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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Weil-Weninger, Band 54
Seite - 146 -
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Weisi, Wilhelm 146 Meiß, Emil tenstern, Liechtenstein und zuletzt als Charles John Bürgeß, Gentleman, Adjutantcapitän im 9. freiwilligen Corps Ihrer Majestät Königin Victor ia, in welch letzterer Eigenschaft ihn die rächende Nemesis ereilte, da er im Frühling 1869 in Prag verhaftet wurde. Weiß ist von israelitischer Abkunft, und über sein frü> heres Leben können nur d!e Strafacten zuverlässige Aufschlüsse geben. In der ersten Hälfte der Sechziger-Jahre lebte er in London, wo er als Baron Vay in mehreren Clubs, in adeligen und haupt- sächlich in militärischen Kreisen, seines liebenswürdigen Benehmens wegen ein gern gesehener Gast war. I n dieser Stadt machte er auch die Bekanntschaft des magyarischen Erdictaiors Kossuth, der in ihm sofort eine für seine agitatorischen Zwecke vollkommen geeignete Persönlich- keit erkannte und ihn 1866, kurz vor Ausbruch des berüchtigten Krieges, in welchem Stammesbruder gegen Stam- mesbruder kämpfte, nach Berlin schickte. Dort gelangte Weiß infolge verschie- delier Empfehlungen, welche er von London mitbrachte, bei einer hochgestellten Persönlichkeit zur Audienz, deren Resultat es war, daß er kurze Zeit darauf als ungarischer Spirituähändler Böhmen, Mähren, sowie einen Theil Galiziens bereiste und über die gerade im Auf' marsch begriffene österreichische Armee der preußischen Regierung sehr genaue Berichte erstattete. Während des Feld- zuges leistete er dem General Moltke als Spion wesentliche Dienste, und auch bei dieser Gelegenheit kamen ihm die außerordentlichen Sprachkenntnisse, welche er besaß, trefflich zu statten. So trieb er sich ein Mal in der Verkleidung als Offi> cier eines Grenz-Regimentes, ein anderes Mal als Huszarenofficier mitten zwischen den österreichischen Aufstellungen, immer l unbeanstandet herum, und vor Gericht > rühmte er sich, durch seine Berichte an i die preußischen Heerführer viel zur Ent- ! scheidung des Gefechtes bei Skalitz und !der Schlacht bei Königgrätz beigetragen ! zu haben. Für seine Spionsdienste bezog er ein tägliches Gehalt von zehn Du» caten und an den Tagen, wo er im öster- reichischen Lager beschäftigt war, eine Ertrazulage. Nach der Schlacht von Königgrätz schickte ihn die preußische Re- gierung nach Kissmgen in Bayern, wo er ebenfalls als preußischer Spion thätig war. Nach seiner Festnahme zu Prag im Mai 1869 wurde er von dem k. k. Landesgerichte in Wien reclamirt. Kurz vorher hatte er in Constantinopel als Capitän Burgeß der englischen Frei- ! willigen eine Nolle gespielt, mit welcher er die gewiegtesten Diplomaten am gol» denen Horn in wahrhaft genialer Weise täuschte. — Bemerkenswerth ist noch, daß Wilhelms älterer Bruder Emil eine nicht minder abenteuerliche Vergangenheit und Schicksale aufzuweisen hat, welche oic reichste Fundgrube für einen Cri- minalroman oder einen stattlichen Bei- trag zum neuen Pitaual bilden. Dieser Emi l , welcher im Regimente Großfürst Alexander-Huszaren Nr. 4 zuletzt als Corporal Stellvertreter diente, desertirte im Mai i843 mit einer für seinen Ritt» meister bestimmten ansehnlichen Geld- summe, reiste als österreichischer Huszaren» genecal herum, führte ein Leben der er- götzlichsten Abenteuer und stellte sich als Feldmalschall-Lieutenant Graf Wrbna sogar dem Hofkriegsrath und General der Cavallerie Grafen Hardegg in Wien vor, bis er nach zweijähriger Schwindlerlausiahn am 49. März 1847 festgenommen und an. sein Regiment ab» geliefert wurde. Er überstand die ihm kriegsrechtlich zuerkannte Strafe zehn»
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Weil-Weninger, Band 54
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Weil-Weninger
Band
54
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1886
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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