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Mrady. Gabriel 263 Mrady,
da fehlen, daß ihm der „Neue Freie
Aoyd" ein Diplom über „tiefe (mili-
tärische) Fachkenntnisse" ausstellt, und
daß Vä.rady Heer und Flotte als seine
besondere Domäne ansieht? Ende gut,
Alles gut, besitzt er auch wirklich ein
klangvolles, sympathisches Organ, das,
verbunden mit einem schwungvollen Vor»
trage, ihm sckon bei seinem Debüt 186l
von einigen Hyperenthufiasten den
Namen Ko s su th I I . eingetragen. ^K o s-
suth (Bd. XI I I . S. 8 u. f.) litt bekannt-
lich in Bezug auf Mein und Dein an
continuirlicher Begriffsverwirrung.^ Der
Verein so vieler Vorzüge berechtigt gewiß
dazu, namentlick in solchen Fällen her-
vorzutreten, wo es sich darum handelt,
den Leuten auf der äußersten Linken und
durch sie nach Turin (wo damals Ehren»
Kossuth weilte) hin zu sagen: Seht
Ihr's, wir brauchen nicht erst des Mahn-
rufes, auch wir stblummern und schlafen
nicht und lassen uns in treuer Erfüllung
der Pflicht patriotischen Svectakelns von
Keinem was vorgeben!" So der Pesther
Berichterstatter. Thatsache bleibt es, daß
Värady im Parlamente einen solchen
Einfluß zu gewinnen verstanden, daß ihn
das Unterhaus zu seinem Vice-Prastdenten
und zum Mitgliede der Delegation des
ungarischen ReichsratlM aus seiner Mitte
wählte. Neberdies war er erternes Mit»
glied der judiciellen Staatsprüfungen in
Manuaroö-Szigeih. So standen die Ver-
hältnisse, als im Juli 1879 aus den (5nt-
hüllungeli im Proceß S ä)weizer - S on»
nenberg Vice-Präsident Vi i rady der«
art compromittirt hervorging, daß, wenn
ihm auch kein Verbrechen im Sinne des
Strafgesetzes nachgewiesen werden konnte,
er doch für jede Gesellschaft von Ehren-
männem unmöglich geworden. Dieser
Ansicht war nur er selbst nicht. Er legte
wohl, von der öffentlichen Meinung ver» urtheilt, sein Abgeordnetenmandat nieder,
reichte aber, nachdem er gegen seinen
Willen — in Ungarn ist ja so Vieles
möglich, was anderwärts unmöglich —
wieder gewählt worden war, sein neues
Mandat im Jänner 1880 im Hause ein,
wo es dem Verificationsausschuffe über-
wiesen wurde, welcher Värady's Wahl
bestätigte. Schon in der oben mitge»
theilten Skizze des Pesther Correspou»
deuten geschah der journalistischen pro-
teusartigen Thätigkeit Värady's Er-
wähnung. Jene journalistischen Arbeiten
sind nicht mit seinem Namen gezeichnet.
Dagegen finden wir ihn wiederholt als
Verfasser topographisch «historischer Auf«
sätze, und zwar schrieb er: in
^.Iduni" 1860, S. 1: ^lär
äxi^et i5M6l't2tü56 ^ d. i. Nachricht über
Marmaros-Szlgeth; — in ^Honvuä-
^Idum" j868, S. 47: .Vxv nap ll e m-
n61", d. i. Einen Tag mit Bern; — in
^.^!(?lill60lo^i:r1 ^rtLsitö" III) l870.
S. 39: .,?:Uv".
Allgemeine Ieirun,^ (Augsburg, doc^a.
4".) tt. Juli ^87!>. Nr. 48?; dieselbe 3. Jänner
i8t>0. Nr. ^, T. 2l) und 24. Ianncr i88<>.
^lr. 24. 3. ^41. — Neue Freie fresse
(Wiener polit. Blart) l87<», Nr. A»06: „Pest>,
(Pesth) Bd. I I I , 1871. K. 38.
Noch sind anzuführen: 1. Adam Pärady,
Zeitgenoß. Nach Kertbcnn'6 unten be,;e:ch<
nctein Werkchen diente derselbe 1848 als
Kapitän in drl.' Honu«?d'?lrmee und entkam
nach der Katastrophe bei VilägoS 1849 in die
Türkei. Später ging er in die Walachei und
fübrte die Redaction der Bukarester „Unga«
rischen Zeitung". 1869 dielt er sich im Bade
Homburg alö Photograph auf. 1860 trat er
als Major in Garibaldi 's Freischaaren-
Corp5 und 1861 in dieser Eigenschaft in die
, ungarische Legion ein. Nachdem er seine Ent«
^ lassung genommen hatte, lebre er in Turin,
! späier als Photograph in Zürich. Seine
i weiteren Tchicksale sind nicht bekannt. ^Ke rt«
! deny (K. M.). Die Ungarn im Auslande.
! I . Namrnsliste ungarischer Emigration seit
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Band 49
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Ullik-Vassimon
- Band
- 49
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1883
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 348
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon