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Mendt, Johann Adam 274 Wendt von Mendtenthal, Joseph
Presse". Als er im Mai 188») starb, widmet«
ihm diese Zeitung einen warmen Nachruf, in
welchem sie ihn als sehr begabten, geistvollen
Mann, tüchtigen Violinspieler und gediegenen
Musikkenner schildert. Auch erwähnt sie, daß
er eine Sammlung Gedichte hinterlassen. Sein
schriftstellerischer Nachlaß ist Eigenthum eines
Herrn Nipp er zu Gräfenberg in Schlesien.
— Des Vorigen. Vater, Joseph August
Freiherr uon Wend (geb. 1783. gest nach
1831), war k. k. Ofsicier und focht in der
Schlacht bei Hanau 30. Mai 1843. Im Jahre
1823 trat er in Gvildienste über und beklei'
dete zuletzt die Stelle eines k. k. Camcral-
ratheü in Prag. Er war auch Schriftsteller
und ist Verfasser des Buches: „Manch'.'llei
auS dem Gebiete der Geschichte und Dich,
tung" (Wien 1824. Tendler, 12".). Aller
Wahrscheinlichkeit nach ist es derselbe Frei-
herr von Wend, welcher als k. k. Haupt»
mann im „Verzeichniß der in und um Wien
lebenden Schriftsteller" und als in der
schönen Literatur chatig von Franz Heinrich
Vöcth in dessen Buche: „Wiens lebende
Schriftsteller und Künstler und Dilettanten
im Kunstfache" (Wien 182t. Bauer. 12".)
S. 27 aufgeführt erscheint. Ein von ihm ge-
dichtetes Theaterstück, „Die Prinzessin von
Masovien", wurde wohl aufgeführt, ob es
aber zum Druck gelangte, ist mir nicht be»
kannt Wend war mit einer uon VrlN'cnegg
vermalt, welche ihn um mehrere Jahre über«
lcbte. Außer obigem Sohne Fr ido l in gebar
sie ihm noch eine Tochter, Auguste, welche
, mit dem k. k. Generalmajor Hof mann von
Wend he im verheiratet war, aus welcher
, Eve noch zwei Töchter am Leben sind. Fri«
dolins Großvater Joseph uon Wend
war auch Militär, und zwar zuletzt k. k.
Major und Commandant des Invaliden»
Hauses zu Tyrnau in Ungarn. — 3. Jo-
hann Adam uon Wendt (gest. 1716).
Ein Srnoß des alteil Adelsgeschlrchtes,
welchem der Oberstlieutenant O s w a l d
Freiherr von Wendt ^strhe diesen S. ,273.
Nr. ?j angehört, diente er auch in der kaisrr.
lichen Armee, war längere Zeit Üoinman«
dant zu Constanz. zeichnete sich i?oi in der
Schlacht bei (Mari aus und züchtigte 1703
die rebellischen Aaucrn in Bayern. Dieselben
hatten sich. von Theresia Kunigunde
geborenen Prinzessin Sobieski, zweiter
Gemalin deä Kurfürston Maximi l ian uon
Bayern, nachdem dieser über Straßburg nach
Brüssel geflohen, aufgereizt, im November 1703 in Masscn erhoben, uui die Oesterreicher,
welche München besetzt hielten, aus dieser
Stadt und überhaupt aus Bayern zu jagen
Ueber 20.000 standen sie in Wehr und Waffen
am Inn nnd an der unteren Doneu. und
die Losung: „lieber bayrisch'sterben, als öster«
reichisch verderben" stachelte die Gemüther
auf. so daß täglich neue Schaaren zu»
wuchsen. Da kam cs denn am 23. December
zu dem berühmten unter dem Namen des
„Sendl inger ' Christtags" noch heute
im Gedächtniß lebenden poetisch und künst<
lerisch verderrlichten Tressen bei Sendling, in
welchem die beiden österreichischen Generale
Wendt und Kriech bäum die Vauern
schlugen und zerstreuten. Wendt machte sich
in der Folge. 1710. in Oberöstrrreich seßhaft,
indem er von dem berühmten Genealogen
Iobann Georg Adam Freiherrn von Hoheneck
das Gut Eggendorf käuflich erwarb, welches
er dann. da er aus seiner Ehe mit Waria
Iasepya Antonia geborenen Gräfin Pressing
keine Nachkommen hatte, an seinen Vetter
aus Westphalen. Franz Egon von Wendt,
kaiserlichen Hauptmann, vererbte. Mit dem
kinderlosen Johann Adam von Wendt,
der 1713 in den Grafen stand erhoben
wurde, erlosch auch dieser grafliche Zweig des
Geschlechtes der Wendt. sReilly (Franz
Ioh. Ios. von) Skizzirte Biographie der be«
rühmtesten Feldherren Oesterreichs von Ma-
r imi l ian I. bis auf Franz I I . (Wien
1813. kl. 4".) S. 270.) — 4. Joseph
Wendt von Wendtenthal (geb. am
13. März 1732. gest. zu Wien am 24. April
1786) diente zuletzt als Offmal in der kuiser«
lichen Neichshofkanzlei in Wien. Gemein»
schaftlich mit Leopold Grub er gab er nach
dem Tode des Ioh. Nic. Vogel dessen
,,8V6c-iin6uIjibIiotliüoko6ei'innQiHS.^U5ti'i2'
cao" I>u,i-3 I—III (Viuäodouao 1779, 8°.
iua^.) heraus; dann aber erschien aus seinen
Sammlungen, bearbeitet von Marian a, saue-
tisüiiuo äaivätovii (eigentlich Andreas Fid»
le r), das Werk: „^usti-ig, saci-^: Hierarchie
und Monasteriologie oder Geschichte her
ganzen österreichischen weltlichen und klöster«
lichen Clerisei beiderlei Geschlechts" (Wien
178lj —1788. 8"), welches in neun Bänden:
Vorderosterreich, die gefmstete Grafschaft
Tirol, Innerösterreich (d. i. Steiermark),
Oesterreich ob und unter der Enns und (im
letzten Bande) die Haupt« und Nesioenz«
stadt Wien umfaßt und die dazu gehörigen
diplomatischen Veilagen enthalt. Meusel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Band 54
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Weil-Weninger
- Band
- 54
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1886
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon