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Varga, Katharina 268 Varga, Katharina
werben wußte. Auch über ihre leitenden!
Absichten ist kein Anhaltspunkt zu posi-
tiver Beurtheilung vorhanden. Zunächst
scheint es, als habe sie von den Gemein»
den unter dem Vorwande, ihnen zu ver-
lorenen Rechten wieder zu verhelfen, aus»
giebige Geldleistungen erzielen wollen.
Solche weibliche Sachwalter waren, wie
Herr von Fried enfels erzählt, in Un-
garn nie eine Seltenheit. In der Wahl
ihrer Mittel nahm sie es nicht eben sehr
genau, so spiegelte sie, um sich bei der
Menge Ansehen und Vertrauen zu ver«
schaffen, derselben vor, sie besitze bei
Hofe großen Einfluß, weil sie Kaiser
Ferdinands Amme gewesen sei. Nun
aber war dies eine offenbare Lüge, schon
aus dem einfachen Grunde, weil Katha-
rina um mehrere Jahre jünger war, als
der Kaiser, welken sie gesaugt haben
wollte. Indeß die Masse, die nur auf
materielle Erfolge rechnete, nahm sich
gar nicht die Mühe, diese absurde Un-
wahrheit näher zu prüfen, um dadurch
zur Ueberzeugung zu gelangen, daß sie es
mit einer Betrügerin zu thun habe. Zu
jener Zeit war gerade im Topänfalvaer
.Bergdistricte, in den Gemeinden Abrud-
falva, Bucsuni und Kerpenyes, eine un-
gewöhnliche Bewegung zu bemerken;
Widerstand gegen die Behörden, Dro-
hungen und Gewaltthätigkeiten gegen
Alle, welche dem Gesetze seinen. Weg
bahnen wollten, traten immer bedenk-
licher hervor, und schon traute sich kein
Cameral- und Comitatsbeamter dahin zu
gehen, die wiederholten Aufforderungen
aber, Katharina Varga auszuliefern
und zum gesetzlichen Gehorsam zurückzu-
kehren, blieben unbeachtet. Nun wurde
auck ein Militärcommaudo zur Auf-
hebung dieser Volkstribunin in die Berge
entsendet, aber von dem commandircnden
Stabsoffizier, der gar bald die Gefahr- lichkeit des Unternehmens und die Un-
möglichkeit der Ausführung erkannte und
nutzloses Blutvergießen, wie denn auch
einen möglichen, dem Ansehen der kaiser-
lichen Waffen schädlichen Mißerfolg ver-
meiden wollte, wieder zurückgezogen. In
dieser Nothlage wandte man sich an den
kurz zuvor als bischöflicher Vicar der
Griechisch-Orientalischen nach Sieben»
bürgen entsendeten Archimandriten von
Kovil, Andreas Schaguna jM.XXIX,
S. 86^, mit der Aufforderung, durch das
bekanntlich beim walachischen Volke
höchst einflußreiche priesterliche Ansehen
die Bevölkerung zu Gehorsam und Ord-
nung zurückzuführen. Es gelang ihm
auch wirklich, die erregten Massen von
weiteren Ausschreitungen zurückzuhalten
und zum ruhigen Abwarten der in ihrem
Urbarialprocefse zu fallenden Entschei-
dung zu vermögen. Nun stellte man
Ende September 1846 an Schaguna
die weitere Forderung, er möge die er»
wähnten Gemeinden dahin bringen, oie
Ruhestörerin, falls dieselbe wieder unter
der Bevölkerung erscheinen sollte, zu er-
greifen und der politischen Behörde „zur
Abschiebung in ihre Heimat" auszuliefern.
Diese Aufforderung blieb jedoch ohne
Erfolg. Kathar ina Varga trieb nach
wie vor ihr Unwesen unter den Berg»
bewohnern, und die Erregung der Ge>
müther steigerte sich in bedenklkbster
Weise aufs Neue. Da faßte Schag u n a
einen kühnen Entschluß, den er nach
kluger Vorbereitung auch muthig aus-
führte. Nachdem er eine Kirchenvisitation
in jener Gegend angekündigt hatte, er-
schien er zu Weihnachten 1846 in der-
selben und bestellte auf den ersten Christ-
tag (griechischen Kalenders) alle Gläu«
bigen in eine Gemeinde. I n dieser hielt
er nun die Kirchenfeierlichkeit ab, und
nach Schluß derselben ließ er die Leute
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Band 49
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Ullik-Vassimon
- Band
- 49
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1883
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 348
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon