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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Ullik-Vassimon, Band 49
Seite - 285 -
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Seite - 285 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Ullik-Vassimon, Band 49

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N) Karl August 283 Varnhagen, Karl August ein Halunke war er, und daß er nichts mehr vermag, ist ein Segen". Höchstens die scandalsüchtige Gemeinheit freut sich des vermehrten Abklatsches des weib» lichen Eichhoff und befindet sich beim Lesen dieses Schandbuches so wohl, wie der Käfer auf dem Miste. Daß diese Entrüstung keine allgemeine war, braucht nicht besonders bemerkt zu werden. Die nicht betroffenen Kreise sahen die Dinge unbefangen, ruhiger an. Nun aber, das Aufsehen war erregt, Ludmil laAssing hatte ihre Absicht — denn eine solche mußte vorgelegen sein, da sich die Nichte durch die Testamentsclausel ihres Oheims nicht für gebunden hielt — erreicht. Der giftige Pfeil war abgeschossen und hatte ge. troffen. Wer nun ohne Voreingenommen- heit den Nachlaß durchblättert, wird ge- stehen, daß derselbe unbedingt reiches historisches Material bietet, das aber nur mit großer Vorsicht zu benutzen ist, weil denn doch immer und überall die subjective Ansicht des Schreibers die Ober» Hand behauptet. Aber so schlimm, wie ein Kritiker über den Autor urtheilt: „Va rn- Hagen dachte anders, als er schrieb, schrieb anders, als er handelte, suchte nach dem Tode anders zu scheinen, als er sich im Leben zeigte, war unaufrichtig in seinem innersten Kern", stand es um Varnhagen doch nicht. Was derselbe schrieb, trägt offenbar den Stempel der Wahrheit, wenn auch die Schadenfreude, es zu erzählen, nicht wegzuleugnen ist. Daß seine Nichte den Zeitpunkt der Ver öffentlichung nicht abwarten würde, dies konnte er um so weniger denken, als letzte Willensmeinungen heilig gehalten zu werden pflegen. Wie hoch Varn» Hagen bei seinen Zeitgenossen in Ehren stand, dafür spricht schon die Thatfache der vielen Widmungen, womit bedeutende Literatoren den in Ruhe gesetzten Autor zu ehren juchten svergl. S. 286 die Quellen). Ueber Varnhagen von Ense ist viel geschrieben worden, und alle Conversa- tions-Lerika enthalten mehr oder minder ausführliche biographische Skizzen über ihn, wir theilen nur solche Quellen mit, welche sich leicht der allgemeinen Kennt- niß entziehen und da sie bestimmte Schlag lichter auf den rücksicbtsloftn Diplomaten- werfen, nicht ganz der Vergessenheit an« heimfallen sollen. He ine in seinem „Atta Troll" widmete dem wohlunter' richteten in Ruhe gesetzten Diplomaten, der bis in sein hohes Alter sich Interesse an den politischen und literarischen Be- wegungen und eine Unabhängigkeit der Gesinnung, welche ihn noch bis kurz vor seinem Tode zum Stichblatt junkerlicher Gesinnung machte, zu wahren wußte, in Caput XXIV mehrere köstliche Strophen. Varnhagen, obwohl Katholik, wurde seinem Wunsche gemäß gleich seinem Vater auf dem protestantischen (Dreifaltigkeirs-) Kirchhofe in Berlin beigesetzt. Unser Schriftsteller, der schon 1819 als ge- heimer Legationsrath, also im Alter von 34 Jahren und nach kaum fünfjähriger Dienstzeit in Preußen seinen Abschied erhielt, hat, wie wir sehen, rasch Carriere gemacht. Wie hoch wir nun auch als fördernden Factor sein Talent anschlagen mögen, so war denn doch noch ein anderes Moment dabei mitwirkend, wie er in seinen Denkwürdigkeiten selbst erzählt. Er besaß nämlich ein seltenes Ausschneide' talent. Seine zierlichen, geschmack- und phantasievollen Ausschnitte waren an Klarheit und Feinheit wohl kaum zu übertreffen. Ja, einzelne der von ihm ausgeschnittenen Landschaften, Blumen, Menschen und Thiere konnten oft nur mit der Louve wahrgenommen werden, und doch sah man sie voll Wahrheit und Treue wiedergegeben. Diese Fertigkeit,
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Ullik-Vassimon, Band 49
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Ullik-Vassimon
Band
49
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1883
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
348
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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