Seite - 93 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Ullik-Vassimon, Band 49
Bild der Seite - 93 -
Text der Seite - 93 -
Nnterber-ger, Michael Angelo 93 Rnterberger, Michael Angelo
Sein Ruhm lebt in feinen hinterlassenen
Schriften und in seinen hierdurch würdigen
und dankbaren Zöglingen beim österreichischen
Ariilleriecorps fort".
Unterberger's Webet. Im Jahre t?93. in welchem
er die Eroberung Mannheims bewerkstelligte,
befand er sich als Generalmajor zu Hadamar.
einem Städtchen im Nassau'schen. und schrieb
nächtlicher Weile das „Gebeth eines ehrlichen
Soldaten" nieder, welches i8l8 auf Veran»
lassung der Freunde des Verstorbenen nach
der Oriamalhandschrift abgedruckt wurde. Es
dient besser als viele Worte zur Charakteristik
dieses braven Soldatm, dessen religiöses Ge-
fühl in dem schlichten Gebete unverfälscht
Zum Ausdruck kommt, daher lassen wir es
auch hier seinem vollen Wortlaute nach
folgen: „5D Herr und Erschaffer des ganzen
Weltalls! ich danke dir. daß du mich zum
Menschen gemacht und mit Vernunft begabt
hast, um deine Herrlichkeiten so weit zu er«
kennen, als du sie uns Menschen zu kennen
für gut findest: ich danke dir für Alles, was
mir m meinem Leben hindurch wohlbehaget
hat und noch alle Tage wohlbchaget; denn
du bist ja der Geber alles Guten. Ich danke
dir au3 der Fülle meinrs Herzens, daß du
mir Stärke genug pegebm hast, manches mir
aufgestoßene Uebel glücklich zu überstehen,
denn du prüftest ja nur meine Ergrbung in
deinen göttlichen Willen. Ich lasse mir
deinen höchsten Willen gefallen, denn du bist
ja der Weiseste und weißt also am besten,
was mir gut ist. Gebe mir nur deinen Willen
zu erkennen, denn derselbe soll auch jedesmal
der meinige sein. Amen!". Hadamar, den
?. Jänner 1793. Abends um l l Uhr.
Unterberger, Michael Angelo (Maler,
geb. zu Cavalese in Tirol 11. August
1693, gest. zu Wien 27. Juni 1738).
Ein Sohn des k. k. Unterwaldmeisters in
Cavalese Christoph Unterberger und
ein Bruder Franzens ^s. d. S. 82^,
besuchte er, wie Letzterer, in Cavalese die
Schule des bereits erwähnten Albert!
und ging dann nach Venedig, wo er sich
unter Piazetta in seiner Kunst weiter
ausbildete. Die Werke aus seiner ersten
Zeit, sowie einige, welche er in Pafsau
ausführte, tragen noch ziemlich das Ge» präge seines Tiroler und spater seines
Venetianer Meisters. Erst in der Folge
rang er sich von deren Manier los und
schlug einen eigenen Weg ein, welcher
zwischen den besseren damals bekannten
italienischen und deutschen Meistern etwa
die Mitte hielt. Seine Bilder erfreuten
sich bald großen Beifalls, und er erhielt
allmälig zahlreiche Bestellungen. Längere
Zeit weilte er in Paffau, wo er für
Kirchen und Klöster viele Gemälde voll-
endete, über welche ich bei dem völligen
Mangel an guten Städtemonographien
nichts Genaues erkunden konnte. 1738-
begab er sich nach Wien, wo er sich durch
seine Arbeiten bald bemerkbar machte.
Nach dem 1731 erfolgten Tode Jacob
van Schuppen's M.XXXI I , S.218)
wurde festgesetzt: daß die Akademie durch
einen von drei zu drei Jahren Zu wählen«
den Rector geleitet werden solle, und von
1731 ab wechselten Unterberger unv
Paul Troger i M . XI.VII, S. 227)
im Directorate. Bis zu seinem Tode
lebte und arbeitete Michael Angelo in
Wien, und da er unvermalt geblieben
war, hinterließ er sein beträchtliches Ver-
mögen nebst der Sammlung werthvoller
Gemälde und Zeichnungen seinem Bruder
Franz I. j^ s. d. S. 82^j. Von seinen
Arbeiten, welche in Altarbildern be-
stehen, sind uns bekannt: zu Wien im
St. Stephansdom: „Ner h. Inton von
Plltwll, unn iler h. Znngtrllu bü5 Kinll Ir5n2 in
Zrinen Zrmtn empillliyrnd", auf einem der
linken Seitenaltare; — daselbst in der
Pfarrkirche zu St. Michael das Hochaltar-
blatt: „Ner h. Äntonins nun Palma und
St. Mchllü"; — in der St. Marcus»
kirche zu Ieopoldsdorf in Niederöster-
reich im Viertel ob dem Mannhartsberge
mehrere Altarblätter; — in der Pfarr»
kirche zu Wiltau in Tirol die Altar-
blätter: „Ner h, Joseph" und „Nie h. Chr-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Band 49
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Ullik-Vassimon
- Band
- 49
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1883
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 348
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon