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Wellet» a 227 Melleba
4. Juni 1836). Die Humanitätsclaffen
besuchte er zu Kuttenberg und trieb
nebenbei mit Eifer das Studium der
Mathematik und Philosophie. Dann
aber wendete er sich der Malerei zu und
bildete sich unter Hawle M . VII I ,
5. 97^>, Bergler M . I, S. 309^> und
Kohl >M. XI I , S. 292^ für diese
Kunst, und zwar besonders in der Land»
schaftsmalerei aus, in welcher er bald
bemerkenswerthe Arbeiten schuf. Dabei
vernachlässigte er jedoch durchaus nicht
seine humanistische Ausbildung, sondern
förderte sie ebenso durch den Umgang
mit den Professoren S e i b t ^Band
XXXIII) S. 324^ und Me ißne r
l^Bd. XVII , S. 301^, welche Beide dem
talentvollen jungen Manne ihre Theil»
nähme zuwandten, wie auch dadurch,
daß er ihre Vorlesungen besuchte, die
seinem Geiste eine entsprechende Rich°
tung gaben-, fleißige Lecture aber clas-
sischer Werke der älteren und neueren
Zeit vollendete dann, was diese Lehrer
durch ihre Persönlichkeit und ihre Vor-
trage anbahnten. Zugleich mit der Ma>
lerei begann Welle ba auch poetisch zu
schaffen, und in den damals gelesensten
schöngeistigen Blättern, welche in Prag
und auswärts erschienen, wie in An-
drö's „Patriotischem Tagblatt", im
„Journal für Liebende", in der Zeit»
schrift „Diotima", im „Iocus", in den
«Jugendblüten" erste und zweite Lese
und in anderen Blättern veröffentlichte
er seine poetischen Arbeiten, wZlche zwar
meist Gelegenheitsdichtungen waren, aber
durch Schwung der Sprache, lebhafte
Phantasie und eine abgerundete Form
sich auszeichneten. Von seinen selbst»
ständig erschienenen Arbeiten nennen
wir: „Ghri5tn5 im Neiden. Aehn Momente"
(Prag 4817)' — „Grast nud Beruhigung
in Gesängen", mit 1 Titelkupfer (ebd. 4820, Calve, 80.); — „Oeiühle tiir jene Melt.
Anr Grbannng tiir CWZten, dargestellt in reli-
gillZen Betrachtungen, Gebeten und Gesängen",
mit 1 Kupfer (ebd. 1820, 8".); —
„Gebetbuch kür Frauen" (ebd. 1823); —
„Vollkommene Nar^tellung der Merkwürdigkeiten
nun Jerusalem, den heiligen Orten nnd dem
heiligen Grabe", mit 2 Ansichten (Prag
1827, 16".); — „Nie Olmie der hellätrah.
lenden Sterne d'eä h. Iahannrs uon Nepaniuk.
An dem lOOMrigru Änbelfeste seiner Heilig-
Zprechnng, dargestellt in 3V merkwürdigen Denk-
malen der Vorzeit nnb Gegenwart" (Prag
1827, 2. Aufl. 1830, kl. 8".); — „Nie
berühmte Präger Nriicke mit ihren Statuen", mit
37 KK. (ebd. 1827, 8«.); — „Die
Merkwürdigkeiten der Metrllpllliiankirchr ?u
St. Veit in pmg", mit 2 KK. (ebd., 8".).
Weleba wurde 1807 auch Urheber
eines eigenartigen, den Rosen festen
in anderen Ländern ähnlichen Frühlings-
festes, zu dessen Verherrlichung seit 1817
auch die Liebe-Versammlung des Klein-
seitener heiligen Feldes sich anschloß. Die
Theilnehmer des Festes wallen nämlich
am 1. Mai jedes Jahres auf den Klein»
seitener Kirchhof, dessen Boden an diesem
Tage einem Blumengarten gleicht, auf
dem drei geschmückte Altäre sich erheben.
Eine Predigt eröffnet die Feier, dann be-
ginnt das Hochamt. Ein Fahnenzug be»
wegt sich hierauf zwischen den Gräbern,
auf welche 23 Mädchen unter Absingen
von Liedern Blumen streuen. Danach
wird das Tedeum angestimmt, und der
Segen folgt. Eine von einem Mädchen
gehaltene Dankrede an den Pontisicanten,
den jeweiligen Abt des Prämonstratenser-
stiftes Strahow, schließt diese Feier, für
deren Theilnehmer Welleba ein eigenes
Andachtsbüchlein: „Ner GatteZacker. Vier
religiöse Betrachtungen" verfaßte, dessen Er«
trag man unter die Armen vertheilt.
Dieses sinnige Fest erfreute sich bald
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Band 54
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Weil-Weninger
- Band
- 54
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1886
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon