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Weiser, Philippine 236 Welser) Philippine
borcnen Gräfin Suaro i . widmete cr sich
dem Staatsdienste in der politischen Sphäre,
rückte stufenweise vor und bekleidete dann
mehrere Iabre die Stelle eines geheimen
Rathes und Gouverneurs von Illyricn, aus
welchem Kronlande ev, daselbst seines humanen
Wesens wegen ein freundliches Andenken
hinterlassend, 1832 als Sectionschef in
as Ministerium des Innern berufen wurde.
Aus diesem trat er nach einigen Jahren in
den Ruhestand über. den er noch lange zu
Gratz genoß. Aus seiner am 47. Juli 1813
mit Anlonill geborenen Gräfin özlip-irlj ge»
schlossenen Ehe stammen die Söhne Vin--
cenz, ^ t t o und Zeno, und sechs Töchter,
deren Verbindungen sälnmtlich aus der an-
geschlossenen Stammtafel ersichtlich sind. Graf
Zeno ist der gegenwärtige Chef des Hauses:
seine und seines Bruders T t to Lebensskizzen
werden S 234 und 241 mitgetheilt. Graf
Leopold Caspar Vincenz starb im
hohen Alter von 82 Jahren zu Gral). —
4. Otto, siehe die besondere Lebens skizze
5. 234. — 3. Peter .Paul, ein Sohn
Georg Welser's, diente in ^er kaiserlichen
Armee zuletzt als Oberstlieutenant in einem
Hürassier-Negimente, Er fiel vor 5)fen gegen
die Tücken am 12. September 1681. ^Tl?ür«
heim (Andreas Graf). Die Neiter-Regi'
menter der k. k. österreichischen Armee (Wien
1862. Geitler. gr. 8".) I. Bd.: Kürassiere
und Dragoner, S. 175.^ — «,. Phil ippine
(geb. gegen Ende i.V.w zu Augsburg, gest.
in Innsbruck 24. April 138U). Sie ist eine
Tochter Franz Anton Welse >.'s, eines
reichen und angesehenen Patriziers der Stadt
Augsburg ans seiner Ehe mit Anna Freiin
von Zinnenberg. Von vier bindern, noch
einer Tochter und zwei Söhnen, war PHi»
l ippine das Kleinod il'rer Eltern und die
Perle der ganzen Stadt. Von züchtiger Hold»
seligt'eit vereinte sie mit den Reizen des Kör-
pers allr Vorzüge einer schönen Seele, und
treffend bemerkt einer ihrer Viographen:
„Die Welser führen drei Lilien in il^em
Wappen, aber Phi l ipp ine war die schönste
der W el ser'schen Lilien, die jemals blühten."
Sie zählte achtzehn Jahre, als Kaiser Kar l V.
nach der Schlacht bei Mühlb.'rg einen Reichs«
tag in Augsburg hielt, auf welchem er in
Person mit seinem Bruder, dem Könige Fer-
dinand, und dessen Sohne Ferdinand
erschien. Letzterer (geb. zu Linz in Oboröster-
reich am 14. Juni 132!)) galt für einen der
schönsten Jünglinge und ritterlichsten Heldm seiner Zeit. Pon seiner Körperkraft erzählt
man sich erstaunliche Dinge, so schleuderte er
die schwerste. 28 Fuß lange Lanze mit einer
Hand. In der Schlacht bei Mühlberg hatte
er seine ritterliche Tapferkeit bewährt. Als er
nun auf dem Turnier zu Augsburg Phi l ip»
pinc sak, that sie es ihm an. Er versuchte
Alles, um „ihre Huld zu gewinnen, aber wenn
sie auch seine Neigung erwiderte, sie wollte
ihm nur als angetrautes Weib angehören.
Ueber die ersten Jahre dieses liebeseligen
Herzmübündnisses liegt ein undurchdringliches
Dunkel. Erzherzog Ferdinand übernahm
1349 die Würde eines Statthalters in Böh«
men. zog 1336 in den Fcldzug gegen die
Türken, aber treu bewahrte er sein Herz der
Augsburger Jungfrau, bis er sich im Jänner
1387 — dieser Zeitpunkt wird als der
sicherste angenommen — auf seinem Schlosse
Brzeznic durch seinen Beichtvater Johann
von Caual ler i is. den nachmaligen Dom-
propst von Trient (gest. 23. März 1380).
rechtmäßig, doch im Geheimen mit ihr trauen
ließ. Zeugin der Vermälung. überhaupt Ver»
traute dieser Ehe war Kathar ina von
L oran sgeb. um 131N. gest. 13. April 138U).
eine geborene A dler. Phi l ipp inens Tante
mütterlicherseits, die stets um ihre Nichte
blieb und später in Innsbruck das Amt einer
Tbnstdosmcisterin bei derselben versah. Der
Mann Kathar inas, die für eine der
schönsten Fraum ihrer Zv,'t galt, bekleidete
in der Folge die Stelle eineö Vizekanzlers
uon Böhmen, wo Ferdinand im Namen
des Kaisers regierte. Auf Schloß Vrzeznic
lrbtc Ph i l i pp i ne in uölliger Zurückgezogen»
heit. welche nur durch die, Besuche ihres
Gatten unterbrochen wurde. Am 12. De«
cember, nach Anderen 13. Juni 1338 schenkte
sie dort dem ersten Kinde das Leben, es war
A n dreas, der nachmalige (kardinal. Später
übersiedelte sie in die Burg Bürglih, unweit
Prag, weil Ferdinand sie in der Nähe zu
haben wünschte. Aber Eines war es, was
das Glück dieser Ehe trübte, deren Geheim»
niß. Endlich erfuhr'dcr Vater dasselbe und
zürnte ernstlich dem Sohne, dessen Ehe er
nimmer anerkennen wollte. Wie nun Phi«
l ippine die Verzeihung von Ferdinands
Vater erlangte, wird verschieden erzählt, und
die Romantik hat an diesen Darstellungen
immerhin ihren Antheil. Der wahrscheinlichste
Vorgang mochte wohl der sein. daß sie als
Fremde Audienz beim Kaiser nahm und ihre
aus Furcht vor den Eltern des Gatten heim»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Band 54
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Weil-Weninger
- Band
- 54
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1886
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon