld gewesen, wenn
unseren Bemühungen nicht der Segen des
Friedens folgte". Wilhelm T6th zog
durch seine parlamentarische Thätigkeit,
durch den Tact, der aus allen seinen
Handlungen und Reden sprach, alsbald
die Aufmerksamkeit der leitenden Kreise
auf sich. Er war bald die rechte Hand
des Präsidenten, dem er in den wichtigsten
Momenten des schwierigen Dienstes hilf-
reich zur Seite stand. So geschah es denn
auch, daß, als Paul Rajner, seit 29. Oc-
tober 4869 Minister des Innern, am
40. Februar 187t seines Postens ent-
hoben wurde, Wi lhelm Toth's Be-
rufung an dessen Stelle erfolgte. Nun
brach im December d. I . plötzlich ein
Sturm gegen den neuen Minister los. Die
Neograder Bauern traten wegen Wahl-
umtriebe mit Klagen gegen ihn auf. Es
war ein Sturm im Wasserglase. Ein Be- richterstatter der „Neuen Freien Presse"
gibt in einer Original-Correspondenz ääo.
Pesth 3. December 487t in der Num-
mer 2618 vom 7. December einen komisch
gehaltenen Bericht über den ganz ergötz«
lichen Vorgang. Am 3. December 1872,
als Szlä.vy an Lonyay's Stelle das-
ungarische Ministerpräsidium übernahm,
wurde Wilhelm Toth auf seinem
Ministerposten bestätigt, am 5. März
4873 aber doch desselben enthoben, um
dem Grafen Julius Szapary Platz zu
machen. Sein Austritt galt in den amt-
lichen Kreisen für eine wahre Calamität,
da T6th nicht nur die schätzbare Eigen-
schaft unverdrossenen Fleißes besaß, son-
dern dabei auch ein Beschirmer der Ele-
mente der Ordnung, ein Freund der
Deutschen und ein orthodoxer Partei-
mann war, der mit schneidiger Schlag-
fertigkeit die Unarten und Invectiven der
Opposition abzuwehren verstand. Die
Ursache seines Falles ist nicht in von ihm
begangenen Fehlern, sondern in dem Um»
stände zu suchen, daß in Ungarn jedem
Minister des Innern eine potenzirte
Feindseligkeit entgegentritt, da immer der
jeweilige Träger dieses Portefeuilles für
die veralteten von seinem Vorgänger über^
nommenen, nur langsam ausrottbaren
Mißbräuche der Verwaltung verantwort-
lich gemacht wird. Im October 4873
wurde Toth zum Präsidenten des ge-
meinsamen Obersten Rechnungshofes er-
nannt. Seit der Fusion der ungarischen
Parteien zählte er zu den treuesten An-
hängern des Cabinets Tisza und war
auch ein entschiedener Verfechter der Occu-
pationspolitik im ungarischen Abgeord-
netenhause. Im Jahre 4873 erhielt er
die Geheime Rathswürde, bei Gelegenheit
seines Rücktrittes vom Ministerposten das
Großkreuz des Leovoldordens. 4879 war
er noch Mitglied des Abgeordnetenhauses
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Band 46
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Toffoli-Traubenburg
- Band
- 46
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1882
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 330
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon