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Wallner, Anton 284 Mallirer. Anton
der Kircke einzuschließen, zu verbrennen
und sodann das ganze Tbal mit Feuer
und Schwert zu verwüsten. Als man
von dem Anrücken des Feindes Nachricht
erhielt, stürzten alle Schützen aus der
Kirche, Wallner mit seinen Söhnen
voran. Zwei feindliche Reiter sprengten
auf ihn zu, wurden aber Beide von seinen
Söhnen niedergeschossen. Nun begann
der Kampf, die Schützen vertheidigten
sich mit Kolben, Stöcken, Spießen, Stein»
würfen. Es ward mit einer Erbitterung
ohne Gleichen gekämpft. Die Franzosen
konnten ihr Vorhaben, die Kirche in
Brand zu stecken, nickt ausführen, nach
langem blutigen Ringen wurden sie
endlich aus dem Orte gedrängt und bis
an die Lienzer Klause verfolgt. W a l l>
ner griff nun auch diese an, eroberte
sie und warf den Feind bis nach dem
anderthalb Stunden fernen Orte 3ienz
zurück. Ungeachtet dieser großen Erfolge
capitulirten aber die durch die Kämpfe
erschöpften und den immer mehr zu-
nehmenden feindlichen Streikräften nicht
gewachsenen Bewohner des Aineter
Thales am 13. December. Die Folge
davon war nicht nur, daß unser Landes-
Vertheidiger sich in seine Heimat zurück-
ziehen mußte, sondern auch die Auffor»
derung des Divifwnsgenerals Brous-
sier an das Pfleggericht zu Windisch-
Matrey: Wallner und dessen beide
Söhne Joseph und Johann binnen
zweimal 24 Stunden auszuliefern, wid-
rigenfalls der Markt in Brand gesteckt
werden würde. Wallner rettete sich
durch die Flucht noch rechtzeitig nach
Oberleibnigg, und als er dort uin den
Preis von 1000 st. verrathen worden
war, wovon er jedoch noch früh genug
Kenntniß erhielt, nach dem Bergdörfchen
Oberpeischlag. Aber auch dahin verfolgte
ihn der Verrath. Ein gewisser Vormann wollte das Blutgeld verdienen; da wurde
Wallner von einem alten Freunde,
dem Tepp ich Händler Ranach er, g:>
warnt und ihm von diesem ein Hausier-
paß, für einen Teppichhändler lautend,
eingehändigt. Da er seine wichtigsten
Papiere mit sich führte, suchte er
sich so
unkenntlich als möglich zu machen, ließ
den Schnurrbart abnehmen, vertauschte
seine Landestracht mit der eines steirischen
Jägers und trat so mit seinem Freunde
Ranacher die Flucht über Berg und
Thal nach Oesterreich an. Am 22. De-
cember erst erschienen die angedrohten
französischen Executionstruvpen in Win«
disch-Matrey und ließen die Achterklärung
der Familie Wal lner dreimal von der
Kanzel herab verkünden. Mittlerweile
war der Flüchtling nach Wien entkommen,
wo er die Nachricht erhielt, daß sein
Haus von Grund aus zerstört und seine
ganze Familie gemordet sei. Diese Nach-
richt war nur zum Theile wahr: nämlich
sein Haus und das seines Nachbars
Panzl wurden wohl zerstört und dem
Boden gleichgemacht, aber die Familie
lebte, wenngleich in größter Bedrängniß
und Bekümmerniß in einem Verstecke.
Der ohnehin durch die Strapazen der
letzten Monate und der Flucht erschöpfte
Wallner gerieth über die Ermordung
seiner Familie in die höchste Aufregung
und wurde von einem heftigen F'eber er-
griffen. Der frühere Tiroler Unter-Inten-
dant Ritter von Roschmann erhielt
nun vom Kaiser Franz Befehl, daß der
erkrankte Wal lner in seiner eigenen
Wohnung und auf kaiserliche Kosten
ärztlich behandelt werde, Statt dessen
aber brachte man denselben in das allge»
meine Krankenhaus, wo er bald in so
heftige Delirien verfiel, daß er an Hän-
den und Füßen gegurtet werden mußte
und auch so am t3. Februar 18l0. also
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Vrčevic-Wallner, Band 52
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Vrčevic-Wallner
- Band
- 52
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1885
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 342
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon