Seite - 128 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Weil-Weninger, Band 54
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Weiß, Iosephi'ne 128 Karl
Strapazen der Reise und die Uebungen
mit ihren Kindern nahezu erschöpften
Kräfte völlig in Anspruch. Sie sah sich
gezwungen, das Bett ;u hüten. Da ge-
schah etwas Unvorgesehenes. Auf der
Kiste, welche die (5ostume für den neuen
Tanz enthielt, kochte in einer großen
Kaffeemaschine der Kaffee. Zufälliger
Weise warf eines der Kleinen dieselbe
um, und der ganze braune Saft ergoß
sich durcb die Spalten des Deckels über
den Inhalt der Kiste und beschädigte
sämmtliche Kleider. Nun raffte sich die
schwerkranke Frau von ihrem Schmer-
zenslager auf und schnitt aus neuen
Stoffen neue Kleider zu, aber damit
schnitt sie zugleich den eigenen Lebens-
faden ab' ihre Krankheit verschlimmerte
sich zusehends, und in wenigen Tagen
war Joseph ine Weiß eine Leiche.
Was ihre Ehe betrifft, so war dieselbe
nach Aussage Aller, die das wissen
konnten, keine glückliche. Beide Ehe-
gatten gingen ihre eigenen Wege, sie in
die Fremde bis nach Amerika, wahrend
er in Wien blieb. Als er sich im Gefühle
der Zurücksetzung von der Bühne frei ge-
macht, wurde Frau Weiß während ihres
zweimaligen Aufenthaltes in Amerika
jedesmal durch den Besuch ihres Gatten
überrascht, den wohl mehr die goldene
Ernte seiner Frau, als seine Gattenliebe
dahin gezogen hatte. Kurz vor ihrem
Tode kaufte sie noch in der Nähe von
Wien, bei Brunn im Gebirge, ein Landgut,
den sogenannten Wälsch'schen Hof, an,
der dann ihrem Manne als Erbe zufiel
und wohl zunächst seinen Ruin herbei-
führte. Nach ihrem Tode löste sich das
Kinderballet auf. Von den Mitgliedern
desselben gelangten einige zu Bedeu-
tung: so die 3 einsitt, die spätere Solo»
tänzerin des Braunschweiger Hoftheaters,
auf welchem dieselbe am 20. Jänner 1836 mit ihren Gazekleidern den Lampen
zu nahe kam und fürchterliche Brand'
wunden erhielt, denen sie nach sechs-
tägigem qualvollen Leiden erlag; zwei
Schwestern Rorar ius, von denen eine
den Volksschriftsteller Anton Langer
! M . XIV, S. 108^> heiratete; die
Flor. ians chütz, die zum Ballet des
Kärntnerthor-Theaters, und die Worel l ,
die zu dem des Iosephstädter-Theaters
kam, und welche Beide, nachdem sie
geheiratet hatten, sich von der Bühne
zurückzogen; die Schwestern Helene und
Katharina Blasel ; auch der nachmalige
berühmte Komiker Karl Hlasel soll
Mitglied dieses weiblichen Kinderballets
gewesen sein, da ihn Madame Weiß,
weil er „gar so ein schönes Bubi" war,
als Mädchen, verkleidete, um ihn im
Ballet mithüpfen zu lassen.
Kaiser (Friedrich). Unter fünfzehn Theater«
Direktoren. Bunte Bilder aus der Wiener
Bühnenwelt (Wien l870. Waldheim. l2".)
S. l07. lo«. — Neue 6 Wiener Tag«
blatt. 26. November l8<>9. Nr. 326 in der
Biographie ihres Gatten Eduard Weiß. —
Morgenpost (Wiener Localklatc) 1869,
Nr. 326 im Feuilleton: „Eduaro Weiß". —
Fremden« Blat t . Von Gustav Heine
(W:en. 4".) 6. December I8l>ö, Nr. 336:
„Wiener Lieblinge. I I I . Folge.- Kleine Lieb«
linge der Großen. Große Lieblinge der
Kleinen".
Weiß, Julian, siehe: Weiß, Wilhelm
I> den Quellen, S. 132, Nr. 18^ >.
Weiß, I . H., siehe: Weiß, Wilhelm
^in den Quellen, S. 133, Nr. 19^j.
Weiß, Karl (Schriftsteller, geb.
in Wien am 13. Februar 1826). Ob-
gleich er im Taufscheine We is geschrieben
steht, bedient er sich doch der Schreibung
Weiß. Der Sproß einer Bürgerfamilie
Wiens, besuchte er 1837—1842 theils
bei den Piaristen in der Iosephstadt da-
selbst, theils in deren Convicte zu Krems
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Band 54
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Weil-Weninger
- Band
- 54
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1886
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon