Seite - 244 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Weil-Weninger, Band 54
Bild der Seite - 244 -
Text der Seite - 244 -
i Johann Nepomuk 244 Welsperg, Johann Nepomuk
von dieser neuen erdrückenden Last zu
befreien und überhaupt in allen diesen
schwierigen, oft gefahrvollen Verhält-
nissen immer den richtigen Weg einzu»
schlagen, gelang nach des Feldmarschall-
Lieutenants von Chasteler ausdrück-
lichem Zeugnisse vornehmlich den Bemü-
hungen des Grafen. Verhängnisvolle
Zeiten aber traten für denselben ein, als
infolge der politischen Länder- und Grenz-
verschiebungen und der Besitzveränderun-
gen, die in der napoleonischen Periode
jedes Lustrum statthatten, im Jahre 1806
Tirol bayrisch wurde. Da der ganze
Besitz seines Vermögens in Tirol gelegen
war, sah sich Welsperg genöthigt, un-
geachtet der ihm in vertraulicher Weise
gemachten sehr vortheilhaften Anerbie-
tungen auf seinem Posten in Tirol zu
verharren, auf welchem er auch vorder-
hand von den Bayern belassen ward.
Bei den Gewaltmaßregeln, mit denen
nun Bayern namentlich gegen die Tiroler
Bischöfe vorging, kam er in schweres Ge<
dränge, als er als bayrischer Staats-
beamter den Auftrag erhielt, mit aller
Strenge gegen den Bischof und das
Domcapitel von Trient einzuschreiten.
Als Beamter leistete er Gehorsam, was
ihm dann, als Tirol 1814 an seinen
rechtmäßigen Fürsten zurückgelangte, von
seinen Feinden vielen Verdruß einbrachte.
Im December 1810 berief ihn der König
von Bayern für ein Jahr in seinen ge-
heimen Nath, welcher Ruf sich bis 1814
jährlich wiederholte. Am 1. Juni 1814
wurde Graf Welsperg zum General-
commiffär des Innkreises ernannt mit
der Weisung, sich sofort nach Innsbruck
zu verfügen. Des Grafen Versuche, eine
Zurücknahme derselben zu erwirken, schei-
terten. Er ging also auf seinen Posten.
So wie Welsperg waren in den letzten
Monaten vor der Landesabtretung von
des Landsturms im Süden, und zwar in
Meran ein, wodurch ein gemeinschaft-
liches Einverständniß und einstimmiges
planmäßiges Vorgehen zu gleicher Zeit
und mit bestem Erfolge erzielt wurde.
In gleicher Weise entfaltete er im Jahre
1801 seine einfluß- und erfolgreiche Thä-
tigkeit zunächst dadurch, daß er im Pas-
seier Thale einen Ausbruch der allge«
meinen Bewegung unter der im hohen
Grade erbitterten und aufgeregten Land-
bevölkerung verhinderte, welcher für diese
zunächst, aber auch für das ganze Land
von unabsehbar traurigen Folgen hätte
werden können. Als dann General Mac-
donald 23 südwärts der Demarcations'
linie gelegene deutsche Gerichte gegen
Fug und Recht in Contribution und Re-
quisition setzen wollte, wodurch die allge»
meine Erbitterung den bedenklichsten
Charakter anzunehmen drohte, gelang es
dem Grafen, nicht allein die beträchtlichen
Lasten von diesen Gerichten abzuwenden,
sondern auch den widrigen Eindruck zu
«erwischen, welchen das Vorhaben des
feindlichen Generals in denselben ge-
macht hatte. Nach Abschluß des Friedens
wollte Mac donald mit einem großen
Theile seiner Armee — 3000 Mann In-
fcmterie, 1309 Mann Cavallerie und das
ganze Hauptquartier — seinen Marsch
durch das nördliche Tirol über Bozen,
Meran, Landeck und Feldkirch nehmen,
um dadurch einen Umweg von 130 Stun-
den zu ersparen, den er machen mußte,
um den Mont-Cenis zu überschreiten.
Nun würden bei der Art und Weise, wie
der Feind sich zu verpflegen gewohnt
war, Officiere und Mannschaft dem
Lande bezüglich der Verpflegung ganz
zur Last gefallen und dabei noch die In-
tegrität des nördlichen Tirols verletzt
worden sein. Das ohnehin durch den
Krieg hart mitgenommene Tiroler Volk
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Band 54
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Weil-Weninger
- Band
- 54
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1886
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon