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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Trzetrzewinsky-Ullepitsch, Band 48
Seite - 298 -
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Seite - 298 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Trzetrzewinsky-Ullepitsch, Band 48

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Nlke 298 Ulke vierfache Kleeblatt der Wiener Volks- sangerinen, eine Erscheinung, welche im Wiener Volksleben im dritten Viertel des laufenden Jahrhunderts auftritt und in culturgeschichtlicher Hinsicht von weit» tragender, wenngleich nicht fördernder Bedeutung ist. Zuerst erschien Ulke im Wiedener Theater unter der Direction Strampferals Choristin und erfüllte an der Spitze der „Stubenmadel", der „Hof- damen des Königs Boboche" oder der mit dem Tugendpreise des Ritters Blaubart zu betheilenden „Landmadchen" ihren kaum neidenswerthen Beruf mit unleug» barer Verdrossenheit. Zu Höherem sich berufen fühlend, suchte sie sich auch Bahn zu brechen, und schon war es für sie ein großer Fortschritt, wenn sie bei einer der vielen Wohlthatigkeitsvorstellungen, die in dem bekannten Theater im Gasthause „zum Wasen" veranstaltet wurden, einen Solovortrag zum Besten geben durfte, worauf sie dann ordentlich ins Zeug ging, mit frischer Stimme die reschesten Gstanzeln herausschmetterte und dafür immer stürmischen Beifall erntete. Doch trotzdem wollte es ihr immer nicht ge» lingen, aus dem Wirkungskreise der ersten ! Choristin herauszutreten, und alle ihre Anstrengungen, endlich einmal eine wenn auch noch so kleine Rolle zu er- halten, blieben erfolglos. Da gab sie denn, rasch entschlossen, eines Tages ihre ! Stellung auf, ging nach Preßburg und nach anderen Orten gastiren und trat nach einiger Zeit als selbständige Volks- sängerin in die Fußstapfen der damals in der Mode befindlichen Localsängerin Mannsfeld, welche sozusagen als der Urtypus der späteren Wiener Volks- sängerinen anzusehen ist. Sie drang durch, und ihre Vorstellungen fanden immer größeren Zuspruch. I n einer Cha- rakteristik dieser Dame heißt es wörtlich: ,Die Unverfrorenheit, mit der sie Alles sang, was bereitwillige Bänkeldichter ihr zumutheten, fand in den unterschiedlichen Wiener Vorstadtlocalen große Theil» nähme, und die diversen Bierwirthe rissen sich förmlich um Fräulein Ulke, die zu« treffend als die Gallmayer der „Pawlatschen" charakterisirt ist. ^Unter „Pawlatschen" versteht man in der Regel eine wenige Fuß hohe, aus Brettern ge» zimmerte, mit einem Clavler besetzte Bühne, auf welcher einige Individuen mannlichen und weiblichen Geschlechts mit obrigkeitlicher Bewilligung Zwei- deutigkeiten oft derbster Art sprechen und singen. Zur Erhöhung des Kunstgenusses wird Bier und Gulyäs consumirt. Das Wort ist oechischen Ursprungs und von „pÄviaö", d. i. Gerüst, abgeleitet.^ Spater unternahm sie von der Tribüne des Wirthshauses wieder den Sprung auf die Bretter und trat auf demselben Theater, an dem sie als bescheidene Choristin gewirkt hatte, in ersten Rollen auf. Allein, sei es nun, daß es ihr an dramatischem Talent fehlte, oder daß das Publicum hier kritischer war, ohne eben zu mißfallen, konnte sie nicht durch« greifen; der frenetische Beifall, den ihre Leistungen in der Singspielhalle gefunden hatten, blieb hier aus. In ihrer Eigen« liebe verletzt und wohl auch unzufrieden mit der knappen Gage, kehrte sie in kurzer Zeit wieder zum „Brettl" — so nennt der wienerische Jargon im Gegen» satz zur öechischen Pawlatschen die Tri« büne, auf welcher Volkssanger und Volkssängerinen in öffentlichen Localen ihr Wesen — richtiger Unwesen — treiben — zurück, und nun beginnt ihre eigent« liche Glanzzeit, und diese sollte sie doch nicht auf dem „Brettl", fondern wieder auf den Brettern durchleben. Director Danzer erkannte in ihr eine Zugkraft
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Trzetrzewinsky-Ullepitsch, Band 48
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Trzetrzewinsky-Ullepitsch
Band
48
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1883
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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