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Mmbery 243 Mmböry
schloß er sich endlich einer Karawane von
Hadschis (Mekkapilgern) aus Bokhara
und der chinesischen Tatarei an. Am
28. März 1863 brach dieselbe auf, er-
reichte bei dem Orte Karatepe das
Kaspische Meer und fuhr von da auf
einem turkmanischen Schiffe über die
südöstliche Ecke des Meeres erst nach
Aschura, das seit 23 Jahren im russischen
Besitze ist, dann nach Gömüschtepe,
einem Turkmanenlager an der Mündung
des Görgen. I n Gömüschtepe und
nachher in Etrek hatte VämbHry die
beste Gelegenheit, die eigenthümlichen
Verhältnisse der Turkmanen zu studiren.
Es traf sich auch glücklich, daß gerade
derKerwanbaschi (Karawanenführer) des
Khan von Khiwa sich in der Gegend
befand, und mit defsen Karawane vereint
machten die Hadschis in 20 Tagen die
Reise durch die große Wüste nach Khiwa.
Vü.mbery beschreibt nun die Großartig-
keit und das Leben der Wüste. I n Khiwa
gerieth er in große Gefahr, entdeckt zu
werden, und nur die eigene Geistesgegen-
wart, sowie die Freundschaft seiner Reise»
gefahrten retteten ihn, ja er wußte sich
dann sogar ein gewisses Ansehen als
Hadschi Rumi (türkischer Hadschi) zu ver»
schaffen, wurde dem grausamen Khan
Seid Mehemed vorgestellt und für
würdig befunden, demselben seinen Segen
zn ertheilen. Nach einem Ausfluge nach
Kungrat setzte die Karawane ihre Reift
nach Bokhara fort. Furcht vor den
räuberischen Expeditionen der Turkmanen
zwang sie, den Weg durch die Wüste zu
wählen, wo sie die schrecklichsten Leiden
durch Wassermangel zu erdulden hatte
und auch Vämböry nur durch die Hilft
persischer Soldaten dem Leben erhalten
blieb. I n Bokhara war er neuen Ver»
dächtigungen und einer fortwährenden
Spionage von Seite des Statthalters Rahmet Bi ausgesetzt- da es ihm aber
gelang, die islamitischen Geistlichen, die
hier im Hauptsitze des Islam in Mittel-
asien besonderen Einfluß besitzen, zu
tauschen und bei diesen Achtung zu ge»
winnen, konnte die weltliche Gewalt ihm
nichts anhaben. Der Aufenthalt in
Bokhara dauerte 22 Tage und bot dem
Reisenden Gelegenheit, dieses „Rom des
Islam", wie er es nennt, genau kennen
zu lernen, ohne jedoch einen besonders
günstigen Eindruck von dem Gesehenen
zu empfangen. Nun wurde die Reise
nach Samarkand, der Stadt Timur's,
angetrete-n, wo die Erinnerung an diesen
großen Eroberer noch sehr lebendig war.
Dort zog zu dieser Zeit gerade der aus
dein Feldzuge gegen Kokhand zurück-
kehrende Emir von Bokhara ein, und
auch diesem mußte der Reisende seine
Aufwartung machen. Seine Absicht, noch
weiter nach Osten vorzudringen, konnte
Vä.mbäry, wie nun einmal die Ver»
Hältnisse lagen, vorlausig nicht ausführen,
und so nahm er von seinen treuen Ge«
fährten schmerzlichen Abschied und trat
die Rückreise über Karschi, Balkh, May-
mene nach Herat und von da nach
Teheran an. In Herat war er zum letzten
Male in Gefahr, entdeckt zu werden. Der
junge Serdar sagte ihm geradezu: ,Ich
beschwöre es, du bist ein Engländer", und
nur V g.mbä ry's treffende Entgegnung:
„Wer einen Gläubigen, wenn auch nur
im Scherz, einen Ungläubigen nennt, ist
selbst ein Ungläubiger" rettete ihn. Auf
persischem Gebiete konnte er allmälig
seine Maske fallen lassen, und als er im
Jänner 1864 in Teheran ankam, ent-
deckte er dem Schah seinen wahren Cha-
rakter, und der Herrscher beschenkte den
kühnen Reisenden reich mit Gold und
verlieh ihm den Sonnenorden. Nach
Europa zurückgekehrt, war Vämb6ry
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Band 49
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Ullik-Vassimon
- Band
- 49
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1883
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 348
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon