Seite - 248 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Ullik-Vassimon, Band 49
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Vamb^ry 248
selben bearbeitet und mit Anmerkungen ver«
sehen von G. von Helinersen. Mit einer
Karre und fĂĽnf auf Samarkand bezĂĽglichen
Abbildungen". Alerande: Leh mann. dieser
ausgezeichnete Reisende und Naturforscher, hat
sich 1841 nicht blos längere Zeit in Samar«
kand aufgehalten, die Umgegend durchforscht
und mit hoher Begabung kochst eifrig und
fleißig Alle» beobachtet und beschrieben, sondern
ist auch noch ungefähr drei Grade weiter
jenseits Samarkands in das Innere von
Asien eingedrungen, hat die „asiatische Schweiz"
besucht ^ d . i, S. 14t seinrĂĽ Werkes und
über das ganze paradiesische, oon Schnee»
bergen umsäumte obere Thal des Flusses von
Samarkand wissenschaftliche Kunde gebracht.
Vämb^ry dagegen kam nur bis Samarkand
und nickt darüber hinaus in die innerasia«
tischen Alpengebirge. Die Sache mit England
und Vl imb^rv hat aber eine andere, nicht
rein Wissenschaft! che, sondern vielmehr poli-
tische Seite; man hoffte damals durch ihn
dcn Weg nach Ecntralasien zu finden und
dem dorr ^efĂĽrchtetsten Gegner Englands,
dem Russcnthume, mit diesen Entdeckungen
ein Paroli zu biegen. Die Nüssen »erhielten
sich bei den englischen Uebertreibungen nichts
weniger alö indifferent und bezeichneten V ä m»
b^ry's ganze Wanderung — wohl aus uer»
letzter Eitelkeit durchaus ungerecht — als
unbedeutend, Di.e Engländer aber gaben sich
noch immer nicht zufrieden und suchten den
Forschungsreisenden fĂĽr ihre Interessen zu ge-
winnen, und so begannen denn die geheimen
Unterhandlungen. Zwischen den beiden ten»
dcnziösen Parteien stand nun zunächst der
Ungar Vämbsry, der. als er das über-
kĂĽhne WagniĂź tl'at, nur an seine National-
frage dachte — denn er reiste ja im Auftrage
der ungarischen Negierung in sprachwifsen»
schaftlichen Erforschungszwecken — dann aber
auch dce deutsche Wissenschaft, welche sich
weder um die Priorität in dieser Angelegen«
heit, noch auch durch britische Großmäuligkeit
um ihr wissenschaftliches Vorrecht bringen
lassen wollte. Vämbäry als Reisender zu
sprachlichen Zwecken steht in Ungarn nicht
allein da. schon vor idm haben so manche
seiner Landsleute Asien in der Ahsicht durch«
wandert, um dort die Ursilze der Magnaren
aufzusuchen, wir nennen nur beispielsweise
Alerander Cs oma ^Bd. I I I , S. 63). Johann
Ierneu ^Bo. X, S. 169^ und Anton Re-
tt ul n lBd, XXV, S. 135). Ueurigens bewiesen
sich d!e Engländer, wie immer, wenn es die! Förderung ikrer Zwecke gilt. sehr generös-
sie honorirtcn Vämbsry die englische, bei
M urray erschienene Uebersehung seiner Reise-
beschreibung mit 2000 Pfund Sterling, worauf
dann auch die Pariser Firma das Recht der
französischen Ausgabe für 12.000 Francs er-
warb. So standen und stehen die Verhältnisse
mit Vämbsry's gegen alles Fug und Recht
als beispiellos hingestellter Reise nach Central-
asien, so wurde ein in rein wissenschaftlichem
Interesse vollbrachtes, immerhm höchst ver«
dienstliches Unternehmen theils durch Unwissen»
dcit, tdeils durch AnmaĂźung im Hinblick auf
polirische Zwecke und nationale Rivalitäten
zu einem Wunder hinaufgebauscht, bis der
deutsche Ernst und die deutsche GrĂĽndlichkeit
endlich in dieses Intriguenspiel und in d'.ese
Renommage hineinfuhr und den Deutschen
gab. waä den Deutschen ^ehölt, und Väm«
bsry lieĂź. was ihm nicht genommen werden
kann. wobei dem ungarischen Reisenden das
ZeugniĂź gegeben werden muĂź. daĂź er selbst
mit allem Ernste gegen die groĂźbritannische
Breilspurigkeit in geographischen Dingen Pro»
test einl'gte.
VI. Biographische (Quellen. A l lgemeine
Z e i t u n g (Augsburg. (5otta. 4".,) 1864,
S. 2715/ll,, :j(1?5/a, 5ö0o und 2ö10; 1863.
S. 8177—3178 und 31^—:l1W; 1867.
S. 2501. — Dieselbe, 1864. Beilage
zwischen Nr. 1ö5 — li>1: „Der Ungar V:im'
b^rn in (Üentralasieu". — Das Ausland
(Stuttgart. Cotta. 4",) 1804. Nr. 52. —
B 0 rn m ĂĽ l l e r (Z'ranz). Biographisches
Schriftsteller« Lerikon der Gegenwart. Die
bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gebiete
der Nationalliteratur aller Völker mit Angabe
ihrer Werke (Leipzig lä82. Bibliogr. Institut,
t,".) 3. 7 l^>. — Daheim. Ein deutsches
Familiendlatt mit Illustrationen (Leipzig,
Velhagen und Klasinq. ^i".) l374, S ö8 u. f..
S. 73 u f.: „Aus Hermann Vuinb«ry's
Leben. Von ihm selbst niedergeschrieben.
I. Jugendzeit. I I . Lehrzeit im Orient". —
äi 300 ^iti2,tti u2v 1879, sucee-
äori I^ e ^lonnikr, ^i-. l>^>) p. 1023 snrnnt
V -i m b 5 r v'ü (.^eburtäort irrig Tzendabcly statt
Szerdahely^l. — Em bacher (Friedrich Di-.).
Lerikon der Reisen und Entdeckungen (Leipzig
1882, Vibliogr. Institut. 8".) S. 289. —
Globus, Herausgegeben von Karl Andrs
(40.) XXV. Bd. (<874). S l7l u f : „V:un-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Band 49
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Ullik-Vassimon
- Band
- 49
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1883
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 348
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon