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Varga, Stephan 270 ) Joseph
sei. Um jeden Verdacht zu beseitigen und
keine Ahnung einer beabsichtigten List
aufkommen zu lassen, ließ man Varga
aus der Haft entfliehen, der nun seinen
Weg nach London nahm. Kossuth war
hocherfreut, seinen alten Cumpan wieder
zu sehen; sie erzählten sich sodann
gegenseitig ihre Erlebnisse, und während
einer ungemein nebeligen Nacht, welche
die alten Freunde am warmen Kamine,
echte Hauannacigarren rauchend, bei
wohlfrappirtem zu ungewöhnlicher Mit-
theilsamkeit anregenden Champagner ver-
plauderten, enthüllte Kossuth das Ge-
heimniß. V a r g a hatte dann nichts
Eiligeres zu thun, als am nächsten Morgen
nach Wien zu reisen und über seinen
Erfolg zu berichten. Nun sendete man
ihn auf dem Kriegsdampfer „Schlik" mit
einer Pionnierabtheilung nach Orsova.
Unglücklicher Weise stand die von Kos-
suth bezeichnete Stelle damals unter
Wasser, welcher Uebelstand einen sechs»
wöchentlichen Aufenthalt zur Folge hatte.
Endlich wurden die Grabungen möglich.
Da Kossuth aber. die Stelle, wo die
Krone verborgen lag, natürlicher Weise
nicht genau zu bezeichnen vermochte,
so mußte ein größeres Terrain syste»
matisch durchgraben werden, was wieder
mehrere Wochen m Anspruch nahm.
Endlich fand man die Krolle u. s. w.
Später soll Varga wieder in London,
und zwar auf großem Fuße gelebt haben
und dann nach Ungarn zurückgekehrt
sein. Man bezeichnet ihn auch als Ver»
faffer, eines im Jahre 1848 erschienenen
Pamphletes über die ungarische Hof-
kanzlei.
Gartenlaube der Greiner Zeitung »icht
zu verwechseln mit der Keil'schen Garten«
laube) 20. März 4880. Nr. 34: „Episode auS
der Geschichte der heiligen Stephanskrone.
Nach Aufzeichnungen eines Augenzeugen".
Von H—r K. Noch sind anzuführen: 1. Emi l von Varga,
der in jungen Jahren in die kaiserliche Ärmce
trat. in wrlcher cr l8ö9 zum Rittmeister
zweiter blasse im Baiser Franz Ioseph-Hus;a>
ren'Regimente Nr. t aufrückte. Dieses focht
iin italienischen Feldzuge 4859 bei Magenta
(4. Juni) mit. Daselbst ward Varga, der
als Ordonnanzoffizier iin siebenten Armeecorps
in Verwendung stand, verwundet. I86o zum
Rittmeister erster Classe im Pnlffn-Huszaren-
Regimente Nr. l4 befördert, zog er mit dem«
selben 4866 in den Feldzug gegen Preußen
nach Böhmen, wo er für sein tapferes Ver»
halten mit dem Militär-Verdienstkreuze auS<
gezeichnet wurde. Am 6. November 1877 er«
> folgte seine Ernennung zum Obcrstm und
! Commandanten deSHm'zaren-Regiments Groß,
! fürst Wladimir Nr. i4. l'T hürhei m (Andreas
! Graf). Die Reiter-Regimenter der k. r. östcr»
rcichischen Armee (Wien 1862, Geitler. gr. l,o.)
I I . Band: „Die Huszaren", S. 1l>. — Der«
selbe. Gedentdlatter aus der Kriegsgeschichte
der r'. k. österreichisch'ungarischm Armee (Wien
und Teschen H88U, >^l. Prochaska. gr. 8".)
Bd. I I , S. 243. unterm Jahr 1866.1 —
2. Joseph Warga (Ort und Zeit seiner
Geburt unbekannt). Im Jahre lijöu stand er
als Hornist im Erzherzog Franz Karl.Infan-
^ tcrie<Regimente in Italien. Er liefert einen
! recht glänzenden Beweis, wie der Soldat in
der unteren Charge, wenn derselbe nicht blos
! gedri l l t , sondern erzogen worden, also
nicht blos eine Maschine, sondern ein den»
kendcr Mensch ist, wichtig in5 Ganze ein«
greifen und erfolgreich zum Siege mitwirken
oder doch mindestens Unheil verhüten kann.
Eine Abtheilung der vierten Division gcnann«
ten Regiments war in der Schlacht von
Solferino (24. Juni) bei Casa nuova im Ge<
I feckt gestanden und hatte schon so stark ge<
litten, daß sie abgelöst werden mußte. Daö
Retraitc»Zeichen, welches dieselbe aus dem
Gefechte rief, wurde irriger Weise gleichfalls
von der ablösenden und eben vorrückenden
Abtheilung abgenommen, so daß auch diese
sich schon zum Rückzüge anschickte. Hornist
Warga bemerkte dieses Mißverständniß glück«
licher Weise noch in einem Zeitpunkte, ehe
dasselbe eine. uerhängnißvolle Folge herbei-
führen konnte, und gab, die Sachlage über-
blickend, mit großer Geistesgegenwart und aus
eigenlm Antriebe sofort das Signal „Sturm!"
Und kaum war das Zeichen erklungen, so
stürzte sich auch schon die ganze Plänklerkette
auf den überraschten Feind und warf den«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Band 49
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Ullik-Vassimon
- Band
- 49
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1883
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 348
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon