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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Ullik-Vassimon, Band 49
Seite - 274 -
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Paricourt, Friedr. Prosper Rouph 274 Varicourt, Friedr. Prosper Nouph mißbrauchten, beschwindelten und betro- gen, kam er wieder um einen großen Theil seines Vermögens. Mit dem, was er noch gerettet, ging er nach Paris, wo er sich auf den Spiritismus verlegte und bald zu dessen eifrigsten Anhängern zahlte. Nur ab und zu erschien er mit seinem Medium, einer Französin, in Wien oder Pefth. I n der letzten Zeit verarmte er ganz, so daß seine Käme« raden, da er keine Unterstützung annahm, seine Gedichte, die nur bei ihm selbst zu haben waren, um theueres Geld kauften. Aber nicht diese Kämpfe, in denen Vari> court mit unverwüstlicher Energie für sein Recht einsteht und aus denen er leider nicht immer siegreich hervorgeht, sind es, die uns hier interessnen. Er ist, wie erwähnt, auch Poet, und zwar ein geist- und schwungvoller formgewandter Poet, der zuerst mit einem Büchlein „Mimten- Illnnen eines österreichischen Reiters" (Darm- stadt 4834, kl. 8<).) vor die Oeffentlichkeit trat. Diese Lieder voll echten Humors, wahre Kriegerpoesie, wurden mit Be» geisterung in der kaiserlichen Armee ans- genommen, des Verfassers Name ging bald von Mund zu Mund, und Baron Haricourt hieß der Sänger der öster-' reichischen Armee von „Einst". Jedoch gelangten in diesem Büchlein nicht alle seine Gedichte zum Abdruck. Die kost« lichsten sind eben jene, die nicht gedruckt werden durften und von dem damaligen Oberlieutenant Raimondi illustrirt, die Runde im Regimente machten. Diesen Dichtungen folgte eine zweite Samm- lung, betitelt: „Wilde Dtder am milder seit" (Pesth 1869), die im Selbstverläge erschien und bezüglich deren der Ver. faffer verfügte, daß das ganze Ertragniß den Armen zuzuwenden sei, und zwar der» art, daß Jeder nur einen Revers auszu« stellen und zu versprechen habe, Armen eigener Wahl 1 st. 30 kr. — was der Ladenpreis des Buches wäre — zu spenden, um ein Exemplar zu erhalten. Kaum dürfte auf so originelle Art ein Werk in den Buchhandel gekommen sein. Die Lieder selbst weichen von denen der ersten Sammlung stark ab, es sind Geißelhiebe wuchtigster Art, welche der Dichter auf die offenen Wunden unserer Zeit, den mannigfachen Schwindel, den zerrütteten Zustand der Finanzen und der Justiz, den gefährlichen Mummenschanz der ungarischen Politik und den National» schwindet fallen läßt, es sind Geißelhiebe, die durch Mark und Bein dringen. Zu seinein alten liebenswürdigen Soldaten- humor kehrt der Poet in der dritten Sammlung „Ans der üZterreichiZchen Kaserne" <l87.) zurück, in welcher er uns wieder einen vollen Strauß frischer gemüthlicher Lieder bietet. Mit Originalität verbinden sie urwüchsige Frische, es ist ein Stück Reiterphilosophie, mit manch derber Sa- tyre gemischt. Aber auch einer Flugschrift begegnen wir unter den Arbeiten V ari» court's. „Nie Indrn imd die Änilenfragr" (Pesth 1861, Lauffer und Stolp, 80.) und ungarisch: „.< x8i<iok äs a. xsiäök kei-ääso" (ebd.) betitelt sie sich. Sein Waffengefährte Andreas Graf Thür- heim, dieser nimmermüde Verkünder der Waffenehre Oesterreichs, dieser meister« hafte Zeichner österreichischer Charakter- köpfe aus dem Kriegerstande, dieser Pa« ladin des Ruhmes der kaiserlichen Armee, zeichnet seinen Kameraden, wie folgt: „ V a r i c o u r t , tapfer und schneidig, Mann voll Energie und Ehrgefühl, ein wackerer Degen — stets classischer Laune — etwas Original, etwas Sonderling — Franzose an sprudelndem Geiste, Deutscher an Biedersinn — gefurchtere Geißel der Dummköpfe und Intriguanten, ist mit seiner urwüchsigen lachenden Soldaten«
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Ullik-Vassimon, Band 49
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Ullik-Vassimon
Band
49
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1883
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
348
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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