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anlagen und befreundete sich mit Kürn-
berger »Hd. XI I I , S. 330). Mit
seinem Wiffensdrange verband er Talent
und Vorliebe für Musik, welche er so
eifrig betrieb, daß er in Dilettantenkreisen
auf dem Clavier und im Gesänge sich
hören ließ. Nach beendeten Studien trat
er in Wien bei der k. k. Poftdirection in
den Staatsdienst, ging aber später zum
Handels- und Wechselgerichte über, wo
ihm die sitzende Lebensweise am Amts»
tische weder wohlbekam, noch zusagte, so
daß er bald wieder den Staatsdienst ver-
ließ. Um sich dem Studium der Natur-
geschichte hinzugeben, besuchte er zunächst
Paris, dann Zondon, von wo er nach
dreijähriger Abwesenheit wieder nach
Wien zurückkehrte. Daselbst fand cr
Stellung im k. k. zoologischen Cabinete,
hörte zu gleicher Zeit die Vorträge des
Dr. Jäger über Fischzucht, trat dem»
selben in kurzer Zeit näher und beschloß,
mit ihm einen Aquarien-Salon, den
ersten in Wien, nach englischem Muster
zu errichten. I n Folge dessen gab er
seinen Posten auf und eröffnete die mit!
seinem Collegen geplante Ausstellung, in
welcher verschiedene Seefische, Polypen
und sonstiges Seegethier im Meerwaffer,
welches er von Trieft kommen ließ, im
lebenden Zustande gezeigt wurden, im
Hause Nr. 2 am Michaelerplatze. Diese
Ausstellung, welche neue Wunder der
Natur dem Publicum erschloß, fand den
verdienten Beifall. Der allerhöchste Hof,
alle Stände, Jung und Alt fanden sich
ein, um das Leben im Waffer, wie es
sich dem Besucher zum ersten Male dar-
bot, anzustaunen, und bei dieser Ge>
legenheit lernte Ußner auch die beiden
durch ihren Kunstsinn und durch wiffew
schaftliche Förderung allgemein bekannten
Grafen Breune. r und Wilczek kennen.
Die Errichtung eines kleinen Thier- gartens — besaßen doch Hamburg und
Dresden bereits große — wurde geplant
und ein solcher auch durch die Unter»
stützung der zwei genannten Kavaliere
neben dem ersten Kaffeehause im Prater
geschaffen. Auch dieses Unternehmen er
regte das Interesse des Publicums, das
sich zahlreich einfand, und wie denn der
strebsame Mensch mit seinen größeren
Zwecken wächst, so griffen Dr. Ußner
und Jäger wieder höher, und es ent-
stand der Plan eines großen Acclimati-
sationsgartens, wozu wohl als nächstes
Vorbild der berühmte ^'aräin, äks pi^ntes
zu Paris ins Auge gefaßt wurde,
welcher, obwohl bereits vor 430 Jahren
als Königsgarten ^'aräin äu roi)
ins Leben gerufen, sich doch erst nach
und nach zu seiner gegenwärtigen Be«
deutung und Höhe emporgehoben hat.
Lange fanden die beiden Forscker kein
geeignetes Terrain für ihr großartiges
Unternehmen, da boten denn die ge-
nannten zwei Grafen bereitwillig die
Hand, und so miethete man den im
Prater gelegenen, dem Zimmermeister
Hasenauer gehörigen Bauholzplatz,
der bis dahin keinen Heller eingetragen,
um den ungeheueren Pacbtscbilling jähr-
licher 20.000 ft. gleich auf zehn Jahre.
Wahrscheinlich forderte der Eigenthümer
aus localem Patriotismus diese Summe,
um nur das Opfer der beiden Natur-
forscher um so größer erscheinen zu laffen.
Kurz das Terrain war gefunden, und
nun wurde unter der umsichtigen, echt
künstlerischen Leitung der beiden Wiener
Maler Anton Schrödl M . XXXI,
S. 34^ und Canon-Straschiripka
M . XXXIX, S. 233^ der bis dahin
wüste Platz reizend umgestaltet und mit
den, den verschiedenen Thiergattungen
entsprechenden Häuscken und Zwingern
versehen. Auck ward eine Actiengesell-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Band 49
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Ullik-Vassimon
- Band
- 49
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1883
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 348
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon