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Varicaurt) Friedr. Prosper Rouph 273 Varicour^ Friedr. Prospcr Rouph
marschalls Grafen Radetzky aus der
Feldzugsperiode vom 13. Juni bis
9. August 1848 wird der Rittmeister
Baron Var icourt für sein umsichtiges
und tapferes Benehmen ausdrücklich be-
lobt. Im ungarischen Feldzuge aber, im
Treffen bei Csorna am 13. Juni 1849,
bot sich ihm Gelegenheit, durch Selbste
aufopferung und entschlossenen Muth
sich besonders hervorzuthun. Als nämlich
die kaiserlichen Truppen in Folge eines
von zwei feindlichen Colonnen gleich«
zeitig unternommenen Angriffes zum
Rückzüge aus dem Orte Csorna, den sie
besetzt hielten, gezwungen waren, bildete
eine halbe Uhlanen-Escadron unter Com»
mando des Rittmeisters Var icour t die
äußerste Arriöregarde. Nördlich von
Csorna hatte der Feind bedeutende
Streitkräfte entwickelt, und um unserer
Halbbrigade den Rückzug abzuschneiden,
sollten starke feindliche Huszarenabthei^
lungen mit zwei Geschützen den Punkt
umgehen. Als Var icourt diese Bewe»
gungen des Femdes gewahrte und deren
Absicht erkannte, warf er sich mit seinen
Uhlanen den Huszaren kräftig entgegen
und führte mit todesverachtender Bravour
wiederholt Attaquen aus, durch welche»
er ebenso die Absicht des drängenden
Feindes verhinderte, wie er den kaiser»
lichen Truppen den Rückzug, wenngleich
unter beständigen Gefechten, ermöglichte.
Gleich zu Beginn derselben fiel General
Wyß, welcher sich bei der äußersten
Arriöregarde befand, durch zwei Gewehr»
kugeln tödtlich getroffen. So wurde
durch Varicourt 's ebenso raschen wie
entschlossenen Angriff auf die feindlichen
Huszaren die geplante Umzingelung deS
Ortes Csorna vereitelt und die noch ein»
zige Verbindungslinie über Bö-Sarkäny
mit dem ersten österreichischen Armeecorps
des Feldmarschall »Lieutenants Grafen
v. Wurzbach, biogr. Lerikon. XI^IX. sGet Schlik frei erhalten. Auch im weiteren
Rückzugsgefechte bei Bö-Särkany zeich-
nete sich Varicourt durch Helden-
müthigen Widerstand aus. Er und sein
Kamerad Rittmeister Karl Graf Taaffe
M . XI. I l , S. 307) retteten sozusagen
die österreichischen Abtheilungen jener
Brigade durch eigene heroische Selbstauf«
opferung. Die vier in der Action be>
griffenen Uhlanen - Escadronen fochten
muthig wie die Löwen, und nur ihre
glänzende Bravour ermöglichte einen
wohlgeordneten Rückzug. Der Revo»
lutionsgeneral Georg Klapka selbst
gedenkt in seinen „Memoiren" der „aus»
gezeichneten Tapferkeit der österreichischen
Uhlanen" im Treffen und dem späteren
Rückzugsgefechte bei Csorna. Noch hatte
Rittmeister Baron V a r i c o u r t im
Sommerfeldzuge 4849 Theil an den
rühmlichsten Leistungen seines Regiments:
an den beiden Schlachttagen von Komorn
und in den Schlachten von Szöreg und
Temesvär. Im Jahre 1830 verließ er,
als ältester Escadronscommandant, den
activen Dienst und erhielt später den
Charakter eines Majors in der Armee.
Um sein nicht unbedeutendes Vermögen,
welches er einem ungarischen Guts»
bescher, seinem besten Freunde, anver-
traut hatte, durch dessen Verwickelung in
die Revolution gebracht, verschwand er
mit einem Male aus Oesterreich. Als er
aber seine reiche Mutter nach deren Tode
1833 beerbte, kehrte er zurück, kaufte
30.000 Joch Urwald in der Marmaros
und führte daselbst das Leben eines Son-
derlings. Auf einer mächtigen stark»
ästigen Eiche ließ er sich sein Wohnzimmer
bauen, wohin man nur auf einer Zug»
brücke gelangte. Nun in stetem Kampfe
mit Juden und Christen, Richtern und
Advocaten, Adel und Geistlichen, welche
diesen grundehrlichen Soldatencharakter
. ii.Feb, 1884.) 48
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Band 49
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Ullik-Vassimon
- Band
- 49
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1883
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 348
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon