Seite - 291 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Vrčevic-Wallner, Band 52
Bild der Seite - 291 -
Text der Seite - 291 -
Maüner. Agnes 291 Mllliner (Porträts)
es gar in sein Haus auf, wo seine Gattin
der Halbwaise eine treue Pflegemutter
wurde und den Sinn für Häuslichkeit in
ihr wach erhielt. Im Alter von sechzehn
Jahren bezog Agnes vier Thaler Mo-
natsgage; das war freilich wenig, und
so half sich die Schauspielerin durch
Schneiderei, womit sie ihr Einkommen
für das Nothwendigste ergänzte. Nun
verließ sie Leipzig, spielte in Chemnitz,
Altenburg, Plauen, heute die Griseldis,
Louise, Johanna d'Arc, morgen den
Pariser Gamin. Endlich für das Königs-
städter Theater in Berlin gewonnen,
blieb sie daselbst bis zum Tode des Di-
rectorä Cerf und folgte dann einem
Rufe Ringelhardt 's an das Stadt-
theater in Riga. Dort traf sie mit
Franz Wal lner, der sie schon von
seinen Gastspielen in Leipzig und Berlin
her kannte, wieder zusammen und wurde
seine Braut. Wal lner ging indeffen
nach Petersburg, und erst nach andert-
halbjähriger Trennung fand am 8. Mai
i848 die Trauung in Halle statt. Nun
machte sie mit ihrem Gatten eine Gast»
spielreise, trat in Aachen, Düsseldorf,
Leipzig, Petersburg, dann wieder auf
den besten deutschen Bühnen auf und
folgte ihm nach Posen und später nach
Berlin, wo sie auf seiner Bühne eine
Hauptstütze derselben bildete. Ihr Re-
pertoire umfaßte einen Rollenkreis von
großem Umfange, so zog das Publicum
in Schaaren in das Theater in der
Blumenstraße, wenn sie in den Stücken
von Dumas: „Eine neue Magdalena"
die Margot , in „Pariser Sitten" die
Susanne d'Ange, in „Diane de 3ys"
die Sione spielte, oder in den kleinen
Bluetten, die ausschließlich auf dem Dia-
log beruhen, wie „Komm her", „ Im
Wartesalon", „Ich effe bei meiner
Mutter", ihr heiteres Talent entfaltete, oder in humoristischen Rollen, wie Jul ie
in „Die Schwäbin", die Frau von
Schönberg in „Eine Frau, die in
Paris war", sich als Meisterin bewährte,
die wenige ihres Gleichen hat. Etwa ein
Jahr nach dem Tode ihres Gatten —
am 19. December 1876 — soll sich Frau
Wal lner , die sich von der Bühne
zurückgezogen hatte und in Berlin ein
sehr gastliches, von Schriftstellern und
Künstlern gern besuchtes Haus führte,
mit einem reichen Grafen Z., einem
Manne in den besten Jahren, verlobt
haben. Ob es zur Vermalung gekommen,
ist dem Verfasser dieses Lexikons nicht
bekannt.
^. lQnellen zur Biographie von /ran) WaUner.
Blät ter für literarische Unterhaltung (Leip-
zig. Vrockhaus. 4".) 1864, Teite 35?. —
B l o ch's C h a r i u a r i (Berlin) 1868,
Nr. 21. — Gartenlaube. Von Robert
Keil, 1876. S. 564: „Ein Ahasoer der
Kunst". — I l lust r i r tes Wiener Extra»
blatt , 4872. Nr. 100 im Feuilleton: „Der
schreibselige Wallner". — I l lustr i r te Zei»
tung (Leipzig. I . I . Weber) 1876. Nr. 1702
— K a i s e r (Friedrich). Unter fünfzehn
Theaterdirectoren. Bunte Bilder aus der
Wiener Bühnenwelt (Wien 1870. Waldheim.
12",) S. 103 und 106. — Presse (Wiener
polit. Blatt) 1866. Nr. 166 und 167. —
Walter (Julius). Neue Sprudelsteine. Ein
karlsbader Bilderbuch (Wien 1876. Rosner,
kl. 8".) S. 238. — Wiener Theater-
(Chronik, 1868, Nr. 26. im Feuilleton. —
Wiener al lgemeine Musik-Zeitung.
Herausgegeben von Dr. August Schmidl.
1846. Nr. 1. — Weser-Zeituna. 1863.
Nr. 6236. im Feuilleton; 1864. Nr. 6342:
„Berliner Brief von M. R.". — Wigand'ä
(Honoersations'Lerikon. Bd. XV, S. 40. —
D er Zw ischenak t (Wiener Theater-
blatt) IV. Jahrg. 11. März 1861: „Wie
die Verdienste des Directors Wallner in
Berlin auch von seinen Feinden anerkannt
werden".
Porträts. 1) Unterschrift: Facsimile des Na»
menszuges: „Franz Wallner". 5>hne Angabe
des Zeichnern und Lithographen (Druck uon
A. Waldow äon., Berlin. 8".). — 2) Unter«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Vrčevic-Wallner, Band 52
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Vrčevic-Wallner
- Band
- 52
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1885
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 342
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon