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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Vrčevic-Wallner, Band 52
Seite - 288 -
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Seite - 288 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Vrčevic-Wallner, Band 52

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Mallner, Kranz 288 ) Franz das durch seine schmucklose und Zwerg- haste Niedlichkeit unstreitig zu den kleinsten Theaterbauteil gehörte, die es jemals gegeben hat. Auf diesen Brettern spielte bis dahin ein aus dem Abhub der kleinen märkiscken Wandertruppen zu- sammengerafftes Personal so erbärmlich, daß selbst die Schusterjungen der Um- gebung ihre Sonntagsgroschen nicht dafür ausgeben wollten. Cerf, der nicht, wie er gehofft, bei seinein Unter« nehmen Rechnung gesunden, sah sich ge« zwungen. sein Liliputtheater zur Ver- pachtung aufzubieten. Wer es über- nahm, unterfing sich bei dem Verrüfe, in welchem dieses Haus stand, dem man schon von einem dicht nebenan gelegenen Vergnügungslocale ungezwungenster Art den Spottnamen „Die grüne Neune" gegeben hatte, eines nicht geringen Wag- nisses, und Wal lner, in dem ein ener> gischer Thätigkeitsdrang und ein begrün- detes Selbstvertrauen lebte, unternahm dieses Wagniß. Aus Posen hatte er einen schon gesckulten Stamm tüchtiger Schau-- spieler mitgebracht, seine ungemein schöne Frau und auch trefft iä^e Schauspielerin war gleichfalls eine Zugkraft, und so pachtete er 1834 das Cerf'sche Theater und widmete sich mit hingebendem Eifer der Leitung desselben. Es war keine Kleinigkeit, was er unternommen, da er, der vor einem Vierteljahrhundert während eines Gastspiels und dann nicht wieder in Berlin gewesen, daselbst gar keine Ver- bindungen und mit der Journalistik keine Fühlung hatte. Er stand ganz allein ohne jede kräftige Förderung in einem odscuren oder doch als unfashio» nable verpönten Winkel der Hauptstadt. Es waren das schwere sorgenvolle Wochen, die nun folgten. Aber mit der Zeit, da Wallner in seinem Bestreben, immer Gutes und in tüchtiger Form zu bieten, nicht nachließ, kam doch der eine und der andere Theaterfreund dahin und fand, daß jetzt wesentlich Anderes ge> boten werde, als unter der Cerf'schen Mißwirthschaft. Auch die Presse begann das neue Unternehmen zu beachten. Zuerst trieb die Neugierde das Publicum dahin, und nachdem es einen Genuß ge» habt, die Freude an dem Gesehenen. Das Haus füllte sich mit jedem Tage mehr und mehr. Binnen Kurzem sah all» abendlich die öde Blumenstraße ein bis' her niemals von ihr erlebtes Schauspiel in den wimmelnden Schaaren, den zahl» reich dahinrollenden Equipagen und Droschken, deren Ziel das winzige Theater neben der „grünen Neune". Durch Beharrlichkeit war der Sieg über alle Widerwärtigkeiten mißlicher Verhält- nisse mit einem Male errungen. Es ging bergauf mit täglich sich steigerndem Er» folge, der zu einem in der Theater» geschichte wohl beispiellos dastehenden Glänze, einer wahrhaften Elettrisirung der gesammten Bevölkerung'sich gestal« tete, als der anregende Schöpfer des jungen Instituts für die jahrelang in ihm lebende Idee einer echten Berliner Volksposse in David Ka lisch den rechten Dichter, in seinen berühmt gewordenen Komikern Hel in erding«, Rcufche nnd' Anna Schramm Darsteller der durch, schlagendsten Wirkung gefunden hatte. Nach einer zweijähriger^ erfolgreichen Thätigkeit kaufte er das von ihm bis dahin nur gepachtete Theater und unter» warf es einem vollständigen Neubau. Später begann er den Bau eines offenen Theaters und zwei Jahre spater den einer eleganten Sommerbühne. Doch auch das- genügte ihm nicht, t864 er» baute er das großartige Wallner<Theater, nach welchem die Straße, wo es steht, den Namen Wallner-Theaterstraße führt.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Vrčevic-Wallner, Band 52
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Vrčevic-Wallner
Band
52
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1885
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
342
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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