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) Johann Nepomuk 243 Welsperg^ Johann Nepomuk
strirten Zeitung" (Wien. Zamaröki) i i . Juli
1880. Nr. 42.
Welsperg von Raitenau und Primör,
Johann Nepomuk Graf von (Staats-
mann, geb. zu Pr imör in Südtirol
am 16. Februar 1763, gest. zu Bozen
29. Februar 1840). Gin Sohn des Grafen
Iohann Marquard von Welsfterg
aus dessen Ehe mit Nloisia geborenen
Gräsin von Welsperg aus einer zweiten
Linie dieses Hauses. Nachdem er seine
Eltern in früher Jugend verloren, kam
er im Alter von 42 Jahren in das The-
resiannm zu Innsbruck, 1770 nach Bri-
ren und 1783 zur Vollendung seiner
Studien in das berühmte Benediktiner»
stift Kremsmünster in Oberösterreich.
Ende 1786 trat er zu Lambach bei dem
k. k. Kreisamte in Praxis, wurde 1788
Regierungsconcipist in Linz und 1791
Landeshauptmannschafts-Secretar in Kla-
genfurt. Um der Verwaltung seines in
schr zerrüttetem Zustande übernommenen
Besitzes näher zu sein, kam er durch einen
genehmigten Diensttausch 1794 zum Gu-
bernium in Innsbruck als Präsidial'
secretär. Als infolge der auf dem offenen
Landtage 1790 vorgebrachten Beschwer-
den der Tiroler den Ständen wieder ein
selbständiger Landeshauptmann gegeben
und dessen Amtsverwalterschaft inBozen,
sowie das alte adelige Hofrecht daselbst
hergestellt war, wurde er auf Vorschlag
des damaligen Landeshauptmanns Paris
Grafen von Wolkenstein am 11. März
1796 zum Landeshauptmannschaftsver-
walter an der Etsch ernannt, nachdem er
vorher noch einige Monate im Jahre
1793 beim Innsbmcker Stadtgerichte
die Praxis genommen hatte. Mit der
Zeit, in welcher der Graf seinen neuen
Dienstplatz antrat, brach eine der drang-
vollsten Katastrophen über Tirol ein,
deren Einzelheiten, wie des Grafen ver- ! dienstliches und umsichtiges Walten in
diesen schweren Tagen, wir nicht näher
schildern können; wir deuten daher sein
Wirken nur im Allgemeinen an und ver-
weisen im Uebrigen auf das in den
Quellen genannte Werk des Grafen Cle-
mens zu Brandis. Der Graf führte
in dieser schweren von Gefahren ver-
schiedenster Art durchkreuzten Periode
den Vorsitz der landschaftlichen südlichen
Landessckutzdeputation mit einer Umsicht
und Energie ohne Gleichen. Er erledigte
mit großer Klugheit und unermüdlichem
Eifer die vielfältigen und wichtigen An>
! gelegenheiten auf den häusigen Com-
misfiousreisen in das Lager und die
Hauptquartiere der commanoirenden Ge-
! nerale und übernahm im entschiedensten
Zeitpunkte des allgemeinen Landsturms,
1797, als derselbe bei dem Vordringen
der Feinde bis Brixen aufgeboten wurde,
freiwillig und mit gänzlicher Vollmacht
das schwere, gefahr- und mühevolle Ge-
schäft, das nach Sterzing in Masse
zusatnmengeeilte Volk zu reguliren. in
Corps einzutheilen, für dessen Verpfle-
gung zu sorgen und dasselbe nacb dem
von den commandirenden Generalen ent>
worfenen Plane auf die angewiesenen
Posten hinauszubringen, kurz den gan>
ze n Landsturm zu organisiren und
zu leiten. Feldmarschall » Lieutenant
Baron von Kerpen erklärte in einem
an den Landeshauptmann in Tirol aus
Niederndorf am 10. April 1797 erlasse«
nen Schreiben: „daß ohne des Grafen
Welsperg rastloses und kluges Be-
nehmen niemals etwas mit dem Volke
hätte unternommen werden können, wes»
halb dieser auch verdiene, ganz besonders
sowohl bei Seiner Majestät als bei dem
ganzen Lande anempfohlen zu werden".
Von Sterz-ing aus wirkte der Graf auch
auf die Anstalten und die Beförderung
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Band 54
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Weil-Weninger
- Band
- 54
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1886
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon