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) Katharina 269 Varga, Stephan
sich im Freien versammeln, wo er dann
eine längere Rede hielt, in welcher er der
Menge das Erfolglose und Verderbliche
ihrer Bestrebungen verständlich machte
und sie zuletzt aufforderte, ihm ein paar
Manner cn:s ihrer Mitte zu nennen, die
ihm die Beschwerden des Volkes kund-
geben sollten, und mit denen er sich, um
sie über die ganze Angelegenheit aufzu-
klären, besprechen könnte. Was er nun
erwartet und worauf er seinen Plan
gebaut hatte, geschah: als Vertreter und
Sprecher der Beschwerdeführer wurde
ihm Katharina Varga vorgeführt.
Sobald jedoch dieselbe zu reden begann,
ergriff der stattliche im vollen Priester«
ornate prangende Mann die Ruhestörerin
und schob sie in den nächst ihm stehenden
Wagen, der Kutscher, schon im vor-
hinein verständigt, hieb in die Pferde,
und Niemand wagte dem geheiligten
hohen Priester Widerstand zu leisten. Im
raschen Laufe enteilte der Wagen, und
bald war die Aufwieglerin nach Karls»
bürg abgeliefert, wo sie in festen Ge-
wahrsam genommen wurde. Am 4. Fe-
bruar 1847 ward dem Vicar Schaguna
für den bewiesenen tactvollen Eifer die
ah. Zufriedenheit zu erkennen gegeben,
zugleich aber angeordnet: daß Katha«
rina Varga bis auf Weiteres zu Karls-
bürg in strenger Haft gehalten werde.
Spater erfolgte ihre Verurtheilung zu
mehrjährigem Kerker. „So hatte", ruft
unser Gewährsmann aus, „ein einziger
Mann, freilich ausgestattet mit allen
Vorzügen einer imposanten Persönlich,
keit, bewußten Willens und hierarchischen
Ansehens, vollführt, was thatsächlich
eine selbst größere militärische Demon«
stration, auch mit starkem Blutvergießen
erfolgreich kaum zu vollführen vermocht
hatte". Die bei dem Unternehmen mit«
betheiligten griechisch»orientalischen Orts» geistlicken erhielten angemessene Belohn
nungen in Geld.
Friedenfels (Eugen von). Joseph Bedeus von
Scharberg. Beiträge zur Zeitgeschichte Sieden«
bürgenS im neunzehnten Jahrhundert (Wien
1876, Braumüller, gr. 8".) Bd. I, T. 194,
4l4 u f.; Bd. I I , 2. 403.
Vargll oder, wie er auch geschrieben
wird, Wltrsthll, Stephan ^Geburtsjahr
unbekannt). 1848 ungarische: Ministe-
rial'Secretär, wurde er am 17. October
d. I . von Franz von P u l s z k y
M . XXI V, S. 70^ als alt^- 650 der
königlich ungarischen Hofkanzlei in Wien
zurückgelassen und später auf Befehl des
FürstenWindischgratz verhaftet. Sein
Name steht mit der Auffindung der von
dem Hochverrather Kossuth geraubten
und verborgenen und dann durch die Be>
mühungen des Hauptmann - Auditors
Titus Karger sBd. X, S. 476^ wieder-
gefundenen ungarischen Krone im engen
Zusammenhange. Die unten bezeichnete
Quelle berichtet nämlich, wie man mehrere
Jahre, doch immer vergebens, nach der
geraubten h. Stephanskrone gesucht habe.
Was allen Combinationen bei der Nach-
forschung mißlungen war, sollte durch
List erreicht werden. Unter den zahl»
reichen nach Bewältigung der Revolution
den Kriegsgerichten zur Verurtheilung
eingelieferten Gefangenen befand sich
auch Stephan Varga. Ueber diesen
brachte man in Erfahrung, daß er einst
zu Kossuth in sehr intimen freund»
schaftlichen Beziehungen gestanden und
mit demselben so manche Nacht spielend
und trinkend durch schwärmt habe. An
diesen Mann wendete man sich nun und
bewog ihn — welche Versprechungen ihm
gemacht wurden, entzieht sich unserer
Kenntniß — nach London zu Kossuth
zu gehen und demselben das Geheimniß
zu entlocken, wo die Krone verborgen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Band 49
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Ullik-Vassimon
- Band
- 49
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1883
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 348
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon